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Kritik von Robert Tiesler zu 'Wunder'

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Kritik von Robert Tiesler
veröffentlicht am 30.01.2018
80%
Alle glotzen sie ihn an. Aber sie glotzen nur, sie trauen sich nicht, ihn anzusprechen. Stattdessen sprechen sie über ihn. Und anfassen darf man ihn auch nicht, sagen sie die anderen.
Ist aber alles Quatsch.
Der zehnjährige Auggie (Jacob Tremblay) sieht nur nicht ganz so aus wie anderen. Durch einen Gendefekt ist sein Gesicht entstellt. Ansonsten ist er ganz normal.
Aber dieses Gesicht sorgt eben dafür, dass alle, die Auggie begegnen, erst mal entsetzt sind. Kein Wunder, dass Auggie am liebsten mit einem Astronautenhelm herumrennt.
Jahrelang ist er von seiner Mutter (Julia Roberts) zu Hause unterrichtet worden. Nun aber, mit Beginn der 5. Klasse, soll er in eine richtige Schule. Ein großer Schritt. Für alle.

Das "Wunder" zeigt sich in dem gleichnamigen Film von Stephen Chbosky an vielen Stellen. Denn er erzählt nicht nur von diesem Jungen, der so stark sein muss, der sich überwinden muss, der so viel ertragen muss. Es geht auch um sein Umfeld. Um Mitschüler, für die sich ebenfalls viel ändert, in dem Moment, wo Auggie in ihr Leben tritt. Um seine Familie, um die Mutter, den Vater (Owen Wilson), um die Schwester (Elle McKinnon), die ja ebenfalls mit den vielen Umständen klarkommen müssen, die die Probleme mit Auggie mit sich bringen.
Wir sehen eine Familie, die viel Liebe ausstrahlt, die aber auch einen harten Weg gehen muss. Wir sehen eine kleine Gesellschaft, die sich verändert.
All das ist manchmal dick aufgetragen, aber das passt in diesem Fall sehr gut. Ein bisschen Rührseligkeit und Emotion muss bei einer solchen Geschichte sein. Sie ist nie wirklich übertrieben. Zumal der Humor durchaus vertreten ist.
Jacob Tremblay spielt den Jungen in seiner Zerrissenheit hervorragend, aber auch alle anderen tragen dazu bei, dass "Wunder" wirklich sehenswert ist.

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