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Kritik von Fred Maurer zu 'Zwischen Himmel und Hölle'

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Kritik von Fred Maurer
veröffentlicht am 04.11.2017
100%
Eine Staffel (engl. Season) einer TV-Serie besteht meist aus 10-24 einzelnen Episoden, die dann oft durch eine längere Drehpause getrennt sind.
Das ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen) ist eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt, die seit April 1963 bundesweites Fernsehen ausstrahlt. Der Sitz des Senders ist in Mainz, neben dem Zweiten gehören dem ZDF unter anderem die Sender 3sat, Phoenix und arte (zumindest teilweise) an.
www.zdf.de

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'Der fiktionale Höhepunkt des Reformationsjubiläums 2017'

Eine Filmkritik von Fred Maurer zu Ehren seiner soeben 93-jährig verstorbenen Mutter

Haben Sie diesen historischen Fernsehfilm auch inzwischen zu Ende gesehen?
Wir, meine Frau und ich, haben das erst gestern Abend geschafft. (Unter uns und nicht weitersagen: "Bauer sucht Frau" ging vor.)

Im Laufe der Jahrzehnte habe ich mehrere Spielfilme und Dokumentationen über Martin Luther gesehen. Hier die wichtigsten im Überblick:
"Doktor Martinus Luther", ein Stummfilm natürlich in Schwarzweiß von 1911 (mit den einzigen zwei Vorteilen, bei nur 20 Minuten Länge schön kurz und zudem verschollen zu sein); der sehenswerte Fernseh-Zweiteiler "Martin Luther" von 1983 mit Lambert Hamel in der Titelrolle; der aufwendige Kinofilm "Luther" mit Joseph Fiennes und Peter Ustinov in seiner letzten Rolle; "Katharina Luther" mit Karoline Schuch in der Titelrolle und Devid Striesow als Martin Luther; schließlich "Das Luther-Tribunal" beide bereits von 2017.
Die wichtigste Dokumentation ist Teil 4 der großartigen ZDF-'History'-Sendereihe 'Die Deutschen' von 2008 "Luther und die Nation", der mit dem 5. Teil der zweiten Staffel "Thomas Müntzer und der Krieg der Bauern" korrespondiert.
Mit dem Mammutkonzert "Luther - das Projekt der 1000 Stimmen" habe ich mich bislang noch nicht befassen können; es ist ja auch kein 'Film'.
Erstausstrahlung des extra zum Jubiläum produzierten Spielfilms war der 30. Oktober - zugleich der Todestag meiner Mutter, weshalb ihr meine Filmbetrachtung auch gewidmet ist.
Sie wurde beachtliche 93 Jahre und hat Luther ihr Leben lang für seine Aufrichtigkeit bewundert.

Zum Inhalt (siehe auch Homepage des 'ZDF').
Martin Luther stellt vor 500 Jahren mit seinen 95 Thesen die religiöse, aber auch die politische Welt auf den Kopf und macht sich Feinde. Die Kirche exkommuniziert ihn. Doch Luther hat noch eine Chance: Der Kaiser soll entscheiden, ob Luther Recht hat oder ein Ketzer ist. Die Welt schaut nach Worms, wo Luther seine Thesen widerrufen soll. Wird er auf dem Reichstag zu dem stehen, was er glaubt, auch wenn dies für ihn das sichere Todesurteil bedeuten könnte?

Doch Luther kann sich auf seine Weggefährten verlassen - auf Thomas Müntzer, seinen Freund und Bruder im Geiste, und auf Bodenstein, seinen professoralen Kollegen an der Universität in Wittenberg. Zu ihnen stoßen die entlaufenen Nonnen Ottilie von Gersen und Katharina von Bora. Beide Frauen verbindet bald mehr mit den Reformatoren als der Glaube an einen gnädigen Gott. Doch in Worms steht Luther allein und findet schließlich den Mut, dem Kaiser und der Kirche die Stirn zu bieten. Die Reformation ist nicht mehr aufzuhalten, auch wenn Luther vorerst untertauchen muss.

Im Versteck auf der Wartburg beginnt er das nächste Großprojekt: Er übersetzt das Neue Testament, damit jeder Bürger die Bibel lesen kann. Als sich seine Mitstreiter Müntzer und Bodenstein jedoch radikalisieren, verlässt Luther die sichere Burg. Thomas Müntzer will Gerechtigkeit für die entrechteten Bauern und wird zu ihrem Anführer gegen die Fürsten. Luther hingegen will mit dem Wort überzeugen und die Landesfürsten für seine Ideen begeistern. Die Botschaft der Reformation von der Freiheit des Menschen führt die beiden Freunde auf unvereinbare Wege - bis heute ...

Während Müntzer bis heute als früher Terrorist und Urvater der 'Baader / Meinhofs' wahrgenommen wird, gilt Luther als bedeutender Theologe und Gelehrter. Zu Recht: Denn 'Gewalt ist keine Lösung'; die eine Ungerechtigkeit durfte damals so wenig wie heute mit einem noch größeren Unrecht vergolten werden. Luther hat sich um die deutsche Sprache verdient gemacht und gezeigt, wie wir uns gegen Unrecht wehren können / sollten, ohne unser Leben oder auch nur unsere Existenz zu gefährden.
Auch diese Lehre vom Gewaltverzicht verinnerlichen wir beim Verfolgen dieses spannenden, wenn auch langatmigen Films, den man besser und ich lieber in zwei Teilen angeschaut hätte.

Gekonnt Regie führte Uwe Janson ("Tatort").
Die Darstellerriege ist für einen ZDF-Film beeindruckend: überzeugend als Luther trotz eigentlich fehlender äußerlicher Ähnlichkeit Maximilian Brückner ("Räuber Kneißl" von 2008); als Thomas Müntzer der kongeniale Jan Krauter ("Tatort", "Solo für Weiss" von 2016); als Hieronymus der erst 14-jährige Maximilian Ehrenreich ("Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" von 2013); Johannes Klaußner, Sohn des genialen Charakterdarstellers Burghart Klaußner; als Albrecht von Brandenburg Joachim Król ("Das Superweib" von 1996 / "Tatort"); Armin Rohde ("Jud Süß - Film ohne Gewissen" von 2010), Rüdiger Vogler (Titelrolle in "Denk ich an Deutschland in der Nacht ... Das Leben des Heinrich Heine" von 2006), Fabian Hinrichs ("Sophie Scholl" von 2005); als Maler Lukas Cranach (der Ältere) Christoph Maria Herbst ("Stromberg"), als dessen Frau Anna Schudt ("Tatort"); last not least Johanna Gastdorf ("Das Wunder von Bern" von 2003).
Die offensichtlichen historischen Ungenauigkeiten (Anachronismen der erst später entstandenen Kirchenmusik) lassen sich auch als aktualisierende Fiktionalität auffassen: dass nämlich Luther heute noch aktuell ist. Gestört haben sie mich jedenfalls nicht - so wenig wie die künstliche Digitalkonstruktionen einiger heute nicht mehr existenter Gebäude. Schwieriger zu durchschauen sind die fiktionalen Hinzufügungen; aber es ist reizvoll, diesbezüglich zu recherchieren.

Mein Fazit:
"Die einschlägigen Verfilmungen (u.a. der DEFA-Film 'Thomas Müntzer - Ein Film deutscher Geschichte' von 1966 / der deutsch-tschechische Spielfilm aus aktuellem Jubiläumsanlass 'Zwischen Himmel und Hölle' von 2017) sind beide überfiktionalisiert, darüber hinaus politisch tendenziös bzw. (mit 165 Minuten) trotz aller Spannung zumindest aus Schülersicht langatmig, wenn nicht langweilig. Ausgewählte Szenen aus beiden über ein halbes Jahrhundert auseinanderliegenden Filmen bieten sich jedoch auch zum filmisch-historischen Vergleich im Anschluss an die Besprechung / Bearbeitung des ZDF-Dokudramas ['Die Deutschen'] durchaus an...", schrieb ich soeben als Ergänzung einer wissenschaftlichen Abhandlung für die Nürnberger Universität (in Zusammenhang mit Kleists Kriminalnovelle "Michael Kohlhaas", in der Luther fiktiv mit dessen Seelenverwandten Thomas Müntzers spricht).
Im Rückblick bin ich froh, den Film komplett angeschaut zu haben: Er ist spannend und lehrreich, glänzend besetzt, sorgfältig inszeniert.
Wie sagte doch ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler:
"Der Ensemblefilm würdigt zugleich die Modernität und Wirkungsmacht der Reformation sowie die Ambivalenzen in der Person Martin Luthers. 'Himmel und Hölle' soll der fiktionale Höhepunkt des Reformationsjubiläums 2017 werden."
Das ist dem Spielfilm und seinen Machern wohl gelungen.

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