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Kritik von Dirk Hoffmann zu 'The Night Of: Die Wahrheit einer Nacht'

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Partner von Entania
Kritik von Dirk Hoffmann
veröffentlicht am 18.03.2017
90%
Ein Remake ist eine Neuverfilmung eines bereits existierenden, meist mehrere Jahrzehnte älteren Films.
Als Schriftsteller und Drehbuchautor zu Filmen und Serien wie "The Wire", "Clockers", "Die Farbe des Geldes" und "Sein Name ist Mad Dog" zählt Richard Price fraglos zu den bekannteren Namen der Autorenzunft in Hollywood. Zusammen mit dem ebenfalls renommierten Produzenten, Regisseur und Drehbuchautor Steven Zaillian ("Gangs Of New York", "American Gangster") kreierte Price mit "The Night Of: Die Wahrheit einer Nacht" für HBO eine achtteilige Mini-Show, die das Sujet des klassischen Justiz-Thrillers und der Anwalt-Serie auf ein neues Niveau hebt.
Der pakistanische Student Nasir "Naz" Khan (Riz Ahmed) freut sich auf eine angesagte Party in Manhattan, doch seine Mitfahrgelegenheit versetzt ihn kurzfristig. Um die Party ja nicht zu verpassen, leiht er sich das Taxi seines Vaters und macht sich von Queens auf den Weg in Richtung Lower Eastside. Da er nicht weiß, wie die Beleuchtung des "On Duty"-Schildes auszuschalten geht, muss er immer wieder verständnislose bis aufgebrachte Fahrinteressenten abwiegeln, nur bei der attraktiven Andrea (Sofia Black-D'Elia) macht er schließlich eine Ausnahme. Nach einem Ausflug an den Fluss landen Nasir und Andrea in ihrer exquisiten Wohnung, nach ein paar Pillen und genügend Alkohol auch in ihrem Bett. Mitten in der Nacht wacht Nasir in der Küche auf, ohne Erinnerung an die letzten Stunden. Andrea findet er blutüberströmt in ihrem Bett vor. Voller Panik verlässt Naz das Haus und wird prompt als Hauptverdächtiger in dem Mord an dem wohlhabenden Mädchen verhaftet. Für den kurz vor der Pensionierung stehenden Detective Dennis Box (Bill Camp) ist die Indizienlage so klar, dass nach anderen Verdächtigen gar nicht gesucht wird. Einzig der heruntergekommene, von Fußekzemen geplagte Strafverteidiger Jack Stone (John Turturro) setzt alles daran, die Unschuld seines Klienten zu beweisen ...
Wenn im Vorspann der Name des 2013 verstorbenen Schauspielers James Gandolfini als ausführender Produzent auftaucht, wird die spannende Vorgeschichte von "The Night Of" bereits angedeutet. Denn der "Sopranos"-Star war eigentlich für die Rolle des Anwalts vorgesehen, verstarb aber während der Dreharbeiten zur Pilotfolge. Nachdem auch Robert De Niro als Ersatz abgesprungen war, stieß letztlich John Turturro ("Barton Fink", "Exodus: Götter und Könige") als perfekte Verkörperung des aufrechten, aber stets in den Niederungen der weniger prominenten Fälle agierenden Kämpfers für die Gerechtigkeit zum Projekt.
In aller Ruhe, die einem Achtteiler zur Verfügung steht, erzählt das Remake der britischen Krimiserie "Criminal Justice" die fatale Verkettung von Ereignissen, die den sympathischen Studenten mit den großen braunen, unschuldig wirkenden Augen ins Gefängnis auf Rikers Island katapultiert. Die Ereignisse der Tatnacht lassen sich nur noch anhand von Überwachungskameras rekonstruieren. Dabei gerät immerhin auch Andreas Stiefvater Don Taylor (Paul Sparks) zum Ende hin ins Visier des mittlerweile pensionierten, etwas reumütigen Detective. Doch mehr als die Ermittlungsarbeit thematisiert "The Night Of" die Grabenkämpfe zwischen den Anwaltsparteien hinter den Kulissen, die Anfeindungen der Öffentlichkeit gegen die pakistanischen Einwanderer, die schiere, ohnmächtige Verzweiflung von Nasirs Eltern, die sich eine teure Verteidigung für ihren Sohn einfach nicht leisten können, schließlich der brutale Alltag hinter den Gefängnismauern, wo nur die Stärksten überleben.
Zu diesem düsteren Szenario passt es sehr gut, dass die Mini-Serie überwiegend nachts spielt oder in der beklemmenden Atmosphäre von Gefängnis, Gerichtssaal und Polizeirevier angesiedelt ist. Die Drehbücher zu den einzelnen Folgen kreieren von Beginn an eine unbestimmte Spannung, die von authentischen Figuren ebenso getragen wird wie von den starken Dialogen, die weit über knackige Oneliner hinausgehen und eine tiefe Dichte in der Erzählstruktur erzeugen. Die gut aufgelegten Darsteller, der atmosphärische Score von Jeff Russo ("Fargo", "Legion") und die schnörkellose Inszenierung machen "The Night Of" zu einem erstklassigen Serien-Event.
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