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Kritik von Benjamin Falk zu 'Raw'

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Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 12.09.2017
70%
Bei dem ganzen Vegetarier und Veggie-Trend momentan, war es nur eine Frage der Zeit, bis der Horrorfilm dies auch mal behandelt. Dabei wurden dank vieler Nachrichten die Erwartungen an "Raw" in die Höhe getrieben. Publikum, welches den Film nicht aushalten konnte, Kinobetreiber, die extra Kotztüten verteilten. Mir war ganz klar, dass "Raw" dem im Endeffekt nicht gerecht werden würde. Das Thema Kannibalismus wurde schon auf solch grausame Art und Weise umgesetzt, dass der Horrorfan hier so schnell sicher nicht mehr aus der Ruhe zu bringen ist. Geschadet hat es "Raw" aber trotzdem nicht, denn ich fühlte mich hier ordentlich unterhalten.

Justine will an einer Universität zur Tierärztin werden. Die überzeugte Vegetariererin muss durch ihre erste Woche, welche als schlimm gilt, treiben die bereits älteren Studenten doch gerne ihre Späße mit den neuen. Alles fängt dann damit an, als Justine gezwungen wird ein Stück rohes Fleisch von einem Tier zu konsumieren. Nachdem sie das getan hat, ist scheinbar ihre Fleischeslust geweckt, was ungeahnte Dimensionen annehmen soll.
Ich wusste im Vorfeld so gut wie nichts über die Story und war deshalb etwas überrascht, weil ich hier mit mehr Kritik am Fleischkonsum gerechnet habe. "Raw" bedient jedoch kaum gesellschaftskritische Anliegen, sondern erzählt viel mehr eine klassische Horrorgeschichte in ganz anderer Art und Weise. Ein wenig fühlte ich mich sogar an "Ginger Snaps" erinnert, allerdings auch nur sehr entfernt. Auf jeden Fall sind die Zutaten allesamt nicht neu, die Verarbeitung dieser aber doch recht eigenständig. Das Drehbuch gefiel mir deshalb gut und es war auch erfreulich, dass es hier niemals zu vorhersehbar wird.

Dabei ist "Raw" so typisch französisch. Nicht mit jeder Szene wird man etwas anfangen können, weil manche Dinge einfach zu doof sind. Größtenteils sorgen die skurrilen Momente aber für Interesse und weil das ja aus Frankreich stammt, geizt man auch nicht mit nackter Haut. Der Splatter-Anteil hingegen ist gering und nur am Ende wird es noch etwas derber (übrigens mit guten Effekten). Trotzdem gibt es ein paar Szenen, die ein bisschen ekelhaft sind. Wer nun wirklich einen ganz schwachen Magen hat, dem kann aufgrund der Thematik vielleicht schlecht werden. Bei mir war das nicht der Fall und die Freigabe ab 16 Jahren geht hier durchaus in Ordnung, denn so schlimm ist der Film nun wirklich nicht. Dies ist auch deshalb der Fall, weil "Raw" kein komplett ernster Beitrag ist. Das bemerkt man ja schon am wirklich netten Schlussgag. Es kommt definitiv etwas Horror auf, eine Art Coming-of-Age-Drama ist das ebenfalls und hier spielt dann auch die Sexualität keine untergeordnete Rolle. Man könnte das Ganze allerdings auch fast schon als Groteske ansehen. Auf jeden Fall gab es einige amüsante Momente, die zwar böse sind, aber dennoch Spaß machen. Die Stimmung hat mich nicht immer, jedoch größtenteils erreicht und deshalb kam ich mit der eigenwilligen Atmosphäre auch ziemlich gut zurecht.

Die Regisseurin Julia Ducournau hat es auf jeden Fall geschafft, dass man über ihren Film spricht und auch schlechte Werbung ist hier ja bekanntlicherweise gut für's Produkt. Handwerklich ist das aber durchaus ansprechend gemacht. Die Bildersprache konnte mich erreichen und hat mir gefallen, die Optik ist sowieso ordentlich und es gibt immer mal wieder ein paar Ideen, die für interessante Bilder sorgen, die man so sicherlich auch nicht in jedem Film zu sehen bekommen wird. Daneben gibt es noch brauchbare Darsteller zu sehen. Am meisten zu tun hat definitiv Garance Marillier, die das stets souverän macht. Doch auch Ella Rumpf wächst mit der Zeit noch etwas. Die Figuren sind überschaubar und man beschäftigt sich nicht unbedingt sehr tiefgründig mit ihnen. Das ist nicht zwangsläufig notwendig, weil hier alle etwas schräger sind und somit markant genug wirken. Sympathien müssen dafür nicht mal aufkommen, auch so konnte ich damit genug anfangen.

Der Unterhaltungswert ist nicht konstant hoch, bleibt aber überwiegend zufriedenstellend. Man lässt sich nicht zu lange Zeit mit einer Einleitung und es gibt immer wieder die Momente, die den Zuschauer bei der Stange halten. Das fängt einfach nur skurril an, wandelt sich dann aber doch noch zu den deftigeren Szenen und somit ist für eine Steigerung gesorgt. Zwar gibt es hier keinerlei Spannung und eigentlich auch keine Action, dafür eben typisch schrägen Humor aus Frankreich, der mir nicht immer schmeckt, hier jedoch seltsamerweise kaum gestört hat. Für eine Laufzeit von knapp 100 Minuten ist das jedenfalls genug und ich habe mich trotz kleiner Längen nicht langweilen müssen.
Score und Soundtrack sind ganz passend und hören sich gut an.

Fazit: "Raw" ist definitiv ein interessanter und der etwas andere Beitrag zum Thema Kannibalen-Horror. Die Handlung bedient bekannte Elemente, setzt diese aber durchaus eigenständig zusammen und kann somit schon mal überzeugen. Aus handwerklicher Sicht ist das gut gemacht, bietet ein paar starke Bilder und die Darsteller spielen souverän. Eine große Figurenzeichnung wird da nicht benötigt und es ist auch nicht weiter schlimm, dass es ein paar Längen gibt. Wer sich "Raw" jedoch nur ansieht, weil er hofft hier auf seine Grenzen zu stoßen, der wird zwangsläufig enttäuscht sein. Man hat hier keinen sonderlich kontroversen, brutalen oder mordsmäßig ekelhaften Film vor sich. Dafür einen, der ein paar etwas andere Szenen besitzt, mit einer amüsanten Grundidee spielt und allgemein relativ spaßig erscheint. Für mich hat sich die Sichtung definitiv gelohnt, aber bei "Raw" werden sich die Geister sowieso erheblich scheiden!

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