foyer - hier geht's zur startseite... die aktuellen kinocharts für Deutschland und USA aktuelle Meldungen aus der Kinowelt die aktuellen Kino-Starttermine fü Deutschland kinoprogramm unsere aktuellen kritiken heimkino - aktuelle DVD-Termine directory - Stöbere in unserer Datenbank background - Informationen rund um zelluloid.de
zelluloid

Kritik von Benjamin Falk zu 'Sleepers'

WERBUNG
Partner von Entania
Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 17.11.2012
90%
Auf "Sleepers" hatte ich echt mal wieder Lust, denn mir hatte der Film vor ein paar Jahren sehr gut gefallen und daran hat sich auch nichts geändert. Ein ganz starkes Drama voller Emotionen und mit einer grandiosen Besetzung!

Der Film beginnt in den 60er Jahren und handelt von vier sehr guten Freunden, die in einer Gegend namens Hell's Kitchen aufwachsen. Hier nimmt man das Gesetz gerne selbst in die Hand, Verbrechen steht an der Tagesordnung und wohlhabend sind hier nur die wenigsten. Shakes, Michael, Tommy und John genießen das Leben trotzdem und wie Jungs nun mal so sind, spielen sie anderen auch liebend gerne Streiche. Eines Tages wird dabei aber jemand schwer verletzt und das bedeutet das Ende der freien Jugend. Sie alle kommen in ein Heim für kriminelle Jugendliche. Die Aufseher und Wärter dort vergreifen sich sehr gern an den Jungs und so werden die vier Freunde regelmäßig sexuell missbraucht. Viele Jahre später begegnen Tommy und John einen Wächter von damals in einem Restaurant wieder. Ohne zu zögern, erschießen sie ihn. Michael, der mittlerweile Staatsanwalt ist, greift sich den Fall mit einem Plan. Er will als Staatsanwalt verlieren, dafür sorgen, dass Tommy und John den Freispruch erhalten und die Sache mit dem Heim von damals auffliegen lassen.
Die Handlung basiert auf einem Roman, in welchem der Autor behauptet, die Geschichte würde auf wahren Begebenheiten beruhen. Dies verneint man am Ende des Filmes aber ausdrücklich. Ob nun wahr oder nicht: Die Geschichte ist einfach sehr interessant. Wo sonst sieht man schon mal einen Staatsanwalt, der eigentlich vor hat zu verlieren? Das Drehbuch hat mir sehr gut gefallen, denn es gibt viel Abwechslung, was schon alleine daran liegt, dass das Geschehen zu verschiedenen Zeiten spielt. Wie es ausgehen wird, kann man sich ungefähr denken, aber das macht nichts. Für mich war die Story jedenfalls bestens gelungen, interessant und einfach ziemlich packend.

Außerdem muss man die Darsteller loben und es gibt einige bekannte Gesichter zu sehen. Zunächst werden die vier jungen Freunde von Joseph Perrino, Brad Renfro, Geoffrey Wigdor und Jonathan Tucker sehr glaubwürdig gespielt. Sie haben keine leichte Aufgabe, meistern diese aber ordentlich. Auch kann in dieser ersten Hälfte Kevin Bacon als absolutes Arschloch sehr überzeugen. Robert De Niro bekommt nur wenige Auftritte, kann in denen aber völlig punkten und hat mir somit, wie eigentlich immer, sehr gut gefallen. Hinterher spielen Jason Patric und Brad Pitt eine größere Rolle und beide haben das sehr gut gemacht. Auch sehr zu gefallen weiß Dustin Hoffman in einer Nebenrolle. Minnie Driver und Vittorio Gassman haben mir ebenfalls gut gefallen. Die restlichen Darsteller haben weniger zu tun, aber jeder erfüllt seinen Zweck äußerst solide.
Die Figurenzeichnung ist vielleicht nicht so ausgeprägt wie in vielen anderen Dramen, die sich einer längeren Laufzeit verschreiben, aber das ist hier nicht so wichtig. Immerhin macht man einen sehr großen Zeitsprung und für ein genaueres Profil bleibt dann ganz einfach keine Zeit mehr. Auch so sind die Charaktere allesamt niemals belanglos, sind wichtig für die Handlung und sympathisch. Von daher gibt es auch hier überhaupt keinen Grund zur Klage.

Die Inszenierung hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn das Geschehen selten viel Gelegenheit zu Experimenten gibt, war Barry Levinson in der Regie ziemlich kreativ. Da gibt es desöfteren mal Rückblicke oder man hört Dialoge, die sich gerade im Bild gar nicht ereignen. Das ist stilsicher gemacht und aus rein handwerklicher Ebene kann man das besser kaum gestalten.
Auch die Atmosphäre ist stark. Hier lebt "Sleepers" von einer großen Abwechslung. Am Anfang ist das Treiben erst mal völlig locker und man bekommt ein wenig Coming-of-Age-Geschichte. Das ändert sich schon bald und dann landen die Jungs im Heim. Hier sind die Szenen schon sehr trist, hoffnungslos, böse und pessimistisch. Hinterher spielen viele Szenen im Gericht und dadurch, dass hier viele kriminell sind, gibt es auch immer ein leichtes Gangsterfilm-Feeling. Am Ende steht dann das Happy-End, was man den Protagonisten gönnt, aber trotzdem verlässt man den Film nicht gerade mit einem guten Gefühl. Ebenfalls gefallen hat mir, dass "Sleepers" moralisch doch recht fragwürdig ist. Denn ob man einen solchen Mord nun gutheißen kann oder nicht, ist sicherlich eine Diskussion würdig.

Der Unterhaltungswert enttäuscht überhaupt nicht. Dabei ist das Geschehen mit 150 Minuten Laufzeit doch recht lang geraten. Diese Zeit benötigt der Film aber auch. Die erste Stunde spielt in der Jugend der Freunde, erst danach sind sie erwachsen. Das sorgt schon mal für Abwechslung. Auch wenn es hier so einige Genres zu entdecken gibt, ist "Sleepers" im Endeffekt ein reines Drama. Gefühle dürfen also nicht fehlen und emotional ist der Film schon. Das wirkt nie aufgesetzt sondern stets glaubwürdig. Action und Spannung gibt es in dem Sinne nicht, was man hier jedoch auch gar nicht benötigt. Mir haben alleine viele Dialoge gefallen und eine gewisse Art von Spannung ist dann letztendlich doch vorhanden. Die lange Laufzeit verging jedenfalls sehr kurzweilig und ohne den Hauch einer Länge.
Brutal wird es selten, nur zwei Mal wird richtig Blut vergossen, was nicht unbedingt harmlos ist. Doch auch ohne viel Brutalität, ist "Sleepers" ein Film, der sich die Freigabe ab 16 Jahren verdient hat. Die wenigen Effekte sind sehr überzeugend.
Der Score hat das Geschehen bestens begleitet und perfekt gepasst.

Fazit: "Sleepers" bietet eine abwechslungsreiche, tragische und sehr interessante Geschichte, die mit einer tollen Besetzung umgesetzt wurde. Die Darsteller spielen wirklich alle stark, die Figurenzeichung ist in Ordnung und die Inszenierung könnte besser kaum sein. Dazu gesellt sich eine starke Atmosphäre, die viele verschiedene Facetten beinhaltet und daraus ergibt sich dann der absolut hohe Unterhaltungswert. Für mich kommt da nur eine ganz klare Empfehlung in Frage!

War diese Kritik hilfreich?
 
zelluloid - Navigationselement
WERBUNG
Kurz-Link zu dieser Seite: http://zel.lu/k6Vc
foyer | charts | filmnews | kinostarts | kinoprogramm
kritiken | heimkino | directory | background
 
zelluloid.de • ©1998-2014 Denis Hoffmann & Alexander Jachmann
 
SitemapImpressuminfo@zelluloid.de
Hinweise zum DatenschutzNutzungsbedingungen