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Kritik von Dirk Hoffmann zu 'Child of God'

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Kritik von Dirk Hoffmann
veröffentlicht am 03.09.2017
60%
Cormac McCarthy hat schon einige brillante Vorlagen für ebenso sehenswerte Filme abgeliefert, von "All die schönen Pferde" über "No Country for Old Men" über "Die Straße" bis zu "The Counselor". Dazu gesellt sich nun auch Schauspieler, Schriftsteller und Regisseur James Franco, der sich McCarthys Frühwerk "Ein Kind Gottes" aus dem Jahre 1973 angenommen hat. Nachdem er seine Eltern verloren hat und die familieneigene Farm nicht mehr halten kann, muss der cholerische Lester Ballard (Scott Haze) in den 1960er Jahren in den Bergen von Sevier County, Tennessee, mit ansehen, wie das Land und das Haus, auf dem er groß geworden und in dem er aufgewachsen ist, versteigert werden. Ziellos irrt er fortan mit einem Gewehr bewaffnet durch die Wälder und gerät durch seine gewalttätige Art immer wieder in Konflikt mit dem Gesetz. Doch auch wenn ihn der Sheriff (Tim Blake Nelson) gelegentlich für eine Nacht einbuchtet, kann dem versierten Schützen keine Straftat nachgewiesen werden. Ballard wird immer mehr zu einem Außenseiter und reduziert seine Menschlichkeit auf bloße Triebbefriedigung. Das geht so weit, dass er am Wegesrand parkende Pärchen nicht nur beim Sex beobachtet und dabei masturbiert, sondern ein totes Mädchen mit in seine Hütte schleppt und sie dort wie eine Partnerin behandelt ...
Ebenso wie Cormac McCarthys raue, verstörende und klare Sprache in "Ein Kind Gottes" bemüht sich auch James Franco in seiner Verfilmung von "Child of God" um eine reine, aufs Wesentliche reduzierte und fokussierte Inszenierung, in der vor allem Scott Haze ("Midnight Special") als von der Gesellschaft Ausgestoßener brilliert. Verstörend ist vor allem die Art und Weise, wie Ballard gänzlich auf sich allein gestellt in der Wildnis zu überleben versucht und seine menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen versucht. Eine Schlüsselszene des Films ist dabei sein Besuch auf dem Rummelplatz, wo er mit seiner Treffsicherheit am Schießstand gleich drei riesige Kuscheltiere gewinnt. Statt jedoch eines davon einem kleinen Mädchen zu schenken, dem er auf dem Jahrmarkt begegnet, nimmt seine Gewinne nach Hause, bereitet ihnen Essen und unterhält sich mit ihnen, als wären es seine Gefährten. Da ihm diese Gesellschaft auf Dauer nicht befriedigt, nimmt er sich schließlich ein totes Mädchen mit nach Hause. Franco ist es durchaus gelungen, McCarthys verstörende Geschichte im Ton auch auf die Leinwand zu übertragen, wobei auch die erzählenden Kommentare aus dem Off dazu beitragen, die Sprache des Pulitzer-Preisträgers zu transportieren. Den Vergleich mit der literarischen Vorlage hält "Child of God" natürlich nicht stand. Aber als irritierendes Portrait eines gefallenen Mannes vermag der Film durchaus gut zu unterhalten.
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