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Kritik von Fred Maurer zu 'König Claus - Peymanns Leben für das Theater'

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Kritik von Fred Maurer
veröffentlicht am 15.04.2018
90%
Die Bezeichnung ARD steht für "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland". Gegründet wurde die ARD mit sechs Landesrundfunkanstalten sowie RIAS Berlin. Heute gehören der ARD neun regionale Anstalten sowie die Deutsche Welle an.
www.ard.de

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Spannende Dokumentation über einen mutigen Schwimmer gegen den Strom, 'den Letzten seiner Art'

Eine Filmkritik von Fred Maurer zu Ehren eines bedeutenden Regisseurs und Theater-Intendanten

Kulturporträts auf 'arte' oder 'Dreisat' sind oft anstrengend, manchmal langweilig. Diesmal war es wohltuend anders.

Zum Inhalt (siehe 'programm.ARD.de'):
"Claus Peymanns Karriere begann stilecht mit einer 'Publikumsbeschimpfung'. Die Uraufführung von Peter Handkes gleichnamigem Drama machte den Regisseur 1966 mit einem Schlag bekannt. Er hatte die Studentenrevolte auf die Bühne gebracht - das Fernsehen war dabei.
Er wird vom [Stuttgarter] Publikum innig geliebt und von der Politik noch heftiger kritisiert. Sein größter Skandal wird ihm zum Verhängnis: Ein Spendenaufruf für einen Zahnersatz für die in Stuttgart inhaftierte Terroristin Gudrun Ennslin macht ihn als Staatstheaterintendanten untragbar. Weitere Stationen sind Bochum und Wien. Nach der Wiedervereinigung wechselt er in den Osten der Republik, ans legendäre 'Berliner Ensemble'. 2017 trat der 80-Jährige von seinem Posten zurück. Nach dem Ende seiner Karriere als Intendant der größten deutschsprachigen Bühnen kehrt Claus Peymann nach Stuttgart zurück, wo seine Karriere begann: Er inszeniert in Stuttgart sich und Shakespeares König Lear. Im Film 'König Claus' erinnert er sich an seine Stuttgarter Zeit (1974-79), als er als Sympathisant verdächtigt wurde und schimpft gleichzeitig laut über die Stuttgarter Verhältnisse heute..."

Die Dokumentation "beobachtet die [81-jährige, noch lebende, ja erstaunlich vitale Theater-]Legende bei der oft emotionalen Probenarbeit in Stuttgart und blickt zugleich auf das Leben ... zurück."
Hierfür sprach Regisseur Andreas Ammer mit Zeit- und Weggenossen wie dem Peymann bewundernden (und von ihm bewunderten) Harald Schmidt oder Herrmann Beil, "stöberte verborgene Archivschätze wie ein erstmals gesendetes Interview mit [dem bedeutenden Epiker und Dramatiker] Thomas Bernhard auf, besucht ... mit Peymann die Gräber der RAF-Terroristen und erzählt auf neue Weise das an Skandalen und Erfolgen reiche Leben des Theaterberserkers Claus Peymann ..., vielleicht 'der Letzte seiner Art'." (ebenda)

Mein Fazit:
Diese spannende Dokumentation habe ich nicht nur vollständig und ohne Pause angeschaut, über sie 'den Letzten seiner Art' habe ich intensiv nachgedacht:
Muss eine um-, aber unbestrittene Kulturgröße im Titel unbedingt monarchisch geadelt, "König" genannt werden; ist er hierzu gefragt worden und hat womöglich aus Eitelkeit Ja gesagt? Muss man einen Lebenden Legende nennen oder geht es auch eine Nummer kleiner: Idol, Vorbild, meinetwegen Genie?
Darf ein hochdotierter städtischer Angestellter für eine Terroristin und mehrfache Mörderin Spenden sammeln, um deren Zahnschmerzen zu lindern - angesichts des Leides, der Wut, der Ohnmacht der hinterbliebenen Angehörigen ihrer Opfer? Da habe ich selbst erhebliche Zweifel, sozusagen 'Zahnweh'.
Die Beerdigung dreier ihrer Mitinsassen nach deren Kollektivsuizid im Jahr darauf geht zwar in Ordnung - gemäß der Erkenntnis des klugen Stuttgarter Oberbürgermeisters Rommel, im Tode höre die Feindschaft auf; deren Grab sollte man jedoch (wenn überhaupt) privat, ohne laufende Kamera und somit vor der Öffentlichkeit besuchen.
Auch dies ist eine typische Provokation Peymanns, mit der er sich wissentlich und willentlich Sympathien verscherzt hat, die er sich durch seine großartigen Theaterinszenierungen erst wieder zurückerobern musste.
Aus diesem gut inszenierten Film habe ich, gelegentlich 'Regisseur' von Schultheateraufführungen, viel für mein eigenes Leben lernen können - und ziehe trotz aller Bedenken den Hut vor diesem eigenwilligen, mutigen Schwimmer gegen den Strom.
Der stromlinienförmigen Ja-Sager, Konformisten, Opportunisten sind es nämlich immer schon und noch immer zu viele.

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