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Kritik von Dirk Hoffmann zu 'Boston'

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Kritik von Dirk Hoffmann
veröffentlicht am 24.08.2017
80%
Der internationale Terrorismus hat seit 09/11 eine neue Dimension erreicht und setzt kontinuierlich tödliche Nadelstiche in Metropolen wie Berlin, Barcelona, London und Brüssel. Wie entschlossen, mutig und aufopferungsvoll sich Hilfs- und Ordnungskräfte, Bevölkerung und politische Führer gegen die Verbreitung der Angst entgegenstellen, versucht Peter Berg ("Operation: Kingdom", "Lone Survivor") überzeugend in seinem Thriller-Drama "Boston" einzufangen, das die Ereignisse des Anschlags beim Boston-Marathon am 15. April 2013 anhand des Berichts des Bostoner Polizeichefs Ed Davis thematisiert.
Am letzten Tag seiner befristeten Zwangsdegradierung muss Sergeant Tommy Saunders (Mark Wahlberg) mit seinen Kollegen den Zielbereich beim Boston Marathon sichern. Plötzlich gehen innerhalb weniger Sekunden zwei Sprengsätze hoch, die drei Menschen in den Tod reißen und über 260 weitere teilweise schwer verletzen. Saunders lässt geistesgegenwärtig die umliegenden Straßen für die Krankentransporte freiräumen und die Verletzten versorgen. Polizeichef Ed Davis (John Goodman) bleibt kaum Zeit, weitere Schritte einzuleiten, da FBI-Special Agent Richard DesLauriers (Kevin Bacon) am Tatort sofort den terroristischen Charakter der Bombenexplosionen erkennt und die Suche nach den Tätern aus einer provisorisch eingerichteten Lagerhalle koordiniert. Nach Sichtung unzähliger Überwachungskameras und Handy-Daten werden zwei junge Männer mit Baseball-Caps als Verdächtige identifiziert, doch DesLauriers sträubt sich, die Bilder freizugeben, solange er nicht nähere Informationen besitzt. Dagegen wollen die städtischen Polizeiführungskräfte so schnell wie möglich die Bilder veröffentlichen, um durch die Mithilfe der Bevölkerung die Jagd auf die Attentäter eröffnen zu können. Als die beiden in der früheren Sowjetrepublik Kirgistan geborenen Brüder Tamerlan (Themo Melikidze) und Dschochar Zarnajew (Alex Wolff) von der Fahndung nach ihnen erfahren, kidnappen sie den jungen Manny (Jimmy O. Yang) und seinen Mercedes-SUV und liefern den Polizisten auf ihrer Flucht ein hartes Gefecht.
Normalerweise werden in jedwedem Cop-Thriller gern die Kompetenzrangeleien zwischen FBI und städtischen Polizeibehörden thematisiert. Peter Berg zeigt in seinem Film "Boston", dass es im Kampf gegen den Terrorismus auch anders geht. Obwohl FBI-Special Agent Richard DesLauriers und Bostons Polizeichef Ed Davis nicht immer einer Meinung sind, tun sie gemeinsam doch alles dafür, um die feigen Attentäter aufzuspüren und aus dem Verkehr zu ziehen, denn es könnten ja noch weitere Bomben existieren. Zu Beginn des Films lernt der Zuschauer nicht nur Sergeant Tommy Saunders kennen, der seinen Unmut über die mit seiner Degradierung verbundenen Tätigkeiten kundtut und wegen seines lädierten Knies ständig Schmerztabletten einwerfen muss, sondern auch seine Frau, die Krankenschwester Carol (Michelle Monaghan), das junge Pärchen Jessica (Rachel Brosnahan) und Patrick (Christopher O'Shea) sowie den chinesischen App-Programmierer Manny, ohne allzu viel Persönliches über sie zu erfahren. Allerdings werden ihre Schicksale während der traumatischen Ereignisse und ihre Begegnungen mit Saunders immer wieder eingeblendet. Auch die Attentäter bleiben nicht anonym, sondern ihre Vorbereitungen, das studentische Umfeld und die Familienverhältnisse skizziert, doch werden ihre Motivationen nicht weiter thematisiert. Während die oft sehr prominent besetzten Figuren kaum charakterisiert werden, ist die filmische Inszenierung des Attentats und seiner Aufklärung absolut packend ausgefallen. Der häufige Einsatz der - glücklicherweise nicht allzu hektischen - Handkamera sorgt für elektrisierend pulsierende Bilder und atemlose Spannung. Wie das FBI mit enormem technischen und personellen Aufwand in Zusammenarbeit mit der städtischen Polizei die Suche nach den Terroristen organisiert, wirkt sehr lebendig und authentisch. Vor allem bei der finalen Konfrontation zwischen den furchtlosen Attentätern und den ebenso unerschrockenen Polizisten wird eindrucksvoll die Botschaft transportiert, dass sich die Bostoner (stellvertretend für alle vom Terror betroffenen Menschen in den Metropolen der zivilisierten Welt) nicht unterkriegen lassen und ihre demokratischen Werte gegen alles und jeden verteidigen. Die prominenten Darsteller und ihre oft nur sporadischen Rollen dienen letztlich nur der Übermittlung dieser gewichtigen Botschaft. Einzig Mark Wahlberg, der nach "Lone Survivor" und "Deepwater Horizon" bereits zum dritten Mal mit Peter Berg zusammengearbeitet hat, vermag seiner kernigen Rolle Profil zu verleihen. Und schließlich sorgt der bedrückend-düstere Electro-Score von Trent Reznor und Atticus Ross ("The Social Network", "Gone Girl") für die adäquate musikalische Untermalung.
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