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Kritik von Hans-Dieter Müller zu 'Watchmen - Die Wächter'

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Partner von Entania
Kritik von Hans-Dieter Müller
veröffentlicht am 10.03.2009
85%
Nach DC-Comicverfilmungen wie "Batman" und "Superman" treten jetzt etwas ungewohntere, aber deshalb nicht gewöhnlichere Helden auf: die "Watchman". Regisseur Zack Snyder (u.a. "300") übernahm die Verfilmung des überaus populäre Comics von 1986.
Die Handlung des Films im Amerika der 80er-Jahre angesiedelt. Die gesellschaftliche Lage spiegelt recht zugespitzt Elend und sozialen Verfall wieder. In einer markanten Nebenrolle tritt Richard Nixon (gespielt von Robert Wisden - u.a. bekannt aus "Stargate", "Battlestar Galactica" und "Smallville") seine dritte Amtszeit an. Über diese etabliert scheinende liberale Regierung geht der Zeitgeist im Film jedoch hinaus. So wurden Superhelden verboten, wodurch für die meisten von ihnen ein rein ziviles Leben begonnen hat. Das hat Auswirkung auf die gesellschaftlichen Zustände in der Geschichte. Ohne Aufsicht und Schutz, in einer Welt, in der die Existenz von Menschen mit ungeheuren Kräften und Fähigkeiten gegenwärtig ist, scheint das Einhalten von Gesetzen an eben die Existenz von Helden gebunden zu sein.

Da wundert es nicht, dass es zu einem Mord an einem Altgedienten kommt. The Comedien (Jeffrey Dean Morgan - u.a. "Grey's Anatomy"), bekannt für seine kaltblütige und erbarmungslose Jagd auf Verbrecher, und danach als Soldat auf Vietcongs, wird zu Anfang des Films umgebracht. Rorschach, ein immer noch aktiver Kämpfer für die Gerechtigkeit, jedoch psychisch krank, erfährt von dem Tod, und erkennt das dies ein Rachefeldzug gegen die ausgebrannten Superhelden sein könnte. Er informiert deshalb den Rest seiner ehemaligen Kollegen: Nite Owl II (Patrick Wilson), Silk Spectre II (Malin Akerman), Dr. Manhattan (Billy Crudup - u.a. "Almost Famous") und Ozymandias (Matthew Goode). Alle mehr oder minder erfolgreich im Leben stehend.
Zwar fernab davon, die alte Gruppe wieder auf Vordermann zu bringen, gelingt es Rorschach auch vor dem Hintergrund des atomaren Wettrüstens auf der Welt, die ehemaligen Superhelden wieder aktiv werden zu lassen.

Interpretatorisch lässt "Watchman" erst über die Handlungsstränge hinaus die Wirkungskraft seiner Geschichte erfassen. Verborgen im Schatten eines nicht zu aufdringlichen aber doch action- und spannungsgeladenen Films werden sowohl menschliche Bestrebungen nach Macht und Sicherheit als auch deren facettenreiche Darstellung anhand ideologischer Charaktere und Handlungsweisen gezeichnet.
So ist ein Nixon, der den Kampf gegen das Böse in der Gesellschaft nicht mehr hinter einer Maske versteckt wissen wollte, und seine Atombomben bereitwillig für diese nun verkommende Gesellschaft einsetzen will, ebenso ein nicht zu unterschätzendes Extrem wie der Vorsitzende eines Energiekonzerns der "gratis" für ein Synonym von "sozialistisch" hält, und damit gegen die Einführung von erneuerbaren Energiequellen argumentiert. Der schier allmächtige Dr. Manhattan passt ebenfalls in diese Reihe, da er die drohende Vernichtung des menschlichen Lebens im Kontext des universalen Seins, nur als minderwertig bedeutend erachtet.
Das zeigt übergeordnet den Reichtum an Scharfsinn und Hingabe für Fortschritt den die originalen Erschaffer der Watchman Alan Moore und Dave Gibbons verinnerlicht hatten. Dieser Philosophie wird man aber im Film nur auf den zweiten Gedanken bewusst, so dass Snyder zusammen mit den Autoren des Films David Hayter (u.a. "X-Men") und Alex Tse von der Dramatik des Realitätsbezuges und der Wellenlänge der Vorlage kaum abgewichen sind. Eher haben sie darum herum mit großem Budget einen Film gedreht, der leider nicht nur einmal Sex und Gewalt auf Kosten der sonst eben tiefgründigeren Handlung gehen lässt.

Um die Aussagen aber auch alle in den Film mit unter zu bringen, sind es leider die Charaktere welche zu kurz kommen. Obwohl jeder Hauptfigur durch ihren Handlungsverlauf, und die Rückblicke in ihre Vergangenheit genug Entwicklungsraum zugemessen wird, sind es allein Rorschach und Dr. Manhattan die ein ausgeprägtes Charakterprofil erkennen lassen. Abweichend vom Comic, und ohne Absicht fixiert sich der Film hier als treibende Kraft auf diese Beiden, und lässt zum Beispiel die Romanze zwischen Nite Owl II und Silk Spectre II kaum etwas zu der Bedeutung der Geschichte beitragen.

Aufgrund des Menschenbildes, des erreichten Friedens und der Harmonie auf der Welt, für die "Watchman" steht, ist es ein unvergleichliches, absolut sehenswertes Filmwerk. Es ist aber Trauer oder Glück nur, das alles immer kassenwirksam umgesetzt werden muss.

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