Das Fantasy-Genre hat, dank Herr der Ringe, Hochkonjunktur. Das führt zu vielen Machwerken, wie "
Narnia" oder "
Eragon", die im Fahrwasser der Meisterwerke von
Peter Jackson schwimmen, aber auch zu subtilen und kreativen Neuschöpfungen. "Pans Labyrinth" von
Guillermo del Toro ist so ein Film und wurde mit großer Beachtung bei den letzten
Oscarverleihungen dafür belohnt.
Die zwölfjährige Ofelia (
Ivana Baquero) zieht mit ihrer Mutter Carmen (
Ariadna Gil) in einem von den Faschisten beherrschten Spanien zu ihrem Stiefvater Captain Vidal (
Sergi López) aufs Land. Während in der Welt der Erwachsenen die schlimmsten Dinge geschehen, gleitet sie in eine Welt, die nur sie zu sehen scheint. Pan, eine monströse Wesenheit, erzählt ihr, dass sie eine Königin aus seiner Welt sei, die ihr Vater, der König, einst an die Welt der Menschen an der Erdoberfläche verloren habe. Nun müsse sie einige Prüfungen bestehen, um heimkehren zu können. Die märchenhafte Atmosphäre ist stark von dem Horror-Genre geprägt und gemahnt so für keinen Augenblick an einen Kinderfilm. Ofelia ist dabei die Schnittstelle der beiden Welten, die sich auf eine Weise gegenseitig ablösen, dass der Zuschauer das Ineinandergreifen von Traum und Wirklichkeit, vom Grauen des Bürgerkrieges und der Märchenwelt, gebannt miterlebt. Dabei fasziniert vorallem die Parallelität der beiden Handlungsstränge, die - obwohl in anderen Welten - ähnlich strukturiert sind. Beide Welten berühren sich scheinbar nur durch Ofelia und folgen doch dem selben Muster. Guillermo del Toro zeigt dem Zuschauer die Schrecken der Welt durch die fantasievollen Augen der Kinder und beweist auf grandiose Weise, dass selbst Märchenwelten, wenn auch auf ihre eigene Weise, den selben Grundsätzen folgen und den selben abstrahierten Problemen unterliegen, wie die unsrige.