Fast zwei Dekaden lang hat es gedauert, bis vor allem die große Fangemeinde, um den weltberühmten, Peitschen schwingenden, schlagkräftigen Archäologen und Teilzeit-Professor, endlich wieder neue Abenteuer zu Gesicht bekommen durfte. Seine Taten sind legendär und sein Name steht seit jeher für das Abenteuer an sich: Indiana Jones (
Harrison Ford, "
Air Force One", "
Sechs Tage Sieben Nächte").
Die Frage die sich wohl die Meisten gestellt haben, spätestens seit Bekanntgabe des Starttermins, ob sich das Warten wirklich gelohnt hat.
Es ist das Jahr 1957, der Zweite Weltkrieg ist lange vorbei. Es ist die Zeit des Kalten Kriegs, und was könnte nun besser zum großen Feindbild passen, als die "Rote Gefahr", die Sowjetunion. Dementsprechend fällt auch der erste Leinwandauftritt von Professor Jones aus. Es beginnt in Nevada an einem abgelegenen Örtchen mit dem friedvollen Namen "Atomic Cafe", welcher natürlich nur als Staffage für ein großes und geheimes Militärdepot dient. Eine Gruppe russischer Soldaten überfällt das Lager und zieht einen recht mitgenommen Indy, zwar nicht aus dem Hut aber immerhin aus dem Kofferraum eines Wagens. Er soll die Truppe unter der Führung von Agentin Irina Spalko (Cate Blanchett, "Der Herr der Ringe") zu einem Artefakt der besonderen Art führen. Wer jetzt an "Jäger des verlorenen Schatzes" denkt, wird zwar nicht gänzlich enttäuscht, aber es handelt sich hierbei um etwas gänzlich anderes.
Und da beginnt auch schon das Dilemma des Films. Spätestens wenn die gesuchte Kiste geöffnet wird, ist die Spannung einer Überlegung, worum es eigentlich geht bzw. wer oder was sich hinter dem Geheimnis des kristallenen Schädels verbirgt, bereits schon verpufft. Man muss kein Genie oder Professor sein, um dieses Rätsel bereits vor dem großen Finale lösen zu können.
Ein paar Minuten danach auf der Flucht vor den Russen und einen Atompilz später befindet sich Jones wieder am Marshall College und bekommt die Auswirkungen seiner ungewollten Exkursion mit den Russen zu spüren. Hier beginnt die eigentliche Reise und Jones trifft zum ersten Mal auf den jungen Hitzkopf Mutt Williams (Shia LaBeouf, "Transformers", "Disturbia"), dessen Coolness und draufgängerische Art einem James Dean recht nahe kommen. Mutt erläutert Dr. Jones, dass beide einen gemeinsamen Freund haben, woraufhin sich beide für eine Unterhaltung in eine Milchbar setzen. Bei dem Freund handelt es sich um Prof. Oxley (John Hurt, "Hellboy") und kurz nachdem Mutt offenbart hat, dass Oxley seit geraumer Zeit vermisst wird, werden sie auch noch rüde von zwei russischen Kleiderschränken unterbrochen und es beginnt eine Jagd mit vielen Zwischenstationen.
Womit auch schon die nächste große Schwäche des Films genannt wäre: Archäologische Rätsel. Es gibt hier einfach keine. In "Jäger des verloren Schatzes" gibt es z.B. die heute immer noch beeindruckende Szene, in der Indy als Arbeiter verkleidet in einem unterirdischen Gewölbe, mit Hilfe eines Stabes, versucht den Ort der verschollenen Bundeslade zu ermitteln. Im zweiten Teil leider vernachlässigt, gibt es dafür in "Der letzte Kreuzzug", als Beispiel die drei Prüfungen um an den heiligen Gral zu gelangen. Im jetzigen Film gibt es leider kein einziges Aha-Erlebnis, was angesichts der bisherigen Ideen in der Trilogie recht enttäuschend ist. Ähnlich wie in den "Tomb Raider" Filmen springt man von Ort zu Ort und erledigt irgendwelche Aufgaben. Dies geht so banal von statten, dass der Zuschauer gar nicht wirklich ins Geschehen mit eingebunden wird und somit fast teilnahmslos das Geschehen verfolgt.
Ebenso wenig Tiefgang haben teilweise einige Charaktere oder ihr Zusammenspiel. Indy und sein Sidekick Mutt sind da noch am lebhaftesten. Gerade Anfangs reißen die beiden fast ständig ihre Possen und faszinieren mit Witz und Action. Aber das Niveau hält sich nur Anfangs. Später wirkt es alles eher träge und matt. Die Agentin Spalko wirkt nicht eiskalt, sondern eher wie eine Marionette, mit einem Holzstiel im Allerwertesten, und sogar die aus "Jäger des verlorenen Schatzes" bekannte, temperamentvolle und trinkfeste Marion Ravenwood (Karen Allen) wirkt recht farblos und ohne die damaligen Nuancen, für die man sie einfach gern haben musste.
Gut getan hätte dem Film sicherlich der Auftritt von ein paar alten Bekannten aus dem dritten Teil "Der letzte Kreuzzug". Als da wären Indys Vater Henry Jones (Sean Connery) oder der wortgewandte Sallah (John Rhys-Davies, "Der Herr der Ringe"). Alleine schon die Vorstellung welche Generationen übergreifenden Diskussionen zwischen Indy, Henry und Mutt hätten entstehen können, lässt nur erahnen, wie gut man hätte die Längen überbrücken können.
In den ersten 30 Minuten weiß der Film noch richtig gut zu überzeugen und es geht Schlag auf Schlag. Spannung, Action, Charisma und vor allem Witz geben sich ein Stelldichein. Was danach zuerst als Erholungspause für den Zuschauer dienen soll, wird dann allerdings zur endlosen Warterei auf gute Szenen und vor allem Storyline. Einzig eine Verfolgungsjagd im Dschungel ist teilweise unterhaltsam, obgleich es beim zweiten Mal schauen, schon zum so genannten "Matrix-Effekt" kommen könnte. Hierbei handelt es sich (pseudo-wissenschaftlich formuliert) um den kontraproduktiven Einsatz von zu vielen Spezialeffekten und Actioneinlagen, die beim Zuschauer zu visueller Erschöpfung, wenn nicht sogar zu absolutem Desinteresse für die aktuellen Szene führen.
Natürlich gibt es immer mal wieder kleinere Gags oder Insider, die durchs Bild huschen, aber dennoch bedarf es schon fast einer Stunde Geduld, bis es zumindest nicht nur unterhaltsam weitergeht, sondern auch das Indy-Feeling wieder aufkommt. Wenn allerdings das große Finale anbricht, wird wieder alles über den Haufen geworfen und es kommt zur endgültigen Effekthascherei.
Für die Spezialeffekte und Animationen ist auch diesmal wieder Industrial Light & Magic verantwortlich. Deren Fähigkeiten werden auch nicht in Frage gestellt. Jedoch hätten die Entscheidungsträger dieses Films (Drehbuch, Regie, Produktion) lieber weniger auf Quantität und eher auf Qualität setzen sollen. Weniger ist oftmals mehr.
Immerhin wurden auch alte bekannte und bewährte Dinge eingebaut. So gibt es die alte Landkarte, das Flugzeug und die Fahrzeuge auf der kleinen roten Linie, die sich über die Welt bewegt.
Fazit: Harrison Ford hat Spielberg lange bearbeiten müssen, damit es zu einem weiteren Projekt kam und stets hieß es nach außen, man würde den Film für die Fans drehen. Zu dem Endergebnis lässt sich allerdings sagen, dass es nicht wirklich für alle Fans geeignet ist. Es werden wie bei "Star Wars: Episode 1 - Die Dunkle Bedrohung" eher die jüngeren Fans angesprochen.
Es wäre schön gewesen, wenn Steven Spielberg ("Terminal", "München") und George Lucas ("Die Reise ins Labyrinth", "Star Wars: Episode 1-6") mutiger gewesen wären und einen Film gedreht hätten, der dem Titel Indiana Jones wirklich voll und ganz würdig gewesen wäre. Ich bin mir sicher, dass auch die jüngere Generation der Kinogänger so einen Film nicht nur schätzen sondern lieben würden. Somit ist dies leider nur ein weiterer Genre-Sequel-Einheitsbrei bei dem der Glanz alter Zeiten längst verstaubt ist.