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Kritik von Dirk Hoffmann zu 'Drei Uhr nachts'

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Kritik von Dirk Hoffmann
veröffentlicht am 07.11.2017
80%
Auch wenn "Der Teufel mit der weißen Weste" (1963) gemeinhin als sein erster Gangsterfilm angesehen wird, erkundete der gefeierte französische Filmemacher Jean-Pierre Melville bereits 1956 mit der Verfilmung von Auguste Le Bretons "Drei Uhr nachts" das Genre und wurde mit dieser atmosphärisch stimmigen Gauner-Ballade zu einer wichtigen Inspiration für die Nouvelle Vague.
Nun erscheint das Meisterwerk in der "Jean-Pierre Melville Edition", die StudioCanal zum 100. Geburtstag des berühmten Drehbuchautors, Produzenten und Regisseurs veröffentlicht, hierzulande erstmals auf DVD und Blu-ray.
Nach einem fehlgeschlagenen Bankraub, der ihm einige Jahre Gefängnis einbrachte, hat sich Bob "le flambeur" Motagné (Roger Duchesne) am Pariser Montmartre ganz auf das Glücksspiel in Bars, Casinos und auf der Pferderennbahn verlegt. Er ist dem Kleinganoven Paolo (Daniel Cauchy) ein väterlicher Freund, ist sich der Freundschaft von Kommissar Ledru (Guy Decomble), dem er einst das Leben gerettet hat, gewiss und kümmert sich liebevoll um die junge Prostituierte Anne (Isabelle Corey), die er bei sich aufgenommen hat.
Bislang hat er sich mit seiner überlegten Spielweise dadurch ein sehr angenehmes Leben ermöglichen können, doch in letzter Zeit hat ihn das Glück häufiger im Stich gelassen, so dass er mit Paolo und seinem alten Freund Roger (André Garet) im Spielcasino des noblen Badeorts Deauville einen Saferaub ausheckt. Doch statt wie geplant um 3 Uhr morgens zuzuschlagen, vergisst Bob beim Kartenspiel, wo er über Stunden einen erstaunlichen Lauf hat, die Zeit. Währenddessen hat Kommissar Ledru von dem Zuhälter Marc (Gérard Buhr) einen Tipp erhalten und bringt sich mit seinem Team am Casino in Stellung ...
Melville nimmt sich in "Drei Uhr nachts" viel Zeit, den alternden Gentleman-Gauner Bob in seinem täglichen und vor allem nächtlichen Umfeld einzuführen, seine nonchalante Art, mit seinen Freunden und den Frauen in seinem Leben umzugehen, während er auf der anderen Seite mit Zuhältern wie Marc auch grob sein kann. Melville nutzt die langen Einstellungen, in denen Bob zunehmend sein Geld beim Glücksspiel verliert, aber auch dazu, Paris eine Liebeserklärung zu machen.
Vor allem Roger Duchesne ("Roman eines Schwindlers", "Gehetzte Frauen") überzeugt mit zurückhaltendem, sehr akzentuiertem Spiel, das mehr über die Mimik als die Sprache zum Ausdruck kommt.
Bevor sich "Drei Uhr nachts" zum Ende hin zum Gangsterfilm entwickelt, präsentiert sich der stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Film als gut beobachtete Spieler-Milieustudie und als grandios inszenierter Film Noir, der nicht zuletzt Louis Malles "Fahrstuhl zum Schafott" (1958) beeinflussen sollte und 2002 von Neil Jordan unter Titel "The Good Thief" mit Nick Nolte in der Hauptrolle neu verfilmt worden ist.
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