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Kritik von Fred Maurer zu 'Die Üblichen Verdächtigen'

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Kritik von Fred Maurer
veröffentlicht am 03.08.2009
85%
Der Schein trügt

Eine Kinofilmkritik von Dipl.-Päd. Fred Maurer zu Ehren seines fernen Saarländer Freundes Alexander "Heinz" Jachmann, der ihm eine Kritik zu diesem seinem Lieblingsfilm nicht recht zugetraut hat - auf dessen 800. Filmkritik noch in diesem Jahr (ein Rekord für die Ewigkeit)!

"Die üblichen Verdächtigen" kommen uns eher traditionellen, nostalgisch orientierten Filmfreunden erst mal aus einem alten Schwarz weiß-Klassiker bekannt vor: aus dem legendären US-amerikanischen Propagandafilm gegen das nationalsozialistische Deutschland "Casablanca" des Regisseurs Michael Curtiz aus dem Jahr 1942.
Darüber hätte ich sicher leichter geschrieben.

"Die üblichen Verdächtigen" wurde 1994/95 in den USA (Los Angeles, New York) in nur 35 Tagen unter dem Regisseur Bryan Singer nach einem Drehbuch von Christopher McQuarrie produziert. Nach Deutschland, auch nach Heidelberg kam er im Januar 1996.
Die Idee zum Film stammt von Christopher McQuarrie, der sie auf dem 'Sundance Film Festival' seinem Freund, dem Regisseur Bryan Singer, schilderte.

Hier zunächst die verzwickte Handlung im Überblick.
Der größte Teil der Handlung wird von dem vermeintlich körperbehinderten Kleinkriminellen Verbal Kint in einem Polizeibüro bei einem Verhör nacherzählt (Rahmenhandlung) und in Rückblenden gezeigt. Dieser wurde verhaftet, weil er einer der wenigen Überlebenden einer Schiffsexplosion mit 27 Toten ist. Kint war Teil einer losen Verbindung von fünf Kriminellen, mit denen er einige gut organisierte Überfälle durchführte.
Die von Kint erzählte Geschichte (Binnenhandlung) beginnt sechs Wochen zuvor in New York, wo Kint mit Dean Keaton, McManus, Fenster und Hockney auf einen Verdacht hin festgenommen und in eine Zelle gesperrt werden. Die Strafverteidigerin Edie Finneran, welche die Geliebte von Keaton ist, verhilft den fünf Kriminellen zu einer vorzeitigen Freilassung.
Eines Tages erscheint der Unterhändler Kobayashi, der sie auf ein Himmelfahrtskommando gegen die ungarische Mafia schickt. Auf einem Frachter im Hafen von Los Angeles soll sich eine Kokainladung im Wert von 91 Millionen Dollar befinden. Kujan kann der Geschichte von Verbal zunächst keinen Glauben schenken, da die Polizei keine Drogen auf dem Schiff gefunden habe. Zum anderen ist er davon überzeugt, dass Keaton selbst der Drahtzieher ist und noch lebt.
Die Auftragsarbeit auf dem Schiff geschieht für den "Teufel höchstpersönlich", das größte Mysterium der Unterwelt, den Gangsterboss Keyser Soze, von dem niemand weiß, ob es ihn überhaupt gibt. Der Name und das Motiv des Phantom-Gangsters ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Je länger der Film dauert, desto größer wird die Spannung, zu erfahren, ob es diesen anscheinend übermächtigen Unterweltsherrscher tatsächlich gibt und ob er etwas mit der großen Schiffsexplosion zu tun hat. Fenster, der sich absetzt, wird von den anderen tot am Strand aufgefunden. Ein Mordversuch gegen Kobayashi misslingt, als dieser offenbart, dass er Keatons Freundin als Druckmittel verwendet.
Die Auflösung aller Fragen, die sich während des Filmes stellen, erfolgt dramatisch in den letzten Minuten des Films. Es stellt sich schließlich heraus, dass der nach der Vernehmung freigelassene Kint selbst jener mysteriöse Keyser Soze ist und seine Aussagen über die kriminellen Ereignisse und die Namen der Beteiligten eine möglicherweise frei zusammengewürfelte Geschichte sind, die er auf Grundlage der an der Pinnwand im Vernehmungszimmer hängenden Notizzetteln, Verhandlungsunterlagen und Fotos konstruiert hat. Der freigelassene Kint scheint seine körperliche Behinderung nur vorgetäuscht zu haben und wird von Kobayashi mit einem Auto abgeholt. Der Film endet mit den Worten Kints über Soze: "Auf einmal war er weg!"

Die Medienkritik fiel von Anfang an positiv aus - bei allen Einwänden gegen Authentizität und Glaubwürdigkeit.
"Mitunter droht der Film in all seiner Stilisierung durch Kamera, Schnitt, Musik und Erzählstruktur förmlich zu erstarren. Was den bewussten und effektvollen Einsatz der Mittel angeht, muss Bryan Singer bereits heute kaum einen Vergleich scheuen. Doch seinen Filmen - über die Vitalität ihrer Figuren - wirkliches Leben' einzuhauchen, daran sollte er weiterfeilen", schreibt differenziert der "filmdienst 1/1996".
Die Amazon.de-Redaktion urteilt noch wohlwollender: "Seitdem dieser verzwickte Thriller das Publikum und die Kritiker 1995 verblüffte und einen Oscar für Christopher McQuarries wendungsreiches Drehbuch erhielt, spaltet 'Die üblichen Verdächtigen' die Filmliebhaber in zwei Lager. Während viele Zuschauer sich sehr am inzwischen berühmten zentralen Geheimnis des Films erfreuten..., lassen andere sich nicht so sehr beeindrucken von einem Film, der zu sehr in seine eigene Cleverness verliebt ist, um viel Sinn zu ergeben... Die Hälfte des Vergnügens an 'Die üblichen Verdächtigen' macht die von dem Film ausgelöste Debatte aus, ebenso wie die reine Freude daran, die dynamische Besetzung in Aktion zu sehen, angeführt (oder vielleicht eher in die Irre geführt) von Oscar-Gewinner Kevin Spacey als klumpfüßigem Sträfling, der die Sage vom rätselhaften ungarischen Killer Keyser Söze erzählt... "Die üblichen Verdächtigen" ist unterhaltsam, weil der Film den Zuschauer bis ganz zum überraschenden Ende im Dunkeln hält. Ob dieses Ende das Vergnügen erhöht oder zunichte macht, muss jeder Zuschauer selbst entscheiden. Selbst wenn der Film zuletzt wenig oder gar keinen Sinn macht, ist dies ein spaßiger und bitterböser Thriller, der sogar seine Kritiker garantiert unterhält..."

Die Auszeichnungen können sich sehen lassen: Kevin Spacey erhielt 1995 einen Oscar als 'Bester Nebendarsteller', Christopher McQuarrie einen weiteren Oscar für das 'Beste Originaldrehbuch' - er war auch als Polizist beim Verhör zu sehen.

Moderne Hollywood-Filme befremden mich meist. Doch dieser Film bildet eine Ausnahme, hat auch mir gefallen (wenn auch vielleicht nicht ganz so gut wie dem legendären Saarländer Chefkritiker). "Die üblichen Verdächtigen" war spannend und voller Überraschungen, zudem gut gespielt (auch von Gabriel Byrne, Stephen Baldwin, Kevin Pollak und Benicio del Toro). Der Schein trügt, diese Lehre nehmen wir mit: 'Nothing is what it seems'. Womöglich gehören wir selbst gelegentlich zu den "üblichen Verdächtigen".
Wir sollten ihn uns also gelegentlich wieder mal ansehen - zum Beispiel auf DVD.

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