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Kritik von Benjamin Falk zu 'Mord im Orient Express'

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Partner von Entania
Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 17.05.2017
80%
Ich mag Krimis, aber "Mord im Orient-Expreß" habe ich zuvor nie gesehen. Nun kam es mal dazu und ich wusste nicht genau, was mich erwarten würde. Im Endeffekt habe ich die Sichtung jedoch nicht bereut und wer altmodische Krimis zu schätzen weiß, muss das eigentlich gesehen haben.

Der Film dreht sich um den belgischen Detektiven Hercule Poirot. Dieser befindet sich gerade auf der Rückreise eines abgeschlossenen Falles und zufällig gerät er dabei in den Orient-Expreß, welcher eigentlich ausgebucht ist. Im Zug befinden sich viele hoch angesehene Menschen, darunter auch ein reicher Geschäftsmann, der um sein Leben fürchtet. Er wittert seine Chance und spricht Poirot an, ob er ihm helfen würde. Doch Poirot lehnt ab, weil ihn der Fall nicht interessiert. Noch in derselben Nacht wird der Mann umgebracht, der sich selbst als Mörder entpuppt. Nun kümmert sich Poirot um die Auflösung und hat einen ganzen Zug voll von Verdächtigen.
Die Handlung basiert auf einem Roman von Agatha Christie, die ja mehrere Fälle von Poirot schrieb. Wie die Vorlage ist, kann ich nicht beurteilen, aber das Drehbuch zum Film hat man schon ordentlich geschrieben. Hier und da gibt es ein paar kleinere Ungereimtheiten, was jedoch nicht großartig auffällt. Alles dreht sich um die Auflösung des Falles und hier hat man schon reichlich verdächtige Personen eingebaut. Am Ende wird das logisch aufgeklärt, wobei es sich "Mord im Orient-Expreß" auch hier nicht gänzlich leicht macht und das sogar noch etwas offener lässt. Mir hat die Story jedenfalls gut gefallen.

Albert Finney ist der einzige Hauptdarsteller und hat als Detektiv Poirot mit Abstand am meisten zu tun, da er fast in jeder Szene zu sehen ist. Ich kenne die Vorlage nicht und es ist der erste Film über Poirot, den ich mir angesehen habe, aber Finney spielt das in meinen Augen schon echt sehr gut. Er gibt dem Detektiven ein markantes Gesicht, agiert so kauzig, wie sympathisch. Eine schön schrullige Leistung, die sich sehen lassen kann. Die zahlreichen Nebenrollen sind mit Darstellern wie Sean Connery oder Ingrid Bergman prominent besetzt. Wirklich jeder hat seine Arbeit hier sehr gut gemacht.
Die Figurenzeichnung hat mir ebenfalls zugesagt. Das liegt natürlich zu einem großen Teil an Detektiv Poirot, der schon eine interessante Figur ist. Die restlichen Charaktere sind so gestaltet, wie man es braucht und dienen damit lediglich dem Zweck, doch das geschieht nicht auf künstliche Art und Weise, so dass man alle glaubhaft dargestellt hat. Das ist wichtig, denn nur so kann der Kriminalfall überhaupt funktionieren.

Regisseur Sidney Lumet war sehr fleißig und hat zahlreiche Klassiker im Petto. In gewisser Weise zählt sicherlich auch "Mord im Orient-Expreß" dazu. Der Film ist wirklich komplett altmodisch gemacht und erinnert fast schon eher an Theater. Viele Experimente lässt die Inszenierung da nicht zu. Als größtes Stilmittel fungieren da einige Bildcollagen und kleinere Rückblicke. Ansonsten hält die Kamera einfach drauf, wenn Dialoge geführt werden. Simpel, aber durchaus hochwertig gemacht.
Die Atmosphäre wird einem sicherlich zusagen, wenn man diese altmodischen Krimis mag. In "Mord im Orient-Expreß" kommt schon eine gewisse Kammerspiel-Stimmung auf, weil sich alles nur in dem Zug abspielt. Dabei ist der Ton doch recht kühl und eigentlich ziemlich ernst, was den Film dennoch nicht daran hindert, immer mal wieder kleinere Auflockerungen unterzubringen. So kann man sich im Endeffekt auch amüsieren. Es gibt größere Krimispäße, aber zu düster ist das Werk eigentlich nicht.

Der Unterhaltungswert hat mich überrascht, denn dieser ist besser, als ich es gedacht hätte. Lediglich am Anfang lässt man sich etwas zu viel Zeit und vergeudet manch eine Filmminute mit unnötigen Szenen. Doch sobald der Mord sich dann erst mal ereignet hat, wird es niemals mehr langweilig. Dabei unterhält "Mord im Orient-Expreß" bestens, obwohl er nur aus Dialogen besteht. Ein Verhör folgt dem nächsten, das Finale besteht dann aus einer langen Auflösung. Action oder Spannung gibt es gar nicht und trotzdem verflog die relativ lange Laufzeit von 130 Minuten bemerkenswert rasant. Das kann aber auch nur so sein, weil die Dialoge echt gelungen sind.
Effekte braucht der Streifen so gut wie keine und brutal wird es natürlich auch nicht.
Der Score klingt passend und ist genauso schön altmodisch.

Fazit: "Mord im Orient-Expreß" ist ein feiner und anspruchsvoller Krimi, der einen schön komplexen Fall zeigt, der nebenbei sehr gut aufgelöst wird. Wenn man an Krimis seinen Spaß hat, dann wird einem das sicherlich gefallen, weil es eben so gut geschrieben wurde. Hercule Poirot ist ein interessanter Charakter, der hier bestens dargestellt wird und auch die vielen weiteren Schauspieler erledigen ihren Job sehr gut. Die Figuren hat man gut erdacht und die Inszenierung gibt sich enorm altmodisch. Der gesamte Film besteht eigentlich nur aus Dialogen und kann damit trotzdem gut bis sehr gut unterhalten. Lediglich den Anfang empfand ich als zu langatmig. Die Atmosphäre bietet zudem eine gute Mischung aus ernsten, sowie lockeren Momenten. Mir hat das auf jeden Fall ordentlich gefallen und für Krimifans ist das eigentlich Pflichtprogramm!

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