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Kritik von Alexander "Heinz" Jachmann zu 'Die fetten Jahre sind vorbei'

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Die fetten Jahre sind vorbei
Poster zu "Die fetten Jahre sind vorbei"Gewinner Deutscher FilmpreisKinostart Deutschland: 25.11.2004

Drama

Deutschland, Österreich 2004, ca. 129 min.

FSK: ab 12
» Trailer
Kritik von Alexander "Heinz" Jachmann, veröffentlicht am 09.12.2004
"Die fetten Jahre sind vorbei" ist einer der Texte, den Jan und Peter in fremden Wohnungen, in die sie einbrechen, hinterlassen. Es ist kein finanzielles Interesse, das sie antreibt, sie wollen die Reichen unserer Gesellschaft einfach nur zum Umdenken zwingen. Doch irgendwann gerät alles außer Kontrolle.

Peter (Stipe Erceg) und Jan (Daniel Brühl) führen ein Doppelleben: Tagsüber wursteln sie sich durchs Leben, um das Nötigste zum Leben zu haben und die Miete für ihre WG bezahlen zu können, nachts steigen sie in Villen reicher Mitbürger ein.
Würde sie sich bei ihren nächtlichen Aktivitäten bereichern, könnte das, was sie tagsüber machen, locker leicht wegfallen. Aber: Sie stehlen nichts! Sie stellen lediglich die Möbel und andere Dinge um und hinterlassen einen Zettel mit der Aufschrift "Die fetten Jahre sind vorbei" oder "Sie haben zu viel Geld", unterzeichnet mit "Die Erziehungsberechtigten".
Peters Freundin Jule (Julia Jentsch) ahnt nichts von alledem. Als Peter jedoch für eine Weile fort ist und Jan bittet, Jule bei der Renovierung ihrer Wohnung zu helfen, aus der sie ausziehen muß, weil sie die Miete nicht rechtzeitig bezahlt hat, lernen die beiden sich besser kennen, und Jan beichtet ihr alles. Jule hält die Geschichte zunächst für einen Witz, als Jan sie aber vom Wahrheitsgehalt überzeugt hat, will auch sie mitmachen. Sie steigen mehr oder weniger zufällig bei Hardenberg (Burghart Klaußner) ein, genau dem Mann, dem Jule sein Statussymbol zu Schrott gefahren hat. Dummerweise verliert sie dort ihr Handy, daher müssen sie noch einmal zurück zum Tatort. Peter, mittlerweile zurück, soll von dem, was Jan und Jule in seiner Abweseheit gemacht haben, nichts wissen. Als sie jedoch bei ihrem zweiten Besuch vom Hausherren überrascht werden, wissen beide nicht, was sie nun tun sollen, und bitten Peter um Hilfe. Auch dem fällt zunächst nur eins ein: den Zeugen des Einbruchs entführen und in aller Ruhe überlegen, was zu tun ist.

In seinem Herzen ist der Film ein politischer Film, der sich Gedanken darüber macht, was in unserer Gesellschaft falsch läuft. Globalisierung, zu wenige Reiche haben zu viel Geld, zu viele Arme zu wenig. Aber der Film bleibt nicht ausschließlich politisch sondern entwickelt sich ganz nebenbei noch zu einer interessanten Dreiecksgeschichte - als Jule Jan besser kennenlernt, ist er als Mann interessanter als ihr Freund Peter.
Die interessanteste Figur des Filmes ist aber keiner dieser drei Jugendlichen sondern Hardenberg. In seiner Jugend waren er und seine Ideale denen von Peter, Jan und Jule alles andere als fremd, doch Begriffe wie Familie, Sicherheit und Solidität haben seine Maxime für die Allgemeinheit zu Werten verändert, die seine Entführer als "egoistisch" bezeichnen würden. Seine Figur wird daher auch nicht als "böse" gezeichnet, sondern durchaus mehrseitig: Seine Motive sind absolut nachvollziehbar, sowohl für den Zuschauer als auch für die Jugendlichen, ebenso wie deren Motive und Ideale es für ihn sind.
Die Kernfrage aber bleibt: Hat der Film, haben Jan und Peter recht, auch wenn ihre Aktionen recht naiv sind? Natürlich haben sie das! Wo ist denn die Gerechtigkeit, wenn sich ein junges Mädchen jahrelang abrackern muß, um jemanden ein Auto im sechsstelligen Eurobereich zu ersetzen, wo der das doch aus der Portokasse bezahlen könnte? Doch bevor Jan und Peter es schaffen, die Leute, die in ihren Augen zu reich sind, zum Umdenken zu bewegen, schafft es der Film beim Publikum. Ändern wird sich die Gesellschaft aber nicht, auch nicht durch diesen Film, insbesondere nicht in Deutschland.
"Die Fetten Jahre sind vorbei" ist nach "Das Weiße Rauschen" erst der zweite Spielfilm von Hans Weingartner, und wieder ein Film, der Hoffnung macht, daß es auch in Zukunft noch intelligente Filme aus unserem Land geben wird. Gutes Buch, gute Darsteller, ein sehenswertes Stück Kino.

Wertung von Heinz:
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