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Kritik von Alexander "Heinz" Jachmann, veröffentlicht am 23.12.1997
Ein Film über einen großen Diktator und das im Jahre 1940? Nunja, "Der Große Diktator" ist nur indirekt ein Film über den Führer des Deutschen Reiches, genaugenommen ist es eine Satire auf ihn und die Nazis im Dritten Reich und ein Propagandafilm gegen sie. In Deutschland dürfte der Film daher auch erst nach 1945 gezeigt worden sein, alleine schon wegen der Schlußrede, die man guten Gewissens als Antikriegsrede bezeichnen kann. Ein kleiner, namenloser, jüdischer Soldat (Charles "Charlie" Chaplin), der in Friedenszeiten als Barbier arbeitet, kämpft im Jahre 1918 mehr schlecht als recht Soldat für Tomanien. Er stellt sich zwar in allen militärischen Dingen äußerst ungeschickt an, ist aber jedem gegenüber hilfsbereit. Er rettet sich und einen Piloten, indem er ihn zu seinem Flugzug bringt, auf der Flucht vor den Feinden stürzt das Flugzeug jedoch ab, wobei der Soldat sein Gedächtnis verliert. Im Jahre 1940 ist der Barbier immer noch im Sanatorium. Von den Veränderungen in der Welt um sich hat er nichts mitbekommen. Er weiß weder, daß ein Mann namens Adenoid Hynkel (ebenfalls gespielt von Chaplin) mittlerweile Diktator in Tomanien ist, noch daß er, genau wie alle anderen Juden, mittlerweile keine Rechte mehr in seinem Heimatland hat, weil Hynkel zuerst alle Juden, dann die Brünetten vernichten will. Unwissend bricht er aus dem Krankenhaus aus und begibt sich zurück in seinen Friseurladen in seinem Heimatort, der sich inzwischen zu einem jüdischen Ghetto verwandelt hat. Im Glauben an die Gerechtigkeit legt er sich mit Vertretern der Sturmtruppen an, die ihn ungerecht behandelt haben, und er versteht gar nicht, warum sie ihn nicht ernst nehmen. Hannah (Paulette Goddard), eine Waise, die bei der Familie Jaeckel untergekommen ist, rettet ihn vor den tomanischen Soldaten. Wenig später wird er aber trotzdem von Soldaten aufgeschnappt und soll wegen seiner Widerspenstigkeit gleich an einer Straßenlaterne aufgehängt werden. Glücklicherweise kommt Schultz (Reginald Gardiner), ein enger Vertrauter Hynkels, in diesem Moment vorbeigefahren, und erkennt in dem aufsässigen Juden den Soldaten, der ihm vor vielen Jahren das Leben gerettet hat. Wenig später legen die tomanischen Soldaten den Friseurladen in Schutt und Asche, und der Barbier beschließt, gemeinsam mit Hannah, in die er sich verliebt hat, und Schultz, der mittlerweile ebenfalls von den tomanischen Truppen gesucht wird, ins Nachbarland Osterlich zu flüchten. Leider werden der Barbier und Schultz bei der Flucht über die Dächer des Ghettos gefasst und in ein Konzentrationslager gebracht. Aber die Verfolgten sind nicht die Einzigen, die nach Osterlich wollen, denn sowohl Hynkel als auch Benzino Napaloni, der Diktator von Bacteria, wollen das Nachbarland Tomaniens besetzen. Nachdem Hynkel Napaloni über seine Absichten bezüglich Osterlich getäuscht hat, fährt er als Urlauber getarnt in die Nähe der tomanisch/osterlichischen Grenze um dort einmarschieren zu können. Hier wird ihm allerdings seine Tarnung zum Verhängnis, denn zur gleichen Zeit fliehen Schultz und der Barbier als Soldaten getarnt aus dem KZ, und Hynkel wird mit dem Juden verwechselt. Der Jude schlüpft nun in die Rolle des Diktators und begibt sich nach Osterlich und Hynkel wird gefangen genommen. Im Vergleich zu Filmen wie "Schindlers Liste" ist "Der Große Diktator" vor allem - aber nicht nur - wegen seiner Entstehungszeit interessant, eben schon während des laufenden Zweiten Weltkrieges. Wie man es von Chaplin kennt ist der Film trotz seines Themas lustig, aber gerade das baut in unserer heutigen Zeit und in unserem Land die Distanz zur Geschichte ab, und lassen Diktaturen noch unsinniger erscheinen als sie es sowieso tun. Beispiele hierfür: das Applaudieren auf Kommando bei einer Rede Hynkels oder der wortlose Dialog der beiden Diktatoren, indem sie aber auch nicht weniger sagen als sie es mit Worten tun. Trotz der mittlerweile 57 Jahre, die der Film auf dem Buckel hat, hat er leider nichts von seiner Aktualität verloren, insbesondere die Abschlußrede Chaplins (s. unten) könnte durchaus als Diskussionsgrundlage im heutigen Geschichtsunterricht an Schulen dienen. Es tut mir leid, aber ich möchte nun mal kein Herrscher der Welt sein, denn das liegt mir nicht. Ich möchte weder herrschen noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen wo immer ich kann; den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des Anderen teilhaben und nicht einander verabscheuen. Haß und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Platz genug für jeden, und Mutter Erde ist reich genug um jeden von uns satt zu machen. Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein, wir müssen es nur wieder zu leben lernen! Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet, und Mißgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderben und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt, aber innerlich sind wir stehengeblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten, und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen. Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und und Güte. Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert. Aeroplane und Radio haben uns einander nähergebracht. Diese Erfindungen haben eine Brücke geschlagen von Mensch zu Mensch, die erfassen eine allumfassende Brüderlichkeit, damit wir alle Eins werden. Millionen Menschen auf der Welt können im Augenblick meine Stimme hören. Millionen verzweifelter Menschen , Opfer eines Systems, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Unschuldige zu quälen und in Ketten zu legen. Allen denen, die mich jetzt hören, rufe ich zu "Ihr dürft nicht verzagen!". Auch das bittere Leid, das über uns gekommen ist, ist vergänglich. Die Männer die heut die Menschlichkeit mit Füßen treten, werden nicht immer da sein! Ihre Grausamkeit stirbt mit ihnen, und auch ihr Haß. Die Freiheit, die sie den Menschen genommen haben, wird ihnen dann zurückgegeben werden. Auch wenn es Blut und Tränen kostet, für die Freiheit ist kein Opfer zu groß. Soldaten, vertraut Euch nicht Barbaren an, Unmenschen, die Euch verachten und denen Euer Leben nichts wert ist; Ihr seid für sie nur Sklaven, Ihr habt das zu tun, das zu glauben und das zu fühlen. Ihr werdet gedrillt, gefüttert, wie Vieh behandelt und seid nichts weiter als Kanonenfutter. Ihr seid viel zu schade für diese verwirrten Subjekte, diese Maschinenmenschen mit Maschinenköpfen und Maschinenherzen. Ihr seid keine Roboter, Ihr seid keine Tiere, Ihr seid Menschen! Bewahrt Euch die Menschlichkeit in Euren Herzen und haßt nicht! Nur wer nicht geliebt wird, haßt! Nur wer nicht geliebt wird. Soldaten, kämpft nicht für die Sklaverei, kämpft für die Freiheit! Im 17. Kapitel des Evangelisten Lukas steht: "Gott wohnt in jedem Menschen". Also nicht in einem oder einer Gruppe von Menschen. Vergeßt nie, Gott lebt in Euch allen, und Ihr als Volk habt allein die Macht, die Macht Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht Glück zu spenden. Ihr als Volk habt es in der Hand, dieses Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu bedringen. Daher im Namen der Demokratie: laßt uns diese Macht nutzen, laßt uns zusammenstehen! Laßt uns kämpfen für eine neue Welt, für eine anständige Welt, die Jedermann gleiche Chancen gibt, die der Jugend eine Zukunft und den Alten Sicherheit gewährt. Versprochen haben die Unterdrücker das auch, deshalb konnten sie die Macht ergreifen. Das war Lüge, wie überhaupt alles, was sie Euch versprachen, diese Verbrecher! Diktatoren wollen die Freiheit nur für sich, das Volk soll versklavt bleiben. Laßt uns diese Ketten sprengen, laßt uns kämpfen für eine bessere Welt, laßt uns kämpfen für die Freiheit in der Welt, das ist ein Ziel für das es sich zu kämpfen lohnt! Nieder mit der Unterdrückung, dem Haß und der Intoleranz. Laßt uns kämpfen für eine Welt der Sauberkeit, in der die Vernunft siegt, in der Fortschritt und Wissenschaft uns allen zum Segen gereichen. Kameraden! Im Namen der Demokratie, dafür laßt uns streiten! Hannah, hörst Du mich? Wo immer Du sein magst, verzage nicht, Hannah! Die Wolken reißen auf, die Sonne bricht durch, Hannah! Aus Finsternis und Dunkelheit kommen wir zum Licht! In eine neue Welt, in eine Welt, in der die Menschen sich von Habgier, Haß und Brutalität frei gemacht haben. Sieh doch nur Hannah, die Seelen der Menschen haben Flügel bekommen. Sie werden sich emporschwingen, hoch empor, dem Licht und der Hoffnung und der Zukunft entgegen, einer Zukunft, die Dir, mir und uns allen, die allen Menschen gehört. Schau nach oben Hannah. schau nach oben! War diese Kritik hilfreich?
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