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Kritik von Frederik Braun zu 'Inglourious Basterds'

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Kritik von Frederik Braun
veröffentlicht am 26.08.2009
95%
Selten passiert es, dass nach einem Film im Kino der ganze Saal euphorisch applaudiert. Beim Abspann von "Inglourious Basterds" wurde applaudiert, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Und es ist verdammt noch mal gerechtfertigt.

"Inglourious Basterds" funktioniert wie ein Theaterstück, ein Schauspiel in fünf Akten, welches Kultregisseur Quentin Tarantino kreiert und auf die Leinwand projiziert hat. Im Mittelpunkt seiner Groteske stehen wieder einmal herrlich skurrile und vielschichtige Charaktere und grandiose Dialoge.
Das erfrischend aufspielende Darsteller-Ensemble, die Situationskomik an Stellen, wo man sie normalerweise nicht erwartet, all dies verdeutlicht, dass Tarantino wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt ist. Nach der schwachen "Kill Bill"-Reihe, die mit ihrer dämlichen Selbstmoral eher aufgezwungen originell als wirklich genial ist, kann sich "Inglourious Basterds" mit Klassikern wie "Reservoir Dogs" und "Jackie Brown" messen lassen.
Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass die Nazi-Mär Tarantinos bester Film nach seinem unerreichbaren Meisterwerk "Pulp Fiction" ist.

"Inglourious Basterds" spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und erzählt drei in sich verschachtelte Geschichten. Protagonist der ersten Geschichte ist der von Indianern abstammende Lt. Aldo Raine, herrlich grotesk gespielt von Brad Pitt, der mit seiner Einheit aus jüdischen Soldaten und revoltierenden deutschen Offizieren - genannt die Basterds - in Frankreich Nazis jagt, skalpiert und tötet.

Die zweite Geschichte handelt von der Jüdin Shosanna Dreyfus, die von der wunderbar agierenden Mélanie Laurent gespielt wird. Nachdem ihre gesamte Familie von der SS getötet wird, taucht Shosanna unter falschem Namen in Paris unter. Jahre später betreibt sie als Emmanuelle Mimieux ein kleines Kino in der französischen Hauptstadt. Als der deutsche Kriegsheld und Schauspieler Frederick Zoller (Daniel Brühl) sich in sie verguckt und die Weltpremiere eines neuen Propagandastreifens in ihr Kino verlegt, sinnt Shosanna auf Rache an den Nazis. Auch die Basterds haben von der Kinopremiere gehört und planen ebenfalls einen Anschlag.

Die dritte Geschichte ist dem Antagonisten gewidmet, der zugleich einer der grandiosesten Filmbösewichte überhaupt sein dürfte. Der österreichische SS-Offizier Hans Landa, von vielen "der Judenjäger" genannt, wirkt mit seinem verspielten Charme und gleichzeitiger psychopathischer Unberechenbarkeit wie ein diabolischer Bruder von Inspektor Columbo. Verkörpert wird Landa vom grandiosen Christoph Waltz, der seiner Rolle eine charakteristische Ausstrahlung verleiht, die einfach überwältigend ist. Neben Waltz, der den meisten bisher wohl eher aus deutschen Fernsehproduktionen bekannt sein dürfte (u.a. als Roy Black in "Du bist nicht allein" oder als verbitterter Entführer in "Der Tanz mit dem Teufel"), wirkt selbst Brad Pitt mit seiner Ami-Karikatur etwas blass. Seine Darstellung des alles andere als eindimensionalen Bösewichts Landa ist definitiv oscarverdächtig.

Das restliche Darsteller-Ensemble ist ebenfalls gut besetzt. Sowohl Til Schweiger als wortkarger Ex-Nazi Hugo Stiglitz als auch Eli Roth als "Bärenjude" Donny Donowitz (vor der Kamera definitiv besser aufgehoben als auf dem Regiestuhl) können überzeugen, genau wie B.J. Novak und Gedeon Burkhard. Sylvester Groth gibt einen großartigen Joseph Goebbels ab (den er übrigens schon in "Mein Führer" verkörpert hat). In kurzen Auftritten sind dann auch noch die Comedians Mike Myers und Volker "Zack" Michalowski zu sehen. Wer genau hinsieht, kann sogar "Die Ärzte"-Drummer Bela B. Felsenheimer als Türsteher im Kino erkennen. Einzig Diane Kruger fällt mit ihrer blassen Darstellung eines deutschen Leinwandstars etwas aus dem Rahmen.

Fazit: Mit dem cineastischen Theaterstück "Inglourious Basterds" gelingt Quentin Tarantino ein hervorragender Mix aus Kriegsdrama, Actionkomödie und makabrer Satire, der stilistisch an seine frühen Werke erinnert. Der krönende Abschluss, das große Finale in Shosannas Kino, ist ein einziges utopisches Kunstwerk, was aber auf keinen Fall falsch interpretiert werden darf.

P.S. an Waltz: "Hol dir den Goldjungen, du hast ihn dir verdient!"

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