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Kritik von Tobias Lischka zu 'Zodiac - Die Spur des Killers'

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Partner von Entania
Kritik von Tobias Lischka
veröffentlicht am 29.03.2011
90%
"Lieber Chefredakteur. Hier ist der Mörder der beiden jungen Leute letztes Jahr Weihnachten am Lake Eurman und des Mädchens am vierten Juli am Golfplatz in Baleo. Um zu beweisen, dass ich sie getötet habe, werde ich ein paar Fakten nennen, die nur ich und die Polizei wissen. Weihnachten. marke der Munition. Super-Ex. Zehn Schüsse wurden abgefeuert. Der Junge lag auf dem Rücken mit den Füssen zum Wagen, das Mädchen lag auf seiner rechten Seite, die Füsse Richtung Westen. Vierter Juli. Erstens, das Mädchen trug eine gemusterte lange Hose. Dem Jungen wurde ausserdem ins Knie geschossen. Die Marke der Musition war Western. Jetzt folgt gleich ein Code. Die anderen beiden Teile dieses Codes gehen an die Chefredakteure der Valeo-Times und des SF Exsemelon. ich möchte, dass Sie diesen Code auf der Titelseite Ihrer Zeitung abdrucken, in diesem Code steckt meine Identität. Wenn Sie diesen Code bin Freitag nachmittag nicht drucken, werde ich Freitag nacht, 1. August 1969, wahllos Menschen töten. ich werde das ganze Wochenende herumfahren und in der Nacht einsame menschen töten. Dann werde ich immer weiter töten, bis ich im Verlaufe des Wochenendes ein dutzend Menschen getötet habe... Nicht unterschrieben, nur ein Symbol." - "Irre ich mich oder sieht das wie ein Fadenkreuz aus?"
Wie auch schon im Genre-Klassiker "Sieben" wendet sich Meisterregisseur David Fincher in "Zodiac"- die Spur des Killers" dem absolut bösen aus der Mitte der Gesellschaft zu, nimmt dieses ins eigene Visier bzw. Fadenkreuz. Ging es in "Sieben" vorrangig um die Erschaffung eines Mythos, also des allmächtigen, unbesiegbaren bösen, wird dieses im Nachfolgewerk quasi demontiert, genüsslich in seine Einzelteile zerlegt und wieder von der Realität eingeholt. Und wer der Überzeugung ist, das Fincher sich wieder hauptsächlich den Charakteren widmen bzw. diese zwecks Ermittlungarbeit empathiefähig machen müßte, hat den Fokus den Werkes nicht ganz verstanden. Denn "Zodiac" ist Genrebeiträgen bzw. Ausnahme-Recherchethrillern wie "Die Unbestechlichen" deutlich näher, als "Sieben" es jemals gewesen ist. Der Fokus liegt mehr auf reiner Aufklärungsarbeit, Fincher gelingt ein starkes Verwirrspiel um Fakten und Fiktion, welches am Ende klar stellt das der Zodiac-Killer in Wahrheit wohl nur bis zu einem gewissen Zeitraum exisitert hat, danach aber viele Nachahmer bzw. Täter gefunden hat, die den Mythos quasi selber aufgegriffen und fortgeführt haben. Daher wird der "wahre" Täter wohl nie wieder aufzufinden sein. In einem Zeitraum von über 30 Jahren entstand ein gesellschaftliches Phänomen, welches von Fincher kritisch durchleuchtet, seziert und so realistisch dem Betrachter nähergebracht wird, wie es eben nur geht. Finchers Werk "Zodiac" reflektiert ebenso den Zeitgeist verschiedener Jahrzehnte wie es auch Bestandsaufnahme und Rekonstruktion in einem ist. "Zodiac" entspricht ganz und gar nicht den Konventionen Finchers, unterscheidet sich im Grundton von "Sieben," "Fightclub," und "Panic Room" erheblich. Und da die Geschichte wesentlich komplexer als in diesen Filmen und etwas schwieriger aus der eigenen Perspektive an Hand der Vorlage und vielen existierenden Einzelfällen zu erzählen ist, die miteinander verworben werden, um vom Rezipienten verstanden und akzeptiert zu werden, ist es wie oben angesprochen richtig und konsequent den Fokus mehr auf die Ermittlungsarbeit zu legen. Und daher muß es zwangsweise ein kleines Opfer in Form der Figurenzeichnung geben. Aber gemessen an den Stärken des Films ist dieser zu verkraften. Denn Jake Gyllenhaal und Robert Downey Jr. spielen zwar emotional distanziert auf, wirken aber alles andere als bräsig oder langweilig. Gyllenhal spielt den Journalist Robert Graysmith, welcher auch in der Realität die Recherchearbeiten zu den "Zodiac"-Morden führte, mit einer Mischung aus Authenzität, Besessenheit und Perfektionswut. Downey Jr. legt einen exzellenten Auftritt als Starreporter Paul Avery hin, verliert sich in seiner Rolle glaubwürdig in Frust, Isolation, Alkohol und Drogenexzessen. Und Arthur Leigh Allen in der Rolle des vermeintlichen Täters verfügt über subtile, kühle Präsenz wie über die notwendige Undurchsichtigkeit. Desweiteren gibt Mark Ruffalo mit seiner Interpretation des Inspectors David Toschi dem Werk einen weiteren realistischen Anstrich. Akribische Polizeiermittlung bedeutet nicht immer 100 Prozent Aufklärungsarbeit, Ermittler sind keine strahlenden Helden, sondern scheitern ab und zu an ihren auferlegten Grenzen. Punkt. Perfekt ist "Zodiac" zwar nicht ganz, da sich auch ein paar kleine, unangenehme Längen eingeschlichen haben und der Film so kopflastig wie "The Social Network" wirkt, Finchers Können ist dennoch unübersehbar. "Zodiac" spannende Momente abzusprechen, wäre ebenfalls vermessen. Denn Fincher streut immer wieder packende und fesselnde Sequenzen ein, in denen verschiedene Individuen dem Täter zum Opfer fallen. Dies sorgt für die dringend benötige Abwechslung in der verlaufenden Story. Stilistisch bzw. handwerklich ist "Zodiac" perfekt. Dass David Fincher visuell ein Ausnahmekönner ist, dürfte jedem klar sein. Wer ihm zuviel Digitalkameraspielereien und zu große optische Verliebtheit vorwirft, welche die Geschichte und die Darsteller in den Hintergrund drückt, sollte mal genau darauf achten, dass Fincher nicht zu detailverliebt, sondern im Detail perfekt und authentisch bis zur Schmerzgrenze inszeniert. Viele Schauplätze verschiedener Epochen sind haargenau ausgearbeitet worden. Die eingesetzten HD-Bilder sind nicht zu "klinisch" rein, sondern auf der Höhe der Zeit. Es entsteht eine subtile Atmosphäre, auch unter Zuhilfenahme des Scores von David Shire, welcher sich auch für "Die Unbestechlichen" verantwortlich gezeichnet hat.
Fazit: Unter Berücksichtigung aller positiven und negativen Aspekte ist "Zodiac" zwar nicht Finchers bester Film (was heißt das schon), die Thematik ist jedoch außergewöhnlich, und Fincher schafft einen überzeugenden Film. "Zodiac" lässt "Panic Room" z.B. deutlich hinter sich und gesellt sich zu Finchers besten Werken "Fight Club", "Sieben" sowie "The Social Network". Und das verdientermaßen.

(Review: Blu-Ray Disc, Deutsch Deutsch DD 5.1, 1080p)

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