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Kritik von Robert Tiesler zu 'Sieben Minuten nach Mitternacht'

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Kritik von Robert Tiesler
veröffentlicht am 10.05.2017
100%
Ein Trailer ist ein aus einigen Filmszenen zusammengesetzter Clip zum Bewerben eines Kino- oder Fernsehfilms, eines Computerspiels oder einer anderen Veröffentlichung. Der Zweck eines Trailers ist es, dem Publikum einen Vorgeschmack auf das beworbene Produkt zu geben und natürlich Werbung für dieses zu machen.
0.07 Uhr, und Conor (Lewis MacDougall) ist wach. Aber ist er wirklich wach oder träumt er nur. Vor ihm taucht plötzlich ein großes Monster auf. Ein Monster, das aussieht wie ein sich bewegender Baum. Es kündigt ihm an, ihm drei Geschichten erzählen zu wollen. Eine Vierte aber, die soll ihm dann Conor erzählen, wenn es denn so weit ist.
Traum oder Wirklichkeit?
Conor hat zunächst nicht viel Zeit darüber nachzudenken, er hat genug Probleme. Seine Mutter (Felicity Jones) ist schwer krank, und zu seiner Oma (Sigouney Weaver) will Conor nicht. Sein Vater (Toby Kebbell) wohnt, nach der Trennung von seiner Frau, in den USA - aber Conor will seine Mutter nicht allein lassen.
In der Schule läuft es auch mäßig. Conor wird dort von einer Gruppe Mitschülern regelmäßig verprügelt.
Nachts aber, da kommt das Monster. Conor ist verärgert über die, aus seiner Sicht, unsinnigen Geschichten, die er erzählt bekommt. Und dennoch: Langsam kommt er seiner eigenen Wahrheit entgegen.

"Sieben Minuten nach Mitternacht" - das ist in dem Film von Juan Antonio Bayona die Uhrzeit, die Conors Leben prägt. Ein Junge, der immer mehr verzweifelt. Zunächst noch leise, aber das wird sich ändern.
Der Trailer wirkte ein wenig wie eine Science-Fiction-Weltuntergangsgeschichte. Doch diese Vorschau täuschte ganz gewaltig, denn in Wirklichkeit dreht sich dieser Film um bittere Lebenserfahrungen und -weisheiten.
Denn das Monster bringt dem Jungen bei, dass es keine einfachen Wahrheiten gibt, dass Geschichten immer zwei Seiten haben, dass es nicht immer einfach ist, einen Schuldigen zu finden, dass kein Mensch nur gut ist, dass jeder seine dunklen Seiten hat und man abwägen muss, was gerade wichtig und bedenkenswert ist.
"Sieben Minuten nach Mitternacht" ist ein tieftrauriger Film - und das, ohne kitschig zu sein. Wenn erst mal klar ist, worum es geht, dann wissen wir: Das ist das Leben, das pure Leben, das Schicksal, das uns alle mal erreichen wird. Es geht um Liebe, um tiefen Schmerz, vor allem um das Loslassen.
Und das mit tollen Darstellern, poetischen Bildern und sparsamen, aber wirkungsvollen Effekten.
Nicht nur Conor muss sich in dieser sehr klugen und tiefgründigen Geschichte mit einer Wahrheit befassen - auch der Zuschauer wird sich damit beschäftigen. Und auch das sorgt für ein grenzenloses, überwältigendes Mitgefühl.

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