foyer - hier geht's zur startseite... die aktuellen kinocharts für Deutschland und USA aktuelle Meldungen aus der Kinowelt die aktuellen Kino-Starttermine fü Deutschland kinoprogramm unsere aktuellen kritiken heimkino - aktuelle DVD-Termine directory - Stöbere in unserer Datenbank background - Informationen rund um zelluloid.de
zelluloid

Kritik von Mathias Broxtermann zu 'Arrival'

WERBUNG
Partner von Entania
Kritik von Mathias Broxtermann
veröffentlicht am 17.06.2017
100%
Denis Villeneuve ist einer der talentiertesten Regisseure, welche die "jüngere" Generation an Regisseuren zu bieten hat. Und als wären Prisoners und Sicario nicht schon mehr als Beweis dafür untermauert er diesen Titel jetzt mit "Arrival", einem der besten Science Fiction Filmen der Gegenwart. Und abgesehen davon, dass er extrem smart konstruiert ist, hat er einen starken emotionalen Anker, der mir bei anderen Science Fiction Größen teilweise fehlte. Man könnte es zynisch als manipulativ abtuen, aber der emotionale Aspekt ist ein fester Teil der hier erzählten Handlung.

Hier ist die Handlung "in a nutshell": Zwölf Raumschiffe, offenbar außerirdischen Ursprungs, erscheinen gleichzeitig an scheinbar zufälligen Orten auf der Erde. Die jeweils verantwortlichen Regierungen versuchen Kontakt aufzunehmen, was zu der Rekrutierung von Dr. Louise Banks (eine erstklassige Amy Adams) führt, um den Kontakt zu den Außerirdischen aufzunehmen und eine Kommunikation überhaupt möglich zu machen. Die Sprachwissenschaftlerin wird dabei von einem naturwissenschaftlichen Konterpart in Gestallt von Ian Donnelly (Jeremy Renner, auch stark) begleitet. Das Problem ist, dass die Sprache der Besucher nicht nur scheinbar undechiffrierbar ist, sondern dass Misstrauen sowohl diesen gegenüber als auch der Nationen gegeneinander wächst. Jede fehlinterpretierte Nachricht könnte zur Eskalation oder zum Abbruch der Kommunikation mit einer der Nationen führen, und die Paranoia wachsen mit jeder unbeantworteten Frage.

Ich habe diesen Film gefeiert, er ist das exakte Gegenstück zu Blockbustern vom Kaliber eines "Independence Day". Er ist intelligent, er bewegt zum Nachdenken, er hat sympathische, gut charakterisierte Hauptrollen und er schafft es, eine unheimliche Spannung und Unruhe zu erschaffen, ohne das (zu viele) Schüsse fallen. Amy Adams verbringt tatsächlich einen großen Teil ihrer Zeit damit, mit den Besuchern zu kommunizieren oder sich mit Jeremy Renner Gedanken über die Fallen in ihren Übersetzungen zu machen. Diese Szenen sind einige der besten des Filmes, sie lassen einen tatsächlich darüber nachdenken, wie Sprachen überhaupt funktionieren und welche Fallen in Übersetzungen lauern. Den übrigen Teil verbringt sie entweder damit, die Stimme der Vernunft gegen die wachsenden Paranoia zu sein, oder befindet sich in verschiedenen teilweise traumatischen "Erinnerungen". Hört sich vielleicht verwirrend an, und der Schnitt ist auch anfangs (bewusst) verwirrend, aber die Erklärung kommt, und sie lässt einen schockiert und perplex sitzen.
Es gibt viele Aspekte an diesem Film, die man bejubeln kann. Da ist zum einen die befremdliche, amorphe Gestalt der Raumschiffe. Villeneuve lässt in einer der ersten Szenen die Kamera genüsslich über die Landungsstelle sowie das Armeelager gleiten, und die Weise in der die Schiffe senkrecht in der Luft stehen, hat etwas spürbar unwirkliches. Die Schauspieler sind erstklassig, auch Nebenrollen sind mit Forest Whitaker und Michael Stuhlbarg überzeugend besetzt. Das emotionale Zentrum bildet jedoch Amy Adams mit ihrer tragischen Hintergrundgeschichte, wie ich mal wage zu sagen, die zu Recht für einen BAFTA-Award nominiert war (die Academy Awards haben wohl mal wieder gepennt). Die Effekte sind gut, das geringe Budget von 47 Mio. war eine echte Überraschung für mich. Die Schnitte sind gut gewählt, und die Sprünge in Adams "Erinnerungen" lassen den Zuschauer in einem Zustand von Unruhe und Verwunderung zurück, diesmal allerdings im besten möglichen Sinne. Ton und Musik sind minimalistisch, untermalen das Geschehen aber extrem effektiv.

All das wäre umsonst ohne ein gescheites Drehbuch, aber zum Glück ist der Film mit einer gelungenen Adaption durch Eric Heisserer gesegnet, der bislang wenig vorzuweisen hatte ("The Thing" 2011), jetzt aber wohl auf dem Radar einiger Studios sein wird. Heisserer schafft es, gekonnt jede Erkenntnis und jedes Rätsel zu vermitteln, ohne das die Charaktere in lächerliche Dialoge abdriften müssen um die Handlung zu erklären. Die Atmosphäre verdichtet sich mit jeder Szene, bis das Scheitern und die Angst spürbar werden. Die Perfektion erreicht er allerdings mit dem Ende, dass komplett aus dem Nichts kommt und das einen regelrecht emotional erschöpft zurück lässt.

Also, wer alle zehn Minuten eine Explosion benötigt um nicht einzuschlafen und über ein schwaches Kurzzeitgedächtnis verfügt mache bitte einen Schritt zurück. Freunde intelligenter Science Fiction, die auch einen emotionalen Kick willkommen heißen, treten bitte vor. Wortwörtlich ganz großes Kino.

War diese Kritik hilfreich?
4 von 5 Besuchern fanden diese Kritik hilfreich.
 
zelluloid - Navigationselement
WERBUNG
Kurz-Link zu dieser Seite: http://zel.lu/k8FL
foyer | charts | filmnews | kinostarts | kinoprogramm
kritiken | heimkino | directory | background
 
zelluloid.de • ©1998-2017 Denis Hoffmann & Alexander Jachmann
 
SitemapImpressuminfo@zelluloid.de
Hinweise zum DatenschutzNutzungsbedingungen