Nick Keller schafft es immer wieder, aus seinen Arbeitsverhältnissen schnellstens herauszufliegen. Auch
in seinem neuesten Job als Hausmeistergehilfe in einer psychiatrischen Klinik bekommt er bereits am ersten
Tag die Papiere, vorher rettet er aber noch der Patientin Leila das Leben, und die ist seither absolut
hingerissen von Nick.
Nick Keller (Til Schweiger) hat ein herausragendes Talent, nämlich das Verlieren von Jobs. Unzählig
oft wurde er bereits gefeuert, und sein Berater im Arbeitsamt verliert schon fast den Glauben an ihn. Aber
er hat einen neuen Auftrag für ihn: in einer psychiatrischen Klinik, und zwar als Hausmeistergehilfe.
Nick erscheint pünktlich, hat den Job aber auch nur wenige Stunden, denn nachdem er den Putzwagen
unbeaufsichtigt stehen lässt und ein Patient eine halbe Flasche Putzmittel konsumiert, setzt auch
Oberärztin Blöchinger (Imogen Kogge) ihn vor die Tür. In seinen letzten Stunden bis zum Feierabend
rettet Nick der Patientin Leila (Johanna Wokalek), die sich erhängen will, noch das Leben, er sagt
Dr. Blöchinger aber nichts davon, weil Leila ihn darum bittet - sonst müsste sie nämlich noch mehr Pillen
schlucken.
Leila ist schon seit ihrer Geburt eingesperrt, zuerst von ihrer Mutter, die jeglichen Kontakt zur Außenwelt
unterbunden hat, dann in der Klinik, weil sie - welch Wunder - Probleme im Umgang mit anderen Menschen hat.
Nick scheint der erste Mensch in ihrem Leben zu sein, der sich wirklich um sie sorgt; das hat sie schwer
beeindruckt,
denn sie folgt Nick zu seiner Wohnung und bittet ihn, sie bei sich aufzunehmen - und das alles ohne jegliche
Fußbekleidung. Nick will sie zwar zurück in
die Klinik bringen, doch er kommt ihrer Bitte nach, zumindest für eine Nacht bei ihm bleiben zu dürfen. Doch
auch am nächsten Tag weicht Leila ihm nicht von der Seite: Als er sie in die Klinik bringen will, droht sie
damit, wieder auf die Damentoilette zu gehen, wo er sie mit dem Kopf in der Schlinge aufgefunden hat. Und das
ausgerechnet jetzt, wo er zur Hochzeit seines Bruders Viktor (Steffen Wink) mit seiner Ex
Janine (Alexandra Neldel), weil seine Mutter (Nadja Tiller) und sein
Stiefvater (Michael Mendl) ihm einen Job im Familienunternehmen in Aussicht gestellt haben. Dorthin
muß Nick Leila nun wohl oder übel mitnehmen, und das, obwohl niemand weiß, wo sich Leila aufhält, und die
Polizei auf der Suche nach ihr ist.
Eine Anmerkung zum Titel: Ja, der ist falsch geschrieben, "barfuß" wurde weder vor noch wird es nach der
großen, deutschen Sprachvergewaltigung mit "ss" geschrieben, aber immerhin haben die Verantwortlichen es
im Abspann geschafft, den Titel in Kapitälchen (Barfuss) zu
setzen, so macht das wenigstens halbwegs Sinn, denn ein "ß" wird im Großbuchstaben zu einem "ss", nach wie
vor.
Der Film lebt alleine von Leila, die Johanna Wokalek absolut glaubwürdig und sehr liebenswert auf die
Leinwand bringt. Barfuß ist sie übrigens, weil sie ihren Füßen nicht das selbe Schicksal zumuten möchte,
unter dem sie zu leiden hat: Leila war ihr ganzes Leben lang eingesperrt, das will sie ihren Füßen nicht
antun.
Leila hat im Umgang mit ihrer Umwelt keinerlei Erfahrung, sie kann noch nicht einmal alleine Bus fahren,
und weiß auch nicht, was ein Geldautomat ist, ist naiv wie ein kleines Kind, trotzdem ist sie nicht dumm
und in Sachen Weltanschauung sogar Nick ein gutes Stück voraus. Durch ihre Naivität und die damit verbundene
Ehrlichkeit kommt es immer wieder zu Komplikationen, die auch die besten Gags des Films sind; alleine die
Geschichte mit dem Besenstiel im Hintern - herrlich!
In kleinen Gastrollen sind viele Stars des deutschen Kinos zu sehen, unter anderem Markus Maria Profitlich,
Axel Stein, Michael Gwisdek, Jürgen Vogel und Armin Rohde. Erstaunlicherweise handelt es sich bei ihren
Nebenrollen aber nicht um reine Cameo-Auftritte, sie passen sogar sehr gut in ihre Rollen, alleine Armin
Rohde als Bahnhofspenner ist schon sehenswert. Lediglich die Ärztin ist viel zu eindimensional gezeichnet
und leider nicht mehr als das Klischeebild eines Psychologen, wie man es schon tausend Mal gesehen hat.
Von der Stimmung her erinnert "Barfuss", übrigens Schweigers erste Solo-Regie, ein wenig an
"Knockin' On Heaven's Door", vor allem die Panikattacken Leilas erinnern sehr an die Anfälle von
Til Schweiger als Martin Brest. Negativ muß man dem Film die Musik ankreiden: Die ist nämlich von der
Abmischung her einfach zu laut und zu präsent im Film. Es kam mir fast so vor, als wollte hier irgendjemand
einen unterdurchschnittlichen Soundtrack betonen und vermarkten. Unglaubwürdig sind in meinen Augen
auch die letzten zwanzig Minuten des Films, aber hierüber möchte ich jetzt nicht zu viel verraten.
Insgesamt ist "Barfuss" ein süßer, netter Liebesfilm mit annehmbarer Handlung, der durch eine
herausragende Johanna Wokalek geadelt wird.