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Kritik von Martin Zopick zu 'Im Lauf der Zeit'

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Kritik von Martin Zopick
veröffentlicht am 07.08.2015
100%
Die Wenders-Filme spielen immer auf mehreren Ebenen. Hier ist es
  • eine Hommage an das alte Dampfkino, fast schon ein Nachruf.
  • ein Roadmovie
  • eine wortkarge Männerfreundschaft zwischen Bruno (Rüdiger Vogler) und Robert (Hans Zischler)
  • beide sind u.a. auf der Suche nach ihren Wurzeln
  • beide leben ohne Frauen, obwohl sie das eigentlich nicht wollen
  • eine visionäre Vorausschau: Amerikanisierung unseres Lebens
Die Fahrt entlang der Zonengrenze macht den Film zu einem historischen Dokument. Die eindringlichen Bilder machen die fast menschenleere Gegend irgendwie fast spürbar. Nach 25 Jahren Wiedervereinigung ist diese Region heute ebenso wenig besiedelt wie das ehemalige Randgebiet der BRD in den 70er Jahren. Die kleinen Kinos, deren baldiges Ende hier vorhergesagt wird, hießen damals meist "Roxy" und die Tanken "Texaco". Dorfnamen wie 'Machtlos' oder 'Friedlos' fallen. Von Product Placement keine Spur: deshalb ungeniert Binding und Coca Cola. Und die Möbelwagen hatten noch keine hydraulischen Laderampen sondern Treppen.
Die s/w Bilder sind mit einem sanften, sehr melodiösen Soundtrack (Roger Miller, Crispian St. Peters, Chris Montez) unterlegt. Über weite Strecken geht es ohne Worte dahin. Für die unschuldige Liebesgeschichte mit Pauline (Lisa Kreuzer) nimmt sich Wenders nicht viel Zeit. Frauen sind halt problematisch sagt einer. Und Robert erfährt erneut wie gestört das Verhältnis zu seinem Vater ist.
Die Anlehnung an 'Easy Rider'(1969) kann man vernachlässigen, nicht aber den absoluten Schocker des Films: Bruno macht genüsslich und in aller Ruhe 'ne Wurst! Aber nicht die vom Metzger. Dafür gibt es Theater im Theater (Schattenspiele) und ein verbal verspieltes Ende. Ein Dokument für den Filmolymp. Ewig gut!
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