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Kritik von Alexander Kiensch zu 'Jugend ohne Jugend'

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Kritik von Alexander Kiensch
veröffentlicht am 24.09.2017
35%
Ein Professor, der bereits mit seinem Leben abgeschlossen hatte, wird durch einen Blitzschlag auf wundersame Weise verjüngt und erlangt geistige Einsichten in das Wesen der Menschheit, die ihm bisher verborgen blieben. Zunächst als medizinisches Wunder zum Versuchskaninchen erklärt, muss er sich durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs und die Nachkriegszeit kämpfen.

Seit seinen Jahrhundertwürfen "Apocalypse Now" und der "Der Pate"-Trilogie ist schon einige Zeit vergangen, in den letzten Jahren war es ziemlich ruhig um Francis Ford Coppola geworden. Es scheint, als sei seine große Zeit vorbei - "Jugend ohne Jugend" aus dem Jahr 2007 legt davon ein erschreckend banales Zeugnis ab. Denn was als tiefgründige philosophische Seelenstudie gedacht ist, wird in der formverliebten Inszenierung des einstigen Meisterregisseurs zur langweiligen und reichlich oberflächlichen Intellektuellen-Nabelschau.

Das beginnt schon mit der wirren Einleitung, die den Zuschauer allzu schnell in die eigenwilligen Storywendungen hineinwirft: Die ersten Bilder lassen noch an ein persönliches Erinnerungs-Epos à la "Der englische Patient" denken, dann kommt der Blitzschlag und plötzlich wird der verjüngte Professor (reichlich uninspiriert und eintönig verkörpert von Tim Roth) erst zum philosophischen Selbstdarsteller und gleich darauf zum Spielball dunkler Nazi-Mächte. Dieser inhaltliche Zickzack-Kurs wird bis zum Ende beibehalten, wenn noch eine junge Frau auftaucht, die die Wiedergeburt einer uralten indischen Geistigen darstellt und den Professor mittels Metempsychose in die Ursprünge der menschlichen Sprache einführt. Emotionales Erinnerungsstück, Weltkriegs-Drama, Agenten-Krimi, Liebesgeschichte, dazu noch philosophisches Traktat über Grenzen und Möglichkeiten des menschlichen Verstandes - alles wird hier in beinahe episodenhaften Filmteilen angesprochen, ohne je wirklich vertieft zu werden. So bietet "Jugend ohne Jugend" von allem etwas, aber nichts richtig.

Denn weder erreicht der Film jemals die angestrebte emotionale Tiefe noch die intellektuellen Höhen, die er offensichtlich erreichen will. Viel zu platt und künstlich bleiben die Dialoge (da erklärt der Professor dem Zuschauer im Selbstgespräch sogar die Auswirkungen des Blitzschlags, als könne man diese nicht selbst aus dem Dargestellten interpretieren), viel zu oberflächlich die angerissenen Handlungselemente.

Hinzu kommt eine zwar aufwändige, aber merklich selbstverliebte, weil keinen tieferen Sinn verfolgende Inszenierung: Auf dem Kopf stehende Traumsequenzen, mit funkelnden Lichtern eingeführte Rückblenden, zugegeben interessant inszenierte Selbstgespräche mit dem zweiten Ich im Spiegel erzeugen mitunter eine packende Optik, wirken aber insgesamt zu bemüht, um dem Film wirklich die ästhetische Dimension zu verleihen, die damit erreicht werden soll. Das scheitert schon an Ausstattung und Set-Design: Zu billig wirken viele Kulissen und kaum ein Dekor vermag die eigentlich dargestellten Jahrzehnte wirklich zu visualisieren. So wirkt alles steril und theaterhaft, von den Dialogen bis zur Ausstattung.

Zwar gibt es die eine oder andere interessante Szene, etwa Roths Selbstgespräche, und auch die finale Dramaturgie vermag kurzzeitig noch einmal echte Emotionalität aufzubringen und überzeugt mit dichter melancholischer Atmosphäre. Insgesamt aber verhebt sich Coppola an seinen vielen angestrebten Inhalten. So ist "Jugend ohne Jugend" höchst prätentiöses, dabei meistens langweiliges Kunstkino, das der Tiefgründigkeit und Komplexität seiner früheren Filme weit hinterher hinkt.

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