Deutschland, Februar 1943: Die deutschen Truppen sind in Stalingrad eingeschlossen und der Unmut der Bevölkerung gegen das Regime der Nationalsozialisten wächst von Tag zu Tag. In München wird das Geschwisterpaar Sophie und Hans Scholl festgenommen, weil sie Flugblätter verteilten, die den Nazis ein Dorn im Auge sind.
Im Frühjahr des Jahres 1943 sind die deutschen Truppen an der Ostfront bei Stalingrad eingekesselt, und die Wehrmacht hat keine Chance mehr, den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen. Dieser Umstand verbreitet sich auch langsam aber sicher in der deutschen Bevölkerung, doch kaum jemand wagt es, das, was er denkt, auch auszusprechen.
Eine von wenigen Ausnahmen macht hier eine in München ansässige Studentengruppe, die unter dem Decknamen "Die Weiße Rose" Flugblätter druckt und verschickt. So war es jedenfalls bei den ersten fünf Ausgaben ihrer Flugblätter, bei der aktuellen, sechsten Ausgabe sind viele gedruckte Exemplare übrig geblieben, weil im Dritten Reich inzwischen das Papier und somit in erster Linie die Briefumschläge rar sind.
Hans Scholl (Fabian Hinrichs) fasst daher einem riskanten Entschluß: Er will die Flugblätter an der Universität in München auslegen, und zwar während der Vorlesungen, wenn ihn niemand erwischen kann. Die anderen Mitglieder der "Weißen Rose" versuchen, ihn von dieser Idee abzubringen, als er jedoch hart bleibt, erklärt sich seine Schwester Sophie (Julia Jentsch) bereit, ihm zu helfen - ihrer Meinung nach ist es so sicherer, denn die Wahrscheinlichkeit, daß sie als Frau durchsucht wird, ist wesentlich geringer.
Also ziehen Sophie und Hans am nächsten Morgen mit einem Koffer voller Flugblätter bewaffnet zur Universität und verteilen ihre Papierstapel vor den Sälen. Doch früher als erwartet klingelt es zum Ende der Unterrichtsstunde und sie werden von einem Spitzel der Nazis erwischt und an die Polizei ausgeliefert.
Sophie wird dem Polizist Robert Mohr (Gerald Alexander Held) zum Verhör zugewiesen. Da Sophie und Hans aber für den Fall, daß sie erwischt werden, einen detaillierten Ausredenplan abgesprochen haben, zweifelt dieser bald daran, daß Sophie etwas mit der "Weißen Rose" zu tun haben kann. Und beinahe schafft sie es auch, ihn von ihrer Unschuld zu überzeugen. Aber eben nur beinahe.
Was man als erstes anmerken muß ist, daß die Verantwortlichen dieses Films davon ausgegangen sind, daß dem Zuschauer der Begriff "Weiße Rose" und der Name "Scholl" zumindest ansatzweise ein Begriff sind, denn es wird nicht viel Zeit damit zugebracht, die Hintergründe zu beleuchten. Sollte jemand mit diesen Begriffen nicht viel anfangen können oder sollte das Schulwissen inzwischen etwas ausgeblichen sein: Bei der "Bundeszentrale für politische Bildung" gibt es ein hervorragendes
Begleitheft zum Film, in dem unter anderem die geschichtlichen Zusammenhänge erörtert werden.
"Sophie Scholl - Die letzten Tage" ist, wenn man es so ausdrücken will, eine Folge der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1989, denn bis zu diesem Zeitpunkt haben die Protokolle der Gespräche zwischen Sophie Scholl und Robert Mohr sowie Mitschriften des Schauprozesses in DDR-Archiven vor sich hingeschlummert. Erst nach dem Fall der Mauer war es also möglich, sich mit diesen Dokumenten zu befassen, was für diesen Film bedeutet, daß er zu einem großen Teil wörtlich auf Dialogen von damals beruht.
Eine echte Herausforderung also für Drehbuchautor Fred Breinersdorfer, hieraus ein Script zu schaffen, das einerseits nahe an der Wirklichkeit ist, andererseits aber auch spannend genug um den Zuschauer zu fesseln. Diese Umsetzung ist ihm sehr gut gelungen, wobei es mich an einigen Stellen doch interessieren würde, wo das Buch noch historisch belegt ist, und an welchen Stellen aus dramaturgischen Gründen etwas dazuerfunden wurde. Haben Sophie und Hans zum Beispiel wirklich die letzten Flugblätter noch in der Uni verteilt statt sie einfach irgendwo abzulegen, obwohl sie wussten, daß sie sich damit in größte Gefahr begeben haben? Sollte dieser Punkt historisch belegt sein, muß man zu dem Schluß kommen, daß die Idee der Scholls zwar sehr ehrenwert war, sie aber durch ein zu hohes Risiko erwischt wurden und damit letztendlich an ihrem eigenen Fanatismus gescheitert sind.
Eine interessante Besetzung bei diesem Film war, daß ein Marc Rothemund hier Regie führe durfte, ein Mann also, der in der Vergangenheit lediglich durch deutsche Klamotten wie "Harte Jungs" oder "Das Merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" bekannt wurde. Doch Rothemund liefert hier eine gute Arbeit ab, wobei er aber auch tatkräftige Unterstützung durch die beiden ausgezeichneten Hauptdarsteller Julia Jentsch und Gerald Alexander Held hatte. Lediglich einige Nebenfiguren wie Mohrs Hilfspolizist (der mit Hitlerfrisur und -bart) sowie der Richter beim Schauprozess am Ende wirken stilisiert und etwas unglaubwürdig.
Der Film lebt von den Dialogen, insbesondere den Gesprächen zwischen Sophie und Mohr beim Verhör. Mehr als einmal könnte man - wenn man den historischen Ausgang der Geschichte nicht schon kennen würde - meinen, daß Sophie den Polizisten auf ihre Seite zieht, statt umgekehrt. Sie schafft es sogar, daß er ihr eine "goldene Brücke" baut, die sie aber nicht annimmt. Diskussionsfrage für den Geschichtsunterricht und anspruchsvolle Stammtische: Hätte sie dieses Angebot, das ihr das Leben gerettet hätte, nicht besser angenommen, um so auch weiterhin gegen die Nazis arbeiten zu können?
Am Ende erinnert der Film durch einige Details an William Wallace in "Braveheart", im Rest des Films wird Sophie Scholl dafür aber erstaunlich unheroisch dargestellt. Insgesamt ein sehenswerter Film, der trotz des schwierigen Themas und der vielen Dialoge dank eines guten Drehbuchs und guter Darsteller niemals auch nur ansatzweise langweilig wird.