"Ergreifend und großartig gespielt!"
Eine Fernsehfilmkritik von Dipl.-Päd. Fred Maurer zu Ehren der zwar körperlich eingeschränkten, doch starken und schönen Frauenrechtlerin und Unternehmerin Margarete Steiff, die uns noch heute Mut macht und zum Vorbild dient
Der in Wien geborene Xaver Schwarzenberger zählt in Personalunion zu den vielseitigsten Regisseuren und Kameramännern des aktuellen deutschsprachigen Films. Mit diesem teils biografischen, teils fiktionalen Fernsehspiel ist ihm erneut ein Meisterwerk gelungen.
Geteilter Erfolg zählt doppelt: Das deutsch-österreichische Produzentengespann Arno Ortmair und Dieter Pochlatko hat ein goldenes Händchen für große historische Filmstoffe.
Das schlüssige, schnörkellose, vollauf überzeugende Drehbuch stammt von dem jungen Karlsruher Autorenduo Susanne Beck und Thomas Eifler.
Die überschaubare äußere Handlung, die das umfängliche innere Geschehen nur andeuten kann: "In der Mitte des 19. Jahrhunderts scheinen der jungen Margarete Steiff wegen ihrer Körperbehinderung (Kinderlähmung) alle Tore verschlossen. Doch die optimistische junge Frau ist entschlossen, trotzdem etwas im Leben zu erreichen. Mit Ideenreichtum, Lebensfreude und unbezwingbarem Willen erobert sie sich die Zukunft. Als die große Liebe ihres Lebens scheitert, setzt ihr beruflicher Erfolg ein: Margaretes Stofftiere werden weltberühmt." (arte TV)
Der Name Margarete Steiff, der Unternehmerin aus Giengen an der Brenz (die auch durch 'unser' schönes Königsbronn fließt, ja dort ihren Ursprung hat), ist untrennbar verbunden mit dem alten und doch unsterblichen Teddybären (von denen gleich mehrere unseren Fernsehschrank zieren).
Nicht nur die Schauspieler mussten sich in die Vergangenheit des 19. Jahrhunderts zurückversetzen; auch die Schauplätze sollten möglichst authentisch wirken.
Die kluge Szenenbildnerin Petra Heim wählte deshalb das Hohenloher Freilandmuseum in Wackershofen für einen Großteil der Innenaufnahmen. Das Freilandmuseum ist in den vergangenen Jahren einerseits ein beliebter Ausflugstipp fürs Wochenende, andererseits zugleich ein idealer Drehort für historische Filmproduktionen. Auch "Schiller" (ein sehenswerter Fernsehfilm von 2005 mit Matthias Schweighöfer in der Titelrolle) hat dort schon Station gemacht.
Zurecht überschlagen sich die Filmkritiken in Lob, Anerkennung, Begeisterung, wobei gleichermaßen das tatsächliche Leben der Protagonistin und die geglückte filmische Dramatisierung gemeint sind.
"Welch ein bewegtes Leben diese Margarethe Steiff doch führte und welch einen bewegenden Film Xaver Schwarzenberger und sein Autorenteam daraus gemacht haben", so exemplarisch für viele Stimmen 'www.kino.de'.
Und TV Movie schreibt lapidar: "Ergreifend und großartig gespielt!"
Mein Fazit: Der Film ist wunderbar!
Insbesondere überzeugt (freilich neben starken Schauspielerkollegen wie Felix Eitner als ihr eifersüchtiger Bruder, Suzanne von Borsody als ihre Mutter und Herbert Knaup als Vater , Harald Krassnitzer als Arzt Dr. Werner) Titelheldin Heike Makatsch als zwar körperlich eingeschränkte, doch starke und schöne Frauenrechtlerin und Unternehmerin. (Selbst der schwäbische Akzent glückt ihr, soweit ich das als geborener Mannheimer und emigrierter Wahlschwabe beurteilen kann, der allenfalls aus badischer Sicht recht und schlecht "schwäbelt".)
Innerhalb weniger Jahre ist die ehemalige Viva-Moderatorin zu einem Filmstar aufgestiegen, die dennoch bescheiden und auf einem Teppich geblieben ist, auf den es nicht täglich "rote Rosen regnet".
Wir selbst werden mutiger und hoffnungsvoller, wenn wir sie als Margarete Steiff erleben.
Vielleicht gelingt es uns sogar, das Identifikationsangebot des Films als Lebenshilfe zu nutzen und unsere eigenen (vergleichsweise geringfügigen) Niederlagen zu künftigen Siegen umzudeuten.
Ich jedenfalls habe das beeindruckende Fernsehspiel heute noch einmal angeschaut - nicht nur um darüber zu schreiben.
Nach dem soeben in den Kinos gezeigten beeindruckenden Kinofilm "Hilde" über das Leben der Schauspielerin und "besten Sängerin ohne Stimme" Hildegard Knef: Auf weitere Titelrollen der Makatsch dürfen wir gespannt sein!