Nach einem Regiewechsel wird der Kultfilm "
Saw" prompt fortgesetzt. Das geht natürlich nicht, ohne neue Informationen zu bieten und damit einiges der atmosphärische Dichte des geheimnisvollen ersten Teils entweichen zu lassen. Der Schauplatz für Jigsaws neues Spiel ist ausgedehnt auf ein ganzes Haus. Verpufft ist die Klaustrophobie, doch
Darren Lynn Bousman versucht, das Beste daraus zu machen.
Unglücklich ist aber schon die Tatsache, dass die neuen unfreiwilligen Spielteilnehmer nicht gerade Sympathieträger, sondern eifrig fluchende Ex-Knackis sind. Dadurch hält sich das Mitgefühl im Vergleich zum ersten Teil eher in Grenzen. Dies soll durch noch grausamere Todesfallen ausgeglichen werden, und hier verrät sich "Saw II": Was als Thriller mit blutigen Schock-Szenen begann, ist nun ein Fest für Gorehounds. Diese Fortsetzung fokussiert sich mehr auf Grausamkeit und Gewaltdarstellung als auf beklemmende Atmosphäre. Das erklärt auch, warum sich so mancher Teenie bei Teil 2 besser unterhalten fühlt. Mit dem Untertitel "There will be blood" Von Postern und DVD-Hüllen machen die Produzenten auch kein Geheimnis daraus.
Der zweite Handlungsstrang um Jigsaw und Detective Matthews (gespielt von Donnie Wahlberg, Marks großem Bruder) bringt Licht ins Dunkel. Hiermit beginnt die geheimnisvolle Saw-Welt entmystifiziert zu werden, doch die vielen guten Ideen lassen dies verkraften. Tobin Bell spielt Jigsaw; das Rätsel um den Täter ist längst preisgegeben. Dafür punktet Tobin Bell aber mit seiner wunderbar düsteren Ausstrahlung. Mit Jigsaw und dem harten Cop Matthews ist das Saw-Franchise um zwei interessante Figuren reicher. Erwähnenswert ist sonst eigentlich nur noch Beverley Mitchell, die mit ihrem Auftritt all jene überrascht, die sie als Unschuldslamm aus der Serie "Eine himmlische Familie" kennen.
Kaum zu glauben, doch "Saw II" wartet mit einem Finale auf, das dem des ersten Teils in Sachen Raffinesse gerecht wird. Die wilden Schnitte und stylishen Übergänge wirken hier zwar bemühter, doch den Zuschauer fesseln und völlig verblüffen kann auch dieser Teil 2. Bei der Ausdehnung des Schauplatzes tappen die Macher des Films zwar selbst in eine Falle, in dem die komplexe Story mit einigen unlogischen Begebenheiten und Handlungen versehen ist, aber das meiste davon lässt sich mit gutem Willen durch den völlig vernebelten Geist der vergifteten Opfer entschuldigen. Gewitzte Ideen gibt es genug in dem Drehbuch, das, zusammen mit Bousman, wieder Leigh Whannell verfasste.
"Saw II" ist also eine recht solide Fortsetzung, wenn sie auch in vielen Szenen zu einem blutigen Survival-Horror verkommt, wie es sie mittlerweile zu Genüge gibt.