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Kritik von Alexander Kiensch zu 'The Road To Guantanamo'

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Kritik von Alexander Kiensch
veröffentlicht am 16.07.2017
65%
"The Road to Guantanamo" erzählt die Geschichte von vier englischen Freunden, deren pakistanische Wurzeln ihnen zum Verhängnis wurden: Auf einer gemeinsamen Reise in die alte Heimat machen sie im Jahre 2001 einen Ausflug nach Afghanistan, um zu sehen, ob sie der einheimischen Bevölkerung helfen können - und geraten in die Fänge des US-Militärs. Als Terrorverdächtige werden sie jahrelang festgehalten, brutalen Verhörmethoden unterzogen und im berüchtigten rechtsfreien Gefängnis Guantanamo auf Kuba inhaftiert.

Der britische Regisseur Michael Winterbottom, für mal mehr, mal weniger gelungene innovative Filmprojekte bekannt, inszeniert die wahre Geschichte der vier Freunde als Mischung aus Spielfilmdrama und Dokumentation. Immer wieder eingeschobene Interviews mit den Hauptprotagonisten und Nachrichtenausschnitte aus der chaotischen Zeit kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verleihen dem Film große Authentizität und Nähe zur Realität, während die ausgedehnten Spielfilmsequenzen, die die geschilderten Ereignisse nacherzählen, für einen gewissen Spannungsbogen sorgen sollen.

Leider gelingt das nur teilweise. Speziell anfangs gibt es einige kleine, aber schwer nachvollziehbare Storysprünge, die die Vorgeschichte der Gefangenschaft etwas seltsam erscheinen lassen - etwa die Beweggründe der Gruppe, ins kriegsgebeutelte Afghanistan einzureisen, obwohl sie doch nur die Hochzeit eines ihrer Freunde feiern wollten. Hier merkt man, dass es möglicherweise eine Differenz zwischen dem gibt, was wirklich vorgefallen ist, und der Art, wie die Betreffenden die Situation aus ihrer Sicht schildern - zumal auch erst ziemlich spät und ganz beiläufig Vorstrafen der Gruppe erwähnt werden. Die Möglichkeit, die vier als komplexe, vielleicht auch widersprüchliche Charaktere zu zeichnen, wird hier zugunsten einer eindeutigen Stellungnahme vertan.

Auch verhindert die dokumentarische Inszenierung lange Zeit den Aufbau echter Spannung. Die Interviews bremsen das Tempo der Geschichte dermaßen ein, dass man nach einer guten halben Filmstunde allmählich ungeduldig wird. Auch wirken die Leistungen einiger Nebendarsteller besonders im Anfangsteil mehr als bescheiden, sodass eine insgesamt künstliche, verkrampfte Atmosphäre entsteht. Das alles schmälert das Zuschauerinteresse an der Geschichte lange Zeit deutlich.

Erst mit der Gefangennahme der Freunde entwickelt "The Road to Guantanamo" endlich die Intensität und kritische Tiefe, die er die ganze Zeit über anstrebt. Die Darstellung der amerikanischen Verhörmethoden und die brutale Behandlung der Gefangenen wirken überaus realistisch und glaubwürdig und können immer wieder empören. Vor allem die unglaubliche Verbohrtheit der US-Streitkräfte, die ihre vorgefassten Meinungen als Bollwerk gegen jede mögliche vernunftbasierte Diskussion benutzen, macht wütend und betroffen. Jeder noch so kluge Einwand wird von ihnen abgeschmettert und mit erniedrigenden, grausamen Reaktionen und Gewalt beantwortet. Man bekommt den Eindruck, als wollten die Militärs nicht die Wahrheit wissen, sondern das, was ihnen als Wahrheit nützlich erscheint - ein Eindruck, der angesichts des Irakkriegs und seiner Umstände sehr kritisch ist.

Diese aufrüttelnde Darstellung der menschenunwürdigen Bedingungen in den Gefangenenlagern der US-Amerikaner ist der größte Pluspunkt des Films, vor allem, weil er diese eindringlichen Bilder mit den Beteuerungen von Politikern verknüpft, die Bedingungen in den Lagern seien vollkommen human. Die Überheblichkeit und Grausamkeit der westlichen Nationen kommt hier mehr als deutlich hervor.

So entwickelt sich "The Road to Guantanamo" in der zweiten Filmhälfte doch noch zu einem packenden, aufwühlenden und in seiner Unaufgeregtheit sehr spannenden Film über die Unmenschlichkeit der amerikanischen Kriegsmethoden, der besonders durch seine zurückhaltende Kameraarbeit und naturalistischen Bilder zu überzeugen weiß. Ein kritischer Film zu einem sehr wichtigen Thema, der trotz seiner etwas langwierigen ersten Hälfte unbedingt sehenswert ist.

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