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Kritik von Alexander Kiensch zu 'Blutgericht in Texas'

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Kritik von Alexander Kiensch
veröffentlicht am 21.05.2017
90%
Verdammt, zensiert, beschlagnahmt, verboten - nur wenige Werke der Filmgeschichte wurden so langanhaltend und weitverbreitet von Zensurbehörden verfolgt wie dieser Klassiker des Horrorfilms. Erst seit einigen Jahren ist er in Deutschland ungekürzt erhältlich. Und wer ihn sich ansieht, begreift auch, weshalb er von Jugend- und Sittenwächtern so verteufelt wurde: "The Texas chainsaw massacre" ist einer der verstörendsten Filme aller Zeiten!

Das beginnt schon mit den allerersten Bildern: kurz aufblitzende Detailaufnahmen auf verkrümmte Hände, verweste Gesichter, schmutzige, zerrissene Kleidung - dann eine Nahaufnahme zweier ausgegrabener und schaurig platzierter verwesender Leichen auf einem Friedhof, das alles untermalt von bedrohlicher, leiser Musik. Nach kaum zwei Filmminuten hat der junge Regisseur Tobe Hooper eine Atmosphäre geschaffen, die das Schlimmste befürchten lässt.

Und das tritt schließlich auch ein. Ironischerweise allerdings nicht so, wie man vermuten mag: "The Texas chainsaw massacre" wird immer wieder als Standardbeispiel für besonders brutale und blutige Splatterfilme herangezogen. Tatsächlich ist das eine Fehleinschätzung: Die wirklich grausigen Details, wenn etwa die Kettensäge auf menschliches Fleisch trifft, finden stets knapp außerhalb des Bildschirms statt. Bis auf zwei kurze, extrem brutale Bilder gibt es hier eigentlich keine direkten Gewaltszenen zu finden. Nein, der Terror, den dieser Film beim Zuschauer auslöst, entsteht viel subtiler: durch eine brillante Schnitt- und Montagetechnik und das abstoßende Setting.

Schon die karge, sonnenverbrannte Landschaft erzeugt einen Eindruck von Einsamkeit und Verlorenheit. Und Grundstück und Haus der degenerierten Familie sind mit großem Aufwand in einen ekelhaften Pfuhl verwandelt: heruntergekommene Gebäude, überall Müll und Unrat, Knochen und Skelettteile und als widerlicher Höhepunkt ein Raum voller Tierkadaver, Federn und menschlicher Überreste (um Geld zu sparen, verwendete Hooper teilweise echte Tierkadaver - die sommerlichen Dreharbeiten müssen die Hölle gewesen sein). Mit vergleichsweise einfachen Mitteln erzeugt er so eine extrem intensive Atmosphäre des Abstoßenden und Verkommenen, in der der Auftritt von Leatherface ebenso plötzlich wie passend erscheint.

Auch wird dramaturgisch auf später so beliebt gewordene Mätzchen verzichtet. Die Schnelligkeit, fast Beiläufigkeit, mit der Leatherface seine Opfer per Vorschlaghammer oder Kettensäge tötet, erhöht das Entsetzliche seiner Taten nur noch - hier gibt es keine endlos ausgedehnten Gruselszenen, in denen die Nebenfiguren blöd durch die Gegend tapsen. Leatherface kommt, tötet sie und schleppt ihre Leichen fort.

Dank dieser fesselnden Inszenierung fällt das Nichts von Inhalt gar nicht weiter auf. Tatsächlich wird die Beschränktheit der Mittel hier zur Tugend: Wenn die letzte Überlebende minutenlang vor Leatherface davon rennt, kann das kaum simpler gestaltet sein - sie rennt und rennt und er verfolgt sie mit dröhnender Kettensäge. Allein dieses Rattern der Säge aber zerrt mächtig an den Nerven der Zuschauer.

Über diese formale Brillanz hinaus erlangt der Film aber auch eine symbolische gesellschaftskritische Bedeutung. Gedreht im Jahr 1974, gegen Ende des Vietnamkriegs, als die amerikanische Bevölkerung erstmals das selbstverständliche Vertrauen in die eigene Güte verloren hatte, ist er ein bitterböser Kommentar zur moralischen Verkommenheit der eigenen Mitmenschen - und wenn der Familienvater über die Werte Familie und Heimat schwadroniert, während seine Kinder das letzte Opfer sadistisch quälen, gewinnt der Film radikale satirische Kraft gegen überholten, heuchlerischen Konservatismus.

Mit einfachen Bildern, die aber von der recht statischen Kamera packend eingefangen werden und durch eine geniale Schnittfrequenz enorme verstörende Energie gewinnen, erzählt Hooper eine simple Geschichte, die nicht grausamer und abstoßender hätte sein können. Trotz der tatsächlichen Zurückhaltung in Sachen Gewalt ist "The Texas chainsaw massacre" einer der härtesten Horrorfilme aller Zeiten - ein zeitloser Klassiker des Terrorfilms für alle, die es aushalten!

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 Teil der Serie 'Texas Chainsaw Massacre' 
 
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