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Kritik von Robert Tiesler zu 'Aus dem Nichts'

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Kritik von Robert Tiesler
veröffentlicht am 01.12.2017
95%
Was für eine Wucht. Niederschmetternd. Wut, Trauer, Spannung. Fatih Akin hat einen Film geschaffen, der einen packt, der die Emotionen bis weit nach Filmende reichen lässt. Einen hochaktuellen Film, der vergleichbar mit den Nazimorden des NSU die Ohnmacht vieler Menschen zeigt

Das ruhige, entspannte Leben von Katja (Diane Kruger) endet, als ihre Autofahrt an einer Polizeisperre endet. Das Büro ihres Mannes Nuri (Numan Acar) ist durch eine Bombe zerschmettert worden. Vorhin erst hatte sie ihren Sohn Rocco (Rafael Santana) dorthin gebracht. Beide sterben bei dem Bombenanschlag.
Katja ist am Boden zerstört, aber sie erinnert sich: An eine junge Frau, die sie angesprochen hatte, weil sie ihr nagelneues Fahrrad nicht anschließen wollte. Es stellte sich raus: Der Koffer auf dem Fahrrad war die Bombe.
Die Polizei fahndet nach einer Osteuropäerin. Und sie stellt Fragen. War Nuri in Straftaten verwickelt? Hatte er Ärger? Hatten es Clans auf ihn abgesehen? Gab es in der türkischen Community Zoff?
Dabei ist sich Katja sicher: Die Gesuchte ist eine Deutsche, sie sprach klar und ohne Akzent. Es geht um Nazis.
Tatsächlich wird das Neonazi-Paar Edda (Hanna Hilsdorf) und André Möller (Ulrich Friedrich Brandhoff) festgenommen, und es beginnt ein zermürbender Prozess. Anwalt Danilo Fava (Denis Moschitto) vertritt Katja, aber es ist ein steiniger Weg.

"Aus dem Nichts" ist wohl Fatih Akins bislang bester Film. Er zeigt ein Stück bittere deutsche Realität. Völlig aus dem Nichts kommt das Grauen über Katjas Familie. Die Polizei sieht das anders, sie fahndet. Aber sie fahndet nicht in die Richtung der Neonazis. Weil es keine Anhaltspunkte gibt, weil man nichts sieht, was zunächst darauf hindeutet. Stattdessen wird orakelt, was denn da in der Szene los sei. Der Fall erinnert an Köln - an den Anschlag in der Keupstraße, bei dem die Polizei auch erst vermutete, dass es sich um eine Fehde handeln sollte. Dass es schlicht Naziterror ist, das wollte keiner wahrhaben.
Aber schlimmer noch: Fatih Akin spinnt das Grauen weiter. Denn der Prozess entwickelt sich zum Alptraum, und fassungslos schaut man zu, wie sich das Ganze entwickelt. Man fragt, warum das Gericht entscheidet, wie es entscheidet, wieso es sich dermaßen beeinflussen lässt, wieso Plädoyers im Nichts verhallen.
Einfach nur bedrückend.
Das alles mit hervorragenden Darstellern. Allen voran Diane Kruger. Es gibt keinen Film, in dem sie dermaßen brillieren konnte, in dem sie zeigen konnte, was sie kann. Die Angst, die Verzweiflung, die Wut - all das spielt Kruger auf unglaublich packende Weise. Auch ist es toll zu sehen, dass Denis Moschitto endlich auch mal eine wirklich Paraderolle bekommen hat. Er spielt den Anwalt, der es allen zeigen will, ganz hervorragend. Auch die Nebenrollen sind perfekt besetzt - von Ulrich Tukur als schockiert-traurigen Zeugen bis zum widerlichen Neonazi-Verteidiger, gespielt von Johannes Krisch.
Wenn der Abspann läuft, dann muss man erst mal tief durchatmen.

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