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Kritik von Benjamin Falk zu 'Bruiser'

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Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 04.01.2015
50%
George A. Romero hat sich mit seinen Zombiefilmen zweifelsfrei einen Kultstatus aufgebaut, der sicherlich noch viele Jahrzehnte andauern dürfte. Ansonsten hat der Mann aber kaum Filme gedreht, von denen man großartig spricht. Da sind zwar auch noch ein paar ganz solide Werke mit dabei, aber eben auch nicht viel, was groß erwähnenswert wäre. "Bruiser" kommt aus dem Jahre 2000 und zuvor drehte Romero ca. sieben Jahre lang keinen neuen Film. Hier hat er ein Werk erschaffen, welches durchaus Potenzial besitzt und teilweise echt nicht schlecht geworden ist, gleichzeitig aber auch zu viel belangloses Material enthält und somit leider irgendwo im Durschnitt verpufft.

Henry kann nicht gerade zufrieden sein mit seinem Leben. Sein Chef ist ein richtiges Arschloch, seine Frau betrügt ihn und allgemein wird er von den Menschen nicht unbedingt gut behandelt. Henry hasst die Welt der Oberflächlichkeiten und flüchtet sich manchmal in Gewaltfantasien, doch in Wirklichkeit lässt er sich alles gefallen und wehrt sich nie. Allerdings soll sich dies eines Tages ändern, denn da wacht Henry ohne Gesicht auf. Von nun an geht er anonym durch den Tag und sehr schnell verändert sich sein Lebensstil dadurch. Nun lässt er sich nämlich nichts mehr gefallen.
Romero schrieb das Drehbuch wie so oft selbst und ein paar gesellschaftskritische Zutaten sind somit selbstverständlich vorhanden. Man muss auch sagen, dass die Ausgangssituation durchaus interessante Züge besitzt und absolut nicht schlecht ist. Aus der simplen Grundidee hätte man echt etwas machen können und ein paar Einfälle empfand ich auch als ordentich. Im Gegenzug gibt es aber auch leider ein paar dumme Sachen zu sehen und besonders im mittleren Teil, gehen dem Film zu sehr die Ideen aus. Die Handlung lässt sich also kaum als schlecht bewerten, nur ist sie leider auch nie so gut, dass man davon begeistert sein könnte. Dennoch ging das für mich alles ganz gut klar.

Eine ähnliche Sichtweise kann man bei den Darstellern vertreten, welche ihre Sache mit Sicherheit nie schlecht machen, aber auch nie so richtig glänzen können. Jason Flemyng ist sowieso überwiegend nur mit Maske zu sehen, doch eigentlich macht er sich in seiner Rolle ganz ordentlich. Peter Stormare wirkt fast wie eine Karikatur und spielt dementsprechend übertrieben, aber das passt zu ihm und auch diese Leistung geht völlig in Ordnung. Mit Tom Atkins als Cop macht man eigentlich auch nie etwas verkehrt, selbst wenn er doch ziemlich lustlos wirkt. Die restlichen Darsteller bleiben blass und kaum in Erinnerung, was jedoch nicht unbedingt am Schauspiel liegt.
Ein großes Problem ist hier ganz einfach die Figurenzeichnung, welche viel zu nichtssagend und belanglos ausgefallen ist. Die Figuren sind einfach alle nur ziemlich übertrieben gestaltet, jedoch nicht auf eine markante Art und Weise, sondern lediglich überzeichnet. Sympathien kommen kaum auf, mir war das alles etwas zu gewollt und somit konnte ich hier auch leider nur mit den wenigsten Charakteren etwas anfangen. Eindeutig ein Schwachpunkt.

Ansonsten ist "Bruiser" aber eigentlich ganz ordentlich gemacht. Romero war schon immer ein guter Regisseur, auch wenn er zur Höchstform scheinbar nur auflaufen konnte, wenn Zombies mit im Spiel waren. So ist der Film hier stets solide in Szene gesetzt, aber niemals herausragend. Am besten gefällt da noch das Finale, welches optisch wirklich etwas zu bieten hat. Aus handwerklicher Sicht somit ein durchaus annehmbares Werk, welchem es nur an Highlights fehlt.
Die Atmosphäre gefiel mir leider zu selten richtig gut. Das Problem ist schon mal, dass "Bruiser" sich nie so richtig zuordnen lässt. Soll das nun als Horrorfilm verstanden werden, als Thriller, als comichafter Fantasyfilm oder vielleicht doch als leichte Satire? Was man erreichen wollte, ist mir nicht ganz klar und so fügen sich die verschiedenen Zutaten auch nie ganz schlüssig aneinander. Daraus resultiert ein eher lustloses Werk, welches mich null packen konnte. Erst im Finale macht das so langsam Stimmung und das Ende ist ebenfalls ganz cool geworden. Hätte man damit mal schon früher angefangen.

Dabei ist der Anfang gar nicht so schlecht geraten und macht noch neugierig. Nach für nach wird das Material jedoch belangloser und selbst wenn Henry dann plötzlich ohne Gesicht aufwacht, schafft "Bruiser" es niemals Spannung aufzubauen. Da gibt es ein paar doch recht dämliche Szenen, die irgendwie störend sind und man wird beim Schauen leicht schläfrig. Dem entgegen stehen allerdings auch wieder ein paar Szenen, die echt nicht schlecht sind und das Interesse dann doch irgendwie aufrecht erhalten können. Von purer Langeweile kann also nicht die Rede sein und die letzten 20 Minuten entschädigen dann auch nochmal ein wenig. Trotzdem kann man den Unterhaltungswert im Endeffekt eher als negativ betrachten, denn Kurzweil will während der 95 Minuten Laufzeit nie so richtig aufkommen.
Ein weiterer Grund enttäuscht sein zu dürfen, ist die fehlende Gewalt. Es wird eigentlich nie explizit und was die Freigabe ab 18 Jahren bezwecken soll, ist mir rätselhaft. Effekte gibt es somit auch kaum welche zu bewerten, aber die Maske sieht in ihrer simplen Art und Weise schon ziemlich cool aus.
Der Score ist in Ordnung und einen ganz passenden Soundtrack gibt es ebenfalls noch.

Fazit: "Bruiser" als schlechten Film zu bezeichnen, wäre unfair, aber gut ist er leider auch nicht wirklich. Das Drehbuch ist interessant und bietet ein paar gute Ideen, ebenso mangelt es aber nach einer Zeit auch an Einfällen. Dazu gibt es solide Darsteller, die ihre Sache soweit brauchbar machen, aber aus der mehr als blassen Figurenzeichnung teilweise auch einfach nicht viel herausholen können. Handwerklich ist das grundsolide gemacht, es fehlen nur einfach die besonderen Szenen und die Atmosphäre erschließt sich mir nicht so ganz. Ich empfand den gesamten Film als völlig unpackend und für mich bot er null Spannung, dafür gibt es aber schon ein paar ordentlich gemachte Szenen, die unterhalten können. Nur Gewalt oder Effekte sollte man hier absolut nicht suchen. "Bruiser" ist okay und für zwischendurch auf jeden Fall mal geeignet, wenn man denn keine hohen Erwartungen aufgrund des Regisseurs besitzt!

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