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Kritik von Anja Stürzer zu 'Der Hobbit - Eine unerwartete Reise'

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Partner von Entania
Kritik von Anja Stürzer
veröffentlicht am 11.12.2012
90%
Casting bezeichnet den Vorgang, bei dem die Besetzung der Rollen eines Films oder eines anderen Werks mit Schauspielern festgelegt werden.
Unter Motion Capture versteht man eine Technik, die es ermöglicht, menschliche Bewegungen so aufzuzeichnen und in ein von Computern lesbares Format umzuwandeln, dass dieser diese Bewegungen zum einen analysieren, zum anderen auf im Computer generierte 3D-Modelle übertragen kann.
Lang erwartete Rückkehr nach Mittelerde

Dieser Film wird mal wieder Maßstäbe setzen, soviel zeichnete sich schon im Vorfeld ab - und zwar nicht nur wegen der bahnbrechenden doppelten Bildrate von 48 Bildern pro Sekunde, die ein deutlich dynamischeres und tiefenschärferes 3D-Erlebnis ermöglicht. Mindestens ebenso stilbildend wie die neue HFR-Technik dürfte aber die Art und Weise sein, wie Jackson die literarische Vorlage adaptiert. Erstaunlicherweise gelingt ihm dabei ein über weite Strecken überzeugender Kompromiss zwischen epischer Erzählung im Herr-der-Ringe-Stil und humorigem Kinderbuch-Abenteuer.

Dabei punktet der Film zunächst einmal mit Altbewährtem aus der Ring-Trilogie: Wieder glänzen hervorragend gecastete und engagierte Charakterschauspieler, von denen man viele aus den Vorgängerfilmen kennt, und die im "Hobbit" viele kleine, feine Dialogszenen haben. Wieder verzaubern die prachtvollen Landschaftsaufnahmen Neuseelands sowie die umwerfende Detailverliebtheit - und wieder ergeht sich Jackson in rasanten, computeranimierten Actioneinlagen, die sich so im Buch nicht finden (aber offenbar vom Publikum geschätzt werden). Immer wieder zitiert er zudem nicht nur wörtliche Passagen aus dem Buch, sondern auch die Vorgängerfilme - so z.B. wenn Gandalf (Ian McKellen) sich den Kopf am Leuchter stößt oder eine Motte als Boten in die Luft schickt.

Auch sonst ist der Wiederererkennungswert für Mittelerde-Fans hoch: Wie im Herr-der-Ringe gibt es einen Schlachtenprolog, bei dem ein König vor den Augen seines Erben hingemetzelt wird; wieder treffen wir anschließend im Auenland unseren Hobbit-Protagonisten (zu Recht hoch gelobt für seine Darstellung: Martin "Watson" Freeman als Bilbo Beutlin), der, ohne es eigentlich zu wollen, mit dem Zauberer Gandalf und einer Truppe Gefährten auf eine Queste zu einem gefährlichen Berg zieht; wieder gibt es zwei übermütige Youngster im Stil Merrys und Pippins, die Zwergenbrüder Fili (Dean O'Gorman) und Kili (Aidan Turner), unter Insidern auch "Sexy Dwarves" genannt; wieder lässt Jackson einen Warg-reitenden, martialischen Orc-Antagonisten aufmarschieren und zur Verfolgung der Gefährten blasen; und wieder gibt es mit Thorin Eichenschild einen so charismatischen wie enigmatischen Krieger, der - wie seinerzeit Sean Beans Boromir - auf der Leinwand gebrochener und um einiges sympathischer angelegt ist als im Buch.

Unterstützt wird das Gefühl der Rückkehr nach Mittelerde zudem durch den gemeinsamen Ausgangspunkt der Handlung - die Rahmenhandlung des "Hobbit" beginnt ebenso wie "Der Herr der Ringe" am Tag vor Bilbos Abschiedsparty in Beutelsend - sowie durch den unverwechselbaren Soundtrack Howard Shores, der die bekannten Themen variiert und dadurch jede Menge Parallelen herstellt.

Verglichen mit dem "Herrn-der-Ringe" hat "Der Hobbit" als Film allerdings einen entscheidenden Vorteil: Die literarische Vorlage ist bei allen thematischen Parallelen kein über-tausendseitiges Epos, sondern ein schmales, linear als Ansammlung von Abenteuern und Irrwegen erzähltes Kinderbuch voller Märchenelemente, Reime, wundersamer Figuren und skurriler Einfälle. Sprich: eine Spielwiese für Jacksons bewährtes Team. Anstatt mühsam zu kürzen, konnten die Drehbuchschreiber (Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson und Guillermo del Toro, der zeitweilig als Regisseur vorgesehen war) die Geschichte nicht nur fast eins-zu-eins umsetzen, sondern auch mit den Handlungselementen spielen, die Figuren detailverliebt in Szene setzen und auf deren Vorgeschichten eingehen sowie den Plot durch Anleihen bei den Anhängen des "Herrn der Ringe" ergänzen. Und anstatt sich mit der Länge und der - natürlich nur für die Verfilmung problematischen - Wortlastigkeit des Hauptwerks herumzuplagen, das als komplexe, verschachtelte "Erzählung" angelegt ist, konnten sie sich hier auf die überwältigenden Schauwerte der einfacher gestrickten Abenteuergeschichte konzentrieren.

Und davon gibt es eine ganze Menge: sehr kleine und sehr große Orks (besonders gelungen die Szenen in Goblinstadt mit dem aufgedunsenen Ork-König, der wie eine Kreuzung aus Jabba-the-Hutt und dem singenden Affenkönig aus dem "Dschungelbuch" daherkommt), parlierende Trolle, feiernde Elben und natürlich jede Menge Zwerge, die nicht nur Slapstick liefern, sondern als ernsthafte, ja tragische Protagonisten ihren großen Auftritt haben. Einen düsteren Bilderbuchhelden wie Thorin Eichenschild (Richard Armitage) hätte man Jackson nach dem seinerzeit als Witzfigur angelegten Gimli kaum zugetraut. Dazu die traumhaften Landschaften, die prachtvollen Kostüme (Gänsehaut: Galadriels erster Auftritt als eine Kombination aus beidem!) und finstere Festungen. Überhaupt die Räume: Von Bilbos Hobbithöhle im grünen Auenland-Idyll bis zur goldgefüllten Zwergenfeste im Einsamen Berg, vom luftigen elbischen Jugenstillidyll Rivendell bis zu den Bergwerkstollen und Hängebrücken der unterirdischen Orkstadt - dieser Film protzt mit einer Dreidimensionalität, die sich im atemberaubenden Finale mit den Riesen-Adlern noch einmal steigert - nur Fliegen ist schöner.

Womit wir wieder bei der neuen HFR-Technik wären. Die funktioniert über weite Strecken tatsächlich gut, man vergisst mitunter, dass man eine 3D-Brille auf der Nase hat (so geschehen auf dem Weg zum Klo, der bei knapp 3 Stunden Spiellänge schon fast obligatorisch ist...). Jackson und Co. nutzen die 3D-Effekte über weite Strecken auch vergleichsweise dezent, und manchmal gelingen ihnen tatsächlich beeindruckende Effekte - vor allem dann, wenn die real gefilmte, großartige neuseeländische Landschaft ins Spiel kommt.

Ein Nachteil ergibt sich allerdings für die Farbigkeit: Das Ganze gerät mitunter doch etwas bonbon-bunt. Das Auenland im Herrn-der-Ringe zum Beispiel wirkte realistischer, und auch die kitschige, pastellfarbene Rivendell-Totale im Thomas-Kinkade-Stil enttäuscht in diesem Film. Schmerzlich vermisst man zudem die aufwändigen Modellbauten, die den Totalen exotischer Schauplätze im Herrn-der-Ringe Tiefe gaben. So gut die CGI inzwischen auch ist, an echte Bilder kommt sie immer noch nicht heran, weniger wäre hier manchmal mehr gewesen. Dies gilt auch und vor allem für die digital aufgemotzen Action-Sequenzen - die schon in der Herr-der-Ringe-Trilogie überflüssigen, endlosen Warg-Attacken oder die Steinriesen, die mit ihrer glasklaren Optik doch sehr an Computerspiele erinnern und sich für den erwähnten Gang zum Klo anbieten: Man verpasst minutenlang nichts.

Wahrhaft beeindruckend verspricht allerdings der heimliche Held der Hobbit-Trilogie zu werden, bei dem offensichtlich nicht an Bits und Bytes gespart wurde: der goldene Drache Smaug, von dem es am Anfang und am Ende je einen flüchtigen, wohlige Schauer erzeugenden ersten Eindruck gibt. Wenn Bilbos Unterhaltung mit Smaug im letzten Hobbit-Film auch nur annähernd so gut umgesetzt wird wie das wunderbare Rede- und Rätselduell zwischen dem kleinen Hobbit und Gollum (wieder in Hochform: Andy Serkis im Motion-Capture-Anzug) in diesem ersten Film, dann wird das vermutlich eine Szene sein, die Kinogeschichte schreibt - und erneut eine CGI-Figur, die Maßstäbe setzt.

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