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Kritik von Dirk Hoffmann zu 'Top of the Lake'

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Kritik von Dirk Hoffmann
veröffentlicht am 18.12.2017
80%
Kritik zu Season 2
Eine Staffel (engl. Season) einer TV-Serie besteht meist aus 10-24 einzelnen Episoden, die dann oft durch eine längere Drehpause getrennt sind.
Die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. (Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis)
Begriffe wie Quality TV und Cinematic Television haben in den letzten Jahren deutlich gemacht, dass das einst etwas stiefmütterlich belächelte Fernsehformat gerade in serieller Hinsicht deutlich an Qualität gewonnen und selbst renommierte Kinogrößen wie Martin Scorsese ("Boardwalk Empire", "Vinyl"), Tom Tykwer ("Berlin Babylon"), David Lynch ("Twin Peaks") und David Fincher ("House of Cards", "Mindhunter") anlocken konnte. Das trifft auch auf die neuseeländische Oscar-Gewinnerin Jane Campion ("Das Piano") zu, die 2013 mit "Top of the Lake" eine außergewöhnliche Serie kreierte, die gleich mehrere Preise einheimsen konnte. Allerdings hat es vier Jahre gedauert, bis nun mit "Top of the Lake: China Girl" die lang ersehnte Fortsetzung folgte.
Nachdem sie im neuseeländischen Laketop den Anführer eines Kinderprostitutionsrings erschossen hat, kehrt Detective Constable Robin Griffin (Elisabeth Moss) nach Sydney zurück, wo sie gleich mit einem neuen schrecklichen Fall betraut wird: An der Küste wurde ein Koffer angespült, in dem die stark von den Elementen angegriffenen Leiche einer jungen asiatischen Frau steckt. Die Spur führt in ein Vorort-Bordell, das von dem 42-jährigen aus Leipzig stammenden Junior-Professor Alexander (David Dencik) geführt wird und in dem überwiegend Asiatinnen arbeiten. Der Zufall will es, dass sich der freigeistige Zuhälter ausgerechnet in die 17-jährige Schülerin Mary (Alice Englert) verliebt, die die damals 16-jährige Robin zur Adoption freigegeben hatte und als Baby von Julia (Nicole Kidman) und Pyke (Ewen Leslie) adoptiert worden ist. Während Julia mit ihrer neuen Lebensgefährtin ein neues Kapitel für sich aufzuschlagen beginnt, hat Mary schon vor Jahren versucht, Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter aufzunehmen, die sich jetzt auf ein Treffen einlässt und zunehmend Gefallen an der Mutterrolle findet. Weniger erbaut zeigt sie sich davon, dass ihr ihr Chef Adrian Butler (Clayton Jacobson) mit Miranda (Gwendoline Christie) eine neue Partnerin und Aufpasserin zur Seite stellt. Doch der schwierige Verlauf ihrer Ermittlungen schweißt die beiden so verschiedenen Frauen zusammen ...
Jane Campion hat nicht nur "Top of the Lake: China Girl" konzipiert und Regie bei der ersten Folge geführt, sondern zusammen mit Gerard Lee auch die Drehbücher zu den sechs Folgen der zweiten Staffel geschrieben. Darin wird vor allem der Geschlechterkampf, das Geschäft mit der Sexualität und dem oft unerfüllten Wunsch nach eigenen Kindern thematisiert, ohne dass sich der Plot der üblichen Klischees bedient. Stattdessen legen Campion & Co. viel Wert auf den persönlichen und menschlichen Aspekt von Vergewaltigung, Leihmutterschaft und Prostitution. Elisabeth Moss ("Mad Men", "The Handmaid's Tale") brilliert einmal mehr als engagierte Polizistin, die an mehreren Fronten die Dämonen ihrer Vergangenheit zu bekämpfen hat und erst durch die Routine im Job und die erste Zusammenkunft mit ihrer Tochter nach 17 Jahren wieder annähernd zurück ins normale Leben findet. Dabei muss sie nicht nur mit einem überaus besorgten Vorgesetzten und einer etwas unsicher auftretenden Kollegin klarkommen, sondern auch eine Position in dem Beziehungsdreieck zwischen Mary und ihren getrenntlebenden Adoptiveltern finden. Dass sich ihre leibliche Tochter ausgerechnet in einen viel älteren Junior-Professor und mutmaßlichen Zuhälter verliebt, macht die Situation nicht zwingend einfacher. Die Serie nimmt sich viel Zeit, die persönlichen Beziehungen und Probleme der Protagonisten auszuloten, aber auch auf die Problematik junger asiatischer Frauen hinzuweisen, die mit einem Studentenvisum nach Australien gelangen, um mit Prostitution den Lebensunterhalt für ihre Familien zu verdienen. Neben Elisabeth Moss überzeugen aber auch Gwendoline Christie ("Game of Thrones") als Robins etwas linkische Partnerin, David Dencik ("Dame, König, As, Spion") als undurchschaubarer Sex-Club-Betreiber sowie Nicole Kidman und Ewen Leslie als Marys Adoptiveltern. Bei einer so emotional aufgeladenen, wunderbar geschriebenen und brillant gespielten Serie kann nur gehofft werden, dass die nächste Staffel nicht wieder vier Jahre auf sich warten lässt!
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