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Kritik von Alexander Kiensch zu 'Public Enemies'

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Kritik von Alexander Kiensch
veröffentlicht am 13.11.2015
60%
Die Geschichte des amerikanischen Gangsterkinos ist so alt wie das Gangstertum selbst. Einer der berühmtesten Verbrecher der USA ist John Dillinger, der mit seiner Bande in den 30er-Jahren zahlreiche Banken ausraubte und auch vor Mord nicht zurückschreckte. Ähnlich wie andere US-Legenden, etwa Billy the Kid oder Al Capone, wurde auch Dillinger bereits in zahlreichen Filmen porträtiert. Diese Version von Michael Mann konzentriert sich auf seine letzten Monate und zeigt ihn als ebenso brutalen wie verzweifelt sehnsuchtsvollen Mann, der sich aus den Klauen der Depression nur mit konsequenter Gewalt zu lösen vermag.

Verkörpert wird der schon zu Lebzeiten berühmte Verbrecher von Johnny Depp, der ihm eine gehörige Portion Charisma und Melancholie verleiht. Mit schier grenzenlosem Selbstbewusstsein wandert er durch das Leben, nimmt sich einfach, was er will - einschließlich seiner von Marion Cotillard gespielten großen Liebe - und begreift seine Verbrechen vor allem als Zweck zur Selbstbefreiung. Depp verleiht Dillinger Träume, Hoffnungen und Ängste, stilisiert ihn weder zum gewissenlosen Killer noch zum verklärten Helden, sondern einfach zum Menschen - einem Menschen, dessen größtes Talent nun einmal im Bankraub besteht: "Wie lange brauchen Sie für eine Bank?" - "Eine Minute vierzig Sekunden. Nüchtern."

Diese darstellerische Intensität geht seinem Gegenspieler leider etwas ab. Der sonst so große Christian Bale als knüppelharter FBI-Agent gibt seinen Part zwar ebenfalls als knurrigen Hund, der vor brutaler Vorgehensweise nicht zurückschreckt, allerdings begnügt er sich den gesamten Film über mit einem Gesichtsausdruck. In Verbindung mit dem völligen Fehlen von Informationen über sein Privatleben macht ihn das zu einer recht oberflächlichen Figur. Überhaupt bleiben einige Nebenfiguren recht blass oder eindimensional: J. Edgar Hoover, Gründer und erster Leiter des FBI, etwa wird in seinen kurzen Szenen allzu heldenhaft inszeniert. Zeitnah gedrehte Filme wie "J. Edgar" zeichnen da schon ein differenzierteres Bild dieses widersprüchlichen Mannes.

Auch die inhaltliche Inszenierung holpert immer wieder. Manche Szenen wirken etwas konfus, wie einfach aneinander gereihte Episoden, deren innerer Zusammenhang nur schwach zu erkennen ist. Mitunter werden Handlungen und Storyentwicklungen angedeutet, die dann einfach bedeutungslos versanden. Auch hätte man aus dem Duell der beiden harten Hunde und ihren jeweiligen Charakteren viel mehr machen können. Und gegen Ende dehnt sich die Story sehr in die Länge, was der Spannung erheblichen Schaden zufügt.

Optisch und formal macht "Public Enemies" aber das her, was man von einem Hollywood-Film der obersten Liga erwarten darf: Umfangreiche, sehr überzeugende Settings und Kostüme lassen die USA der 30er-Jahre wieder auferstehen und punktuell eingesetzte, krachende Schießereien lassen die Spannung die meiste Zeit ebenso brodeln wie das unerbittliche Duell und Intrigenschmieden der beiden Hauptgegner. Dank der auch in Nebenrollen namhaften Besetzung fiebert man trotz teils schwacher Charakterzeichnung mit den Agierenden mit.

Als Hommage ans klassische US-Gangsterkino funktioniert "Public Enemies" gut. Er ist spannend und unterhaltsam und bietet mit Johnny Depp eine sehr charismatische Hauptfigur. Wenn er inhaltlich noch mehr Fülle und Stringenz gehabt hätte, dann hätte er ein richtig guter Film werden können.

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