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Kritik von Christopher Klaus zu 'Public Enemies'

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Partner von Fantastic Zero
Kritik von Christopher Klaus
veröffentlicht am 20.08.2009
20%
In den 90er Jahren etablierte sich Michael Mann mit den zwei großartigen Filmen "Heat" und "The Insider" endgültig als Regisseur in Hollywood. Sein Name stand für spannungsgeladene Thriller mit einer großen Portion handfester Action. Mann wurde als Wunderkind gefeiert - ein Status, den sich der Regisseur verdiente, jedoch seit der Jahrtausendwende Film für Film stetig verspielt. Denn Manns Kino ist gewöhnlich geworden, trägt zwar noch die Handschrift des Regisseurs, doch setzt leider immer weniger auf Inhalte, sondern hauptsächlich auf eine perfekt durchgestylte Visualisierung. Umso erfreulicher war die Nachricht, dass Mann sich mit seinem nächsten Projekt der Geschichte des berüchtigten Bankräubers und US-amerikanischen Staatsfeindes Nummer 1, John Dillinger widmet. Eine Geschichte, die durch die Konfrontation zweier starker Männer, die sich gegenseitig bekämpfen doch gleichzeitig brauchen, wie gemacht ist für den Regisseur, den genau dieses Motiv groß gemacht hat. Ob Lieutnant Vincent Hanna (Al Pacino) gegen den Gangster Neil McCauley (Robert De Niro), ob Lowell Bergman (Al Pacino) gegen Jeffrey Wigand (Russell Crowe), stets war dessen Kino geprägt von den Gegensätzen zweier Männer, die trotz aller Unterschiede letztendlich gleich waren. John Dillinger (Johnny Depp) gegen den Kriminalbeamten Melvin Purvis (Christian Bale). Dass Potential wäre vorhanden gewesen, aus dieser Grundkonstellation mit den nötigen Mitteln einen Film zu schaffen, der an Manns große Erfolge anknüpfen kann. Doch Mann setzt traurigerweise seinen Abstieg fort und präsentiert mit "Public Enemies" den (vorläufigen) Tiefpunkt seiner Karriere, der so bedeutend ist für das Kinojahr 2009. Es zählt nicht der Inhalt, der Tiefgang, die Entwicklung der Figuren. Dass, was einzig und allein zählt, sind audiovisuelle Schauwerte, Schießereien und Materialschlachten. Doch dies bekommt einer Gangsterstory, die angesiedelt ist in den 30er Jahren, alles andere als gut. Dies bricht ihr das Genick im Ansatz, zerstört jegliche Atmosphäre und jegliche Spannung. Doch Mann setzt dem sogar noch einen drauf, denn das Drehbuch strotzt von der ersten Seite an vor dümmlichen Dialogen, spannungsleeren Handlungssträngen und verkorksten Nebenplots.

Nicht einmal im Ansatz versuchen er und seine Drehbuchautoren Ronan Bennett ("Face") und Ann Biderman ("Fräulein Smillas Gespür Für Schnee"), Manns filmischen Drang nach einer epischen Erzählung zu befriedigen. Zu oberflächlich bleibt die Geschichte, die deutlich angelehnt ist an die von "Heat", doch niemals dessen Intensität zu erreichen vermag. Ein Spannungsbogen existiert de facto überhaupt gar nicht, denn "Public Enemies" ist ein steter Wechsel zwischen typischen Mann'schen shoot outs und filmischem Füllmaterial, welches zwischen Bedeutungslosigkeit und Kitsch, Langeweile und fehlender Tiefe pendelt. Public Enemies hat eine Laufzeit von knapp 140 Minuten, welche sich auf Grund der Tatsachen aber mindestens doppelt so lang anfühlt. Nicht einmal in den Dialogen funkt ein wenig Brillanz auf. Dialoge, die entweder aufgesetzt wirken und schlicht und einfach peinlich sind. Mann hat anscheinend nichts zu erzählen, obwohl die Geschichte um John Dillinger sicherlich eine der berühmtesten Kriminalfälle der USA ist. Dass letztlich der zumindest auf dem Papier großartige Cast dem nichts mehr hinzuzufügen hat, ist besonders schade, zeugt aber auch von Manns inszenatorischen Fähigkeiten, die sich irgendwo zwischen HD-Cam und Ausstattungsfetisch in Luft aufgelöst zu haben scheinen. Johnny Depp, Garant für Rollen mit Ecken und Kanten, scheint nie warm zu werden als John Dillinger. Zwar schafft er es auf Grund seiner Erfahrung und vor allem seines Talents, der Figur ein klein wenig den Stempel aufzudrücken, doch das Drehbuch - vor allem die eindimensionale Figurenskizzierung - gibt nicht mehr her. Wo Depp aber wenigstens noch den Versuch unternimmt, seine Rolle zu interpretieren, ist Christian Bale mit all seiner Kraft an der Spitze seines Unvermögens angelangt. Nach dem Terminator-Fiasko, in dem Bale wohl einen der peinlichsten Auftritte dieser Dekade abgeliefert hat, setzt er mit seinem Auftritt in "Public Enemies" noch einen drauf. Egal welche Gefühlsregung, egal in welcher Szene, Bale beherrscht nur einen Gesichtsausdruck, der selbst Sylvester Stallones Mimik wie die eines Nicholson oder eines De Niro aussehen lassen. Auch Marion Cotillard verkommt zum Spielball Mann'scher Ästhetik und schafft es in keiner Sekunde, auch nur einen Ansatz von Interpretation der Rolle abzuliefern.

"Public Enemies" reiht sich somit ein in die Riege der großen Enttäuschungen des Kinojahres, in denen Stars und Budgets unnötig für noch unnötigere Projekte verheizt wurden. Dass aber Michael Mann nach mehreren noch befriedigenden Filmen so tief abrutscht, hätte sicherlich niemand gedacht. Dem minimalistischen Drehbuch kann aber auch seine Regie nichts mehr entgegensetzen, zu unausgegoren wirkt das ganze, zu sehr auf optische Schauwerte aus. Selbst die shoot outs, immerhin ein Markenzeichen des Regisseurs, sind in "Public Enemies" nicht mehr als nett anzusehen. Zu gewöhnlich ist die Action, um den geneigten Fan vom Hocker zu hauen. Zu prätentiös die Inszenierung, die vollgestopft und durch die wackelige HD-Cam emitionsarm und frei von jeglicher Atmosphäre wirkt. Zu krude die Handlungsstränge, zu peinlich die zum Teil armseligen schauspielerischen Leistungen. Nein, dass war nichts. Man darf gespannt sein, ob und wie Mann sich von diesem Film erholen wird.

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