Der amerikanische Symbologe Robert Langdon (
Tom Hanks) weilt gerade in Paris, als er von der französischen Kriminalpolizei in den Louvre gebeten wird. Dort konfrontiert man ihn mit der nackten Leiche des Museumsdirektors und befragt ihn zu den geheimnisvollen Symbolen, die sich am Tatort befinden. Langdon realisiert nicht, daß er selbst vom Chefermittler Fache (
Jean Reno) für den Hauptverdächtigen gehalten wird, erst die hübsche Enkelin des Toten, Sophie Neveu (
Audrey Tautou), öffnet ihm die Augen und verhilft ihm zur Flucht. Kurz darauf hat das Zufallspärchen nicht nur den fanatischen Fache an den Fersen, sondern wird auch von dem mordenden Mönch Silas (
Paul Bettany) durch Frankreich gejagt. Und die Liste von Langdons und Neveus Feinden scheint immer länger zu werden, je näher sie einem Geheimnis kommen, dessen Enthüllung den Vatikan in seinen Grundmauern erschüttern würde.
"Sakrileg" ist der beste Beweis dafür, daß der Einfluß von Filmkritikern oft gegen Null tendiert. In praktisch jedem Feuilleton der großen Zeitungen, wie auch in der Fachpresse wurde Ron Howards Bestsellerverfilmung eher bescheiden besprochen, wenn nicht sogar zerrissen - und das zu Recht! Aber was macht das Kinopublikum? Es rennt den Filmpalästen die Bude ein und beschert "Sakrileg" Einnahmen von über 750 Mio. Dollar (bei ca. 125 Mio. Produktionskosten). Was ist denn hier los? Nun, wir haben ein höchst erfolgreiches Buch, eine Top-Besetzung, schöne Kulissen und ein ordentliches Budget für ein paar nette Filmtricks. Wahrscheinlich kann man so ein Filmprojekt gar nicht versemmeln, der Erfolg ist leicht kalkulierbar.
Aber noch einmal der Reihe nach. Auch wenn ich es mir jetzt bei Millionen Brown-Fans versaue, seine Geschichte ist einfach erbärmlich, seine religiösen Verschwörungstheorien lächerlich und eine Beleidigung für die menschliche Intelligenz. Da stellt sich der Kerl tatsächlich noch in einem Interview hin und behauptet, daß er sehr skeptisch war, als er dieses Buch geplant hatte, aber nach zweijährigen Recherchen überzeugt von der Richtigkeit seiner Theorien wäre. Keine Ahnung was Herr Brown zwei Jahre lang gemacht hat, Nachforschungen hat er definitiv keine angestellt, höchstens vor-Ort-Recherchen in Pariser oder Römer Cafés, wo er hübschen Kellnerinnen nachgeguckt hat. Selbst ohne große Vorkenntnisse der Materie (wie in meinem Fall) kann man in kürzester Zeit so manche wirre Behauptung problemlos widerlegen. Auch wenn man es "nur" als fiktive Geschichte sieht, das hätte viel fundierter ausgearbeitet sein müssen. Hier muß man mal einem Film den Vorwurf machen, daß er sich zu exakt an die Vorlage gehalten hat, im Drehbuch hätte man hier einiges reparieren können, was aber leider nicht passiert ist - immerhin hat man es bei "Illuminati" besser gemacht.
Aber eines muß ich dem Dan Brown dann doch lassen, er schreibt unglaublich spannend, und so kann man trotz des großen Quatsches kaum das Buch aus der Hand legen. Der Film funktioniert ähnlich. Wer die Handlung noch nicht kennt, bekommt daher dank der Spannung und den schönen Aufnahmen doch fast perfekte Popcornunterhaltung geboten. Da stört es kaum, daß die technischen Tricks zu verspielt und auch selbstverliebt erscheinen und die Darsteller, insbesondere Hanks eher ein wenig lustlos wirken. Zumal ein nur mittelmäßig motivierter Hanks immer noch sehenswerter ist, als die ganze zweite Garde Hollywoods zusammen und Tautou wohl spielen kann, wie sie will, sind wir doch so oder so (fast) alle verliebt in Amélie.
Profitiert hat "Sakrileg" bestimmt auch von den Äußerungen der Katholischen Kirche, die ihre Gläubigen sozusagen zum Boykott des Films aufgerufen hatte. Über Browns Nonsense hätte der Vatikan milde lächeln sollen, so viel Aufmerksamkeit hatte der doch gar nicht verdient - na ja selbst schuld, in ein paar Jahren interessiert das eh keinen mehr.