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Kritik von Mathias Broxtermann zu 'Herz aus Stahl'

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Kritik von Mathias Broxtermann
veröffentlicht am 31.12.2017
50%
OK, Fury, oder wie man einen guten Film mit einem dummen Ende, das alle interessanten Themen des Films einfach ignoriert, fast ruiniert.

Müsste man diesen Film einem Freund in einem Satz beschreiben, wäre "Das Boot, nur mit amerikanischen Soldaten in ihrem Panzer und mit dem schmutzigen Realismus von 'Saving Private Ryan'" eine sehr akkurate Beschreibung.
Ich habe gerade erst eine Kritik zu "Suicide Squad" fertig gestellt und dabei detailliert beschrieben, wie dieser bereits seine erste Sequenz gründlich vermasselt. "Fury" startet dagegen sehr, sehr stark: Ein in milchigem Nebel daliegendes Feld lässt zentral einen Reiter erscheinen, auf den die Kamera fixiert ist. Ein leichter Schwenk folgt dem Reiter auf das, was offensichtlich ein Schlachtfeld war. Panzerwracks rauchen links und rechts noch vor sich hin, die Stimmung ähnelt der eines Friedhofes. Und gerade als der Zuschauer denkt, dass er den Protagonisten beobachtet, springt eine bislang versteckte Figur den Reiter an, reißt ihn vom Pferd und rammt ihm nonchalant ein Messer in den Schädel. Und der Zuschauer sieht niemanden anderen als Brad Pitt, der sowohl den Kundschafter als auch die Erwartungen des Zuschauers hintergangen hat. Und damit ist auch schon der Ton für den Film gesetzt: dies ist ein schmutziges, brutales Kriegsdrama mit einem no-nonsense Protagonisten.
Dieser Eindruck wird dann weiter verstärkt, im klaustrophobischen Inneren ihres "Easy Eights", dem die Besatzung den Namen "Fury" auf das Rohr geschrieben haben, wird die Besatzung vorgestellt, die man durch den Film begleitet. Shia LaBeouf spielt den Schützen mit einer seiner besseren schauspielerischen Leistungen, er ist der verbindende Ruhepol der Truppe. Michael Peña spielt den Fahrer, eine ähnlich abgestumpfte Figur wie Pitts Kommandant Wardaddy. Jon Bernthal ist der Ladeschütze, der bereits leichte psychopathische Ansätze zeigt. Etwas später kommt noch Logan Lerman als neuer MG-Schütze dazu, dem eine ähnliche Rolle zukommt wie Jeremy Davies im genannten "Saving Private Ryan": Er ist der kampfunerfahrene, unschuldige Neuling in der Truppe, und damit das Auge des Zuschauers, durch das er das Geschehen beobachtet. Er ist auch der einzige in dieser Truppe, der so etwas wie Emotionen zeigt, wodurch man mit ihm direkt sympathisiert: Man wird mit ihm in dieses Chaos geworfen, und identifiziert sich mit seinen Reaktionen, die von Lerman gut rübergebracht werden.

"Fury" ist ein schmutziges Drama über ein schmutziges Kapitel in diesem Konflikt. Die ausgezehrten Amerikaner treffen auf den letzten fanatischen Wiederstand zersplitterter Wehrmachts- und SS-Einheiten. Die Szenen im Inneren des Panzers sind bedrückend, die Realität draußen brutal. Aber der Film bringt verschiedene interessante Themen ins Spiel. So nimmt sich Pitt als Vaterfigur der Truppe, der seinen Männern versprochen hat, sie lebend heim zu bringen, des Neulings an. In einer schwer ertragbaren Szene zwingt er diesen, einen Gefangenen zu erschießen, um ihn für die neue Realität abzuhärten. In einer der besten, ruhigeren Szenen des Filmes versucht er sogar, mit ihm so etwas wie Normalität in den Wahnsinn ihres Alltages zu bringen, wobei sie allerdings vom Rest der Besatzung grob unterbrochen und wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden. Das ganze spielt sich eher wie eine Art skurriles Familiendrama ab und ist eine der interessantesten Episoden des Filmes. Viele der ruhigeren Szenen im inneren des Panzers werden sehr persönlich, was den Eindruck einer dysfunktionalen Familie weiter verstärkt. Immer wieder blitz dabei allerdings auf, dass Pitt dabei einen Teil seiner Menschlichkeit bereits verloren hat, ebenso wie der Rest der Veteranen.

Ich würde so weit gehen, die ersten zwei Drittel des Filmes als gelungen, interessant oder sogar hervorragend zu bezeichnen. Umso frustrierender ist es daher, wenn der Film am Ende alle Themen und Konflikte einfach verwirft, und sich in kompletten Hollywood Action-Trash zu verwandeln. Mit der simplen Bemerkung, "Fury" sei inzwischen sein Zuhause, bringt Pitt die Besatzung dazu, eine Kreuzung mit ihrem durch eine Mine immobilisierten Panzer zu halten. Die Besatzung, der er versprochen hatte, sie lebendig heim zu bringen, und für die er bereit ist Kriegsverbrechen zu begehen. Was folgt ist eine Schlacht, die gerne das Format des letzten Gefechtes in Private Ryan hätte, aber eher wie eine Folge der "Looney Tunes" abläuft. Eine ganze Kompanie von SS-Truppen schafft es nicht, einen einzigen, bewegungsunfähigen Panzer zu umgehen und von hinten auszuschalten, obwohl neben diesem eindeutig Gebäude und ein Graben liegen. Sie werfen sich 50 Meter vor dem Panzer auf die Straße und beschießen diesen mit Maschinengewehren, nur um in Stücke geblasen zu werden. Sie rennen in ein Gebäude, aber statt die Hintertür zu benutzen und einfach von hinten zu kommen laufen sie vorne wieder hinaus in das MG-Feuer. Sie stehen immer genau da, wo Handgranaten hinfliegen, nähern sich dem Panzer ahnungslos und öffnen wiederholt, auch nachdem klar ist das der Panzer noch gefechtsfähig ist, die Luken, nur um verdutzt in die Waffen der Besatzung zu schauen. Noch dazu bekommt die Panzerung des M4A3E8 plötzlich magische Eigenschaften, eine Panzerfaust fast wirkungslos zu machen, sodass ein Treffer nur ein Besatzungsmitglied tötet statt einfach das Innere in ein Inferno zu verwandeln (Der Easy Eight war nicht gerade für seine Panzerung bekannt, deutsche Truppen nannten ihn in Afrika den "Tommy Cocker", da er nach einem Treffer gerne ausbrannte). Dieser Bruch mit dem qualitativ besseren ersten Teil des Filmes wird noch durch einen krassen Schnittfehler unterstrichen, in dem Tag innerhalb einer Minute in Nacht verwandelt wird. Es ist zum Haare raufen.

All die Interessanten Themen vom Anfang gehen über Bord. Welche Auswirkungen hat die "Erziehung" Wardaddies auf Lerman? Findet Wardaddy seine Menschlichkeit wieder? Schweißt das Erlebnis die Truppe zusammen, oder lässt das Erlebte sie als traumatisierte Wracks zurück? Im Falle des letzteren, war der Mord an einem Gefangenen das Überleben dieser Männer wert? Wie weit gehen Befehl und Gehorsam, hätte man in diesen letzten Kriegstagen die Kreuzung nicht verlassen können? Das sind die interessanten Fragen, ohne darauf einzugehen haben wir nur eine Kopie des Stils besserer Kriegsdramen.
Und um das Ende komplett zu ruinieren wirft der Film noch eine Szene in den Dreck. Als sich Lerman am Ende unter dem Panzer versteckt, wird er von einem kindlichen Soldaten entdeckt. Es vergehen angespannte Sekunden, in denen Lerman, nur durch seinen Mimik und Augen, um Gnade bettelt, wie der Gefangene den er erschießen musste. Und es geschieht ein kleines Wunder, der Soldat behält das Geheimnis und geht weiter, Lerman lebt.

Was macht der Film also mit dieser Szene? Zwei Kinder in Uniform, auf verschieden Seiten in diesen Fleischwolf geworfen, und einer schenkt dem anderen das Leben, obwohl er für den Tot dutzender Kameraden verantwortlich ist.

Nichts.

Lerman wird gerettet und mit den poetischen Worten "Du bist ein Held" weggefahren. Es ist als wären die letzten 30% des Drehbuches in ein paar Stunden geschrieben worden.

Ich kann diesen Film nicht einmal angemessen bewerten. Ich würde ihn mit 100% beginnen lassen, und dem fast hurrapatriotischen Müll am Ende 0% geben.
Empfehlung?
Meh...

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