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Kritik von Dirk Hoffmann zu 'Der schweigsame Fremde'

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Kritik von Dirk Hoffmann
veröffentlicht am 10.12.2017
30%
Ein Jahr nach "12 Uhr mittags", der als einer der berühmtesten Western in die Filmgeschichte einging, kam mit "Der schweigsame Fremde" (1953) ein weiterer Western in die Kinos, der auf einer Geschichte von John W. Cunningham beruhte. Allerdings vermochte Regisseur André de Toth trotz seines Stars Randolph Scott kein bemerkenswertes Genre-Highlight aus dem Stoff zaubern.
In seiner Vergangenheit wirkte Jeff Travis (Randolph Scott) unglücklicherweise als Spion für den Outlaw Quantrill, der mit seiner Armee von Abtrünnigen die Wirren des Bürgerkriegs ausnutzte, um in Kansas ganze Städte zu plündern und dabei auch keine Hemmungen hatte, Frauen und Kinder zu ermorden. Erst als Travis das ganze Ausmaß von Quantrills Gräueltaten erfasst, beginnt er in der regulären Südstaaten-Armee zu dienen und sich nach Kriegsende, mit seiner Freundin Josie Sullivan (Claire Trevor) als Glücksspieler durchzuschlagen. Als er jedoch als früherer Spion von Quantrill enttarnt wird, muss Travis die Flucht ergreifen und auf die Hilfe von Jules Mourret (George Macready) zählen, der in der Stadt Prescott, Arizona, das Sagen hat. Er arbeitet fortan als Sicherheitsmann für den örtlichen Fuhrunternehmer Jason Conroy (Pierre Watkin) und dessen Tochter Shelby (Joan Weldon) und informiert Mourret über lohnenswerte Schätze, die mit der Kutsche transportiert werden und als Diebesgut geeignet sind. Doch auch in diesem Job kommen Travis bald moralische Bedenken. Um Mourret und seinen Schurken (u.a. Lee Marvin und Ernest Borgnine) das Handwerk zu legen, geht Travis eine Liaison mit einer anderen Bande ein ...
Der für sein Drehbuch zu "Der Scharfschütze" (1950) für einen Oscar nominierte, aus Ungarn stammende Regisseur André De Toth ("Das Kabinett des Professor Bondi") hat mit Western-Star Randolph Scott einige Western zusammen realisiert ("Sabotage", "Donnernde Hufe", "Dieser Mann weiß zuviel"), aber mit "Der schweigsame Fremde" ist der Kollaboration kein Meisterwerk gelungen. Das liegt zunächst einmal an der unglücklichen Charakterisierung von Scotts Figur Jeff Travis, der man überhaupt nicht abnehmen kann, dass sie gleich zwei moralisch mehr als fragwürdige Jobs annimmt, schließlich scheint er im Grunde ein herzensguter Mensch zu sein. Zudem gelingt es De Toth nicht, über gerade mal 82 Minuten Spielzeit einen stringenten Plot zu inszenieren, der das Schicksal und die persönliche Entwicklung von Jeff Travis glaubwürdig transportiert. Selbst die Beziehung zu seiner loyalen Freundin Josie wird nicht näher thematisiert. Statt den Figuren etwas Profil zu verleihen, beschränkt sich De Toth ganz darauf, ordentlich Action zu präsentieren, mit rasenden Passagier-Kutschen, entfesselten Pferdegespannen und ein paar Schießereien. Einzig die späteren Stars Lee Marvin ("Der Mann, der Liberty Valance erschoss", "Das dreckige Dutzend") und Ernest Borgnine ("Das dreckige Dutzend", "The Wild Bunch - Sie kannten keine Gnade") bringen als einfältige Gauner etwas Pepp in einen Western, der ansonsten in allen Belangen nur B-Ware darstellt.
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