Hier nun meine Kritik zu einem Film, auf den ich lange gewartet habe. Denn jeder, der etwas mehr auf die Geschichte der jungen Bundesrepublik eingeht, entwickelt automatisch ein Verständnis für die Selbstverständnis von Widerstandsgruppen.
Der Film beschreibt beinahe die gesamte Geschichte der R.A.F., der Roten Armee Fraktion. Es ist eine Geschichte über Studenten, Demonstranten, die sich durch die Gewalt der Polizei und anderer Staatsapparate dazu veranlasst fühlten, etwas zu unternehmen, damit sich kein neuer Nazistaat bildet. Die Spirale der Gewalt, in die sich die R.A.F. verwickelt hat, ist verstörend. Für beide Seiten. Der Verlauf des Filmes folgt von der Baader-Befreiung über die Isolationsfolter bis hin zum Mord an Schleyer. Der Film ist dermaßen gelungen, dass man auf hundert Punkte setzen kann. Denn der Film ist relativ neutral gehalten bis hin zur Verachtung gegenüber der Gewalt beider Seiten.
Ich kann mich allerdings der Vermutung nicht erwehren, dass jeder, der sich mit der Geschichte der Widerstandsbewegung der 68er Generation beschäftigt, zum Schluss kommen muss, dass es so eine Bewegung unweigerlich geben musste! Denn nicht nur die Jubelperser, nein, vor allem der juristisch verbohrte und gewalttätige Rechtsstaat der siebziger Jahre hat auf jeden Fall mit Widerstand rechnen müssen. Und Uli Edel sah das offenbar genauso. Den Krieg hat die R.A.F. nicht angefangen, sie hat begonnen, sich gegen das standrechtliche Erschießen von Studenten zu wehren und vor allem den Kampf gegen das imperialistische, kapitalistische Amerika aufzunehmen. Leider hat sich die Gruppe, die ich eher Baader-Ensslin-Gruppe nennen würde immer mehr in Gewalttaten verstrickt, die sie selbst als notwendig angesehen hatten. Aus Idealisten wurden Mörder.
Dieser Film beschreibt eine Spirale nach unten. Und sie ist fesselnd nachgestellt.
Natürlich kann man überall nun im Springer-Verlag nachlesen, dass der Film nicht auf die Opfer eingeht, aber in großartigen Machwerken wie: "Für die R.A.F. war er das System, für mich war er Vater" kann man viel über das Leid erfahren, das die Angehörigen durch die Gruppe erfahren mussten. Der Film "Der Untergang" zeigte ebenfalls nicht die Opferseite, nur denke ich, dass die Terroristen der R.A.F. selbst Opfer waren. Opfer eines Systems, das gnadenlos auf seine Feinde einprügelte und am Ende Opfer ihrer eigenen Gewaltorgien.
Beeindruckende Szenen belegen, dass man eine gewisse Form von Mitleid seitens der Filmemacher gegenüber der Bande eingetragen hat. Wenn man sieht, dass eine Horde Polizeibeamte auf einen Verhörten einprügelt und ein weiterer, ignoranter Polizist einfach die Jalousinen schließt.
Alles in allem eine traurige deutsche Geschichtsstunde (auf zweieinhalb Stunden aufgerundet) über Gewalt und Gegengewalt. Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Drama anzuschauen.