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Kritik von Jutta Hannecker zu 'mother!'

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Kritik von Jutta Hannecker
veröffentlicht am 10.09.2017
20%
Der Teufel steckt im Detail

Wütend war er, der Darren Aronofsky, und zwar so sehr, dass er wie im Rausch sein Wut-Drehbuch zu "Mother" niedergeschrieben hat. Ganze fünf Tage hielt der Anfall an, dann war das Werk vollendet. Hätte er es in der Schublade gelassen, okay, Selbsttherapie. Alles gut. Aber musste er es wirklich mit Starbesetzung verfilmen? Nun ja, da streiten sich die Geister.

Herausgekommen aus Aronofskys Attacke ist ein Film, der von zäh bis ekelhaft zu beschreiben ist. Klar, seine Seitenhiebe Richtung Verrohung der Gesellschaft, Umweltzerstörung, Respektlosigkeit usw. fallen natürlich auf und sind sicherlich sehr gut gemeint. Dennoch kommen diese Anspielungen so dermaßen unrealistisch und grotesk daher, dass ich vor lauter Unbehagen auf meinem Sessel hin und her gerutscht bin. Und das sagt ein "Black-Swan"-Verehrer.

Aber worum geht's? In fünf Tagen fällt es wahrscheinlich schwer, sich Namen einfallen zu lassen. Oder vielleicht soll damit diesem Thriller noch die ganz besonders intellektuelle Note verpasst werden? Die Protagonisten müssen nämlich ohne auskommen. So spielt Oscargewinnerin Jennifer Lawrence, eine namenlose Innenarchitektin und Frau eines Dichters, die mit viel Geduld und Pedanterie das abgebrannte Anwesen ihres Gatten (teuflisch: Javier Bardem) wieder aufbaut. Er, der große Dichter, leidet unter einer Schreibblockade. Somit hat er auch nicht besonders viel Lust auf Sex, worunter seine Frau leidet, die sich nichts sehnlicher wünscht als ein Baby. Rosemaries Baby?

Irgendwas stimmt in diesem Haus nicht, das die Frau des Dichters herrichtet. Aus den Wänden kommen komische Geräusche, hält sie ein Ohr daran, sieht man auf der Leinwand ein rußiges schlagendes Herz. Ihre daraus resultierenden Ängste betäubt sie mit einem giftgelben Pülverchen, das es so sicherlich nicht in der Apotheke zu kaufen gibt.

Am Liebsten ist sie allein mit ihrem Mann und ihrer Arbeit am Haus. Für den Dichter kommt aber bald Inspiration ins Anwesen und zwar in Form einer Familie (u.a. Michelle Pfeiffer). Würde man sagen, dass sie sich wie der Elefant im Porzellanladen aufführt, wäre das viel zu charmant. Der Besuch endet blutig. Diesen Verlauf werden bibelfeste Zuschauer wahrscheinlich etwas besser verstehen, denn Abel und Kain lassen grüßen. Amen. Aber der Dichter kann endlich wieder schreiben und kopulieren. Und so darf sich die Gattin auf den ersehnten Nachwuchs freuen. Alles läuft so dahin, glückselig schwebt die Hausdame durchs Gebäude. Jeder weiß natürlich, dass da noch was kommen muss.

Und da kommt noch was. Wäre nicht Aronofski am Werk, würde ich von Splatter-Scheiß sprechen. Aber wer traut sich das schon? Vielleicht hat man ja was verpasst, was uns der Dichter Aronofski damit sagen will? Eines ist klar: Dieser Horrorthriller wird polarisieren. Focus Online sieht in Jennifer Lawrence schon die nächste Oscargewinnerin. Auch kein Thema: Javier Bardem spielt den Dichter teuflisch gut. Da reichen oft nur die kleinsten Mimik-Veränderungen, um das Blut in den Adern anfrieren zu lassen. Und das, obwohl noch gar nichts passiert ist. Alles plätschert beinahe langweilig so dahin, wäre da nicht diese böse Vorahnung. Teilweise überschlagen sich die Kritiker, die andern haben Lawrence und Aronofski, die seit den Dreharbeiten ein Paar sind, bei den Filmfestspielen in Venedig mit einem Pfeifkonzert und Buhrufen bedacht.

Fazit: Fragen Sie vorm Besuch dieses Thrillers Ihren Arzt oder Apotheker. Oder lesen Sie zumindest Aronofskys "Gebrauchsanweisung". Nebenwirkungen und Fragezeichen in den Augen sind nämlich nicht ausgeschlossen - egal ob man fasziniert oder angewidert ist.

Wertung: 2 (für die Darsteller) von 10

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