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Kritik von Mathias Broxtermann zu 'Star Wars: Die Letzten Jedi'

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Kritik von Mathias Broxtermann
veröffentlicht am 11.01.2018
75%
Ein Prequel ist eine Fortsetzung eines Films, die aber chronologisch vor der Handlung des vorherigen Werks angesiedelt ist.
Ein Spoiler ist eine Information zur Handlung, die wesentliche Spannungs- oder Überraschungselemente vorwegnimmt.
"Star Wars - The last Jedi" ist nicht leicht zu beschreiben. Vielleicht sollte ich mich einfach direkt outen: Er ist gut und der guten Kritiken würdig, und jede Kritik die sagt, er wäre enttäuschender als die Prequels (kein Scherz, man findet solche) ist sofort disqualifiziert. Aber es gibt ein paar Probleme... Und deshalb wird dies auch ein Spoiler-Review.

Er hat eine gute Handlung mit einigen Überraschungen, und gleichzeitig einige fragwürdige Drehbuchentscheidungen bzw. Nebenhandlungsstränge. Er ist oft witzig, leider teilweise an völlig unpassenden Stellen. Die meisten Charaktere haben eine schlüssige Entwicklung, einige werden ein wenig vergessen. Die Actionszenen und Effekte sind sehr gut, und ich war genügend an den Hauptfiguren interessiert damit diese Szenen auch zählen. Gleichzeitig sind sie oft zu glatt, zu durchchoreographiert, zu perfekt.

Der Film hat offensichtliche Parallelen zu "The Empire strikes back", dem Kronjuwel der Star Wars Filme. Rey nimmt ihr Training bei Luke Skywalker auf, und die Rebellen, die sich jetzt der Widerstand nennen, wird gnadenlos von der First Order gejagt.
Die Handlung dreht sich zentral um Rey, Luke und Kylo Ren, und es hat mich gefreut, dass diese auch eine klare Entwicklung durchmachen, wie man es von den Hauptcharakteren erwarten sollte. Kylo Ren bleibt, entgegen den Unkenrufen die bereits bei "The Force awakens" laut wurden, ein interessanter Antagonist, der vor allem von Unsicherheit getrieben wird als von reiner Boshaftigkeit. Die Darsteller sind hervorragend, und es war erfrischend, einen desillusionierten Luke zu sehen, der im Grunde mit der Macht gebrochen hat. Das Highlight der Entwicklung dieser Charaktere ist wahrscheinlich der Versuch von Rey, Ren auf ihre Seite zu ziehen. Ein Versuch der scheiter, aber zu einem komplett unvorhergesehenen Twist führt und angenehm von etablierten Star Wars Bauarten abweicht, sowie wortwörtlich ein ganzes Universum an Entwicklungsmöglichkeiten für den nächsten Teil eröffnet. Vielleicht kann man bald die Macht nicht mehr plump in hell und dunkel teilen.
Leider kommen einige Nebenrollen dabei zu kurz. Poe, Leia und insbesondere Finn kämpfen damit, etwas zu tun zu haben. Nun sie kriegen etwas zu tun, allerdings schickt sie das Drehbuch auf einen Seitenhandlungsstrang den ich eher als schwach und deplatziert einschätze (ja, ich spreche von der gesammten Kasinosequenz). Dann gibt es einige Charaktere, die einfach nutzlos sind, wie DJ (Benicio Del Toro) und, mal wieder, Captain Phasma (Gwendoline Christie, Brianne of Tarth aus "Game of Thrones"). Finn findet eine (unterentwickelte) Romanze, diese hat aber keinen Einfluss auf die Handlung und führt sogar zu einer der etwas dümmeren Szenen im Film.

Einige Szenen muss ich explizit positiv hervorheben. Ich habe es geliebt, wie der Film subtil einen großen Haufen auf die Prequels setzte. In einer Szene erklärt Luke seine Abstinenz von der Macht mit dem Versagen der Jedi, die Bedrohung für die Republik zu erkennen, die daraufhin von Imperator Palpatine zum Imperium überworfen wurde. Ich sehe darin einen direkten Hieb auf George Lucas' Drehbuchversagen, dass die Jedi in den Prequels zu Idioten degenerierte, die zwar die ganze Zeit von einer Bedrohung jammern, aber es nicht hinbekommen eins und eins zusammen zu zählen und Palpatine zu überführen. Und dann ist da noch die Szene, in der Luke scheinbar den Beschuss der gesammten Armee der First Order blockt, was ich als eine Anspielung auf das lächerliche Laserschwertgefuchtel in den Prequels deute, das jede Spannung zunichte machte. Hier wird genau dies allerdings in seinen smarten Twist umgewandelt.

Die Szene, in der Rey und Ren Snoke "entthronen", und den folgenden Kampf im Thronraum zähle für mich zu einer der stilsichersten und sehenswertesten der der gesamten Star Wars Reihe. Ich sage sowas nicht leicht, aber diese Szenen waren exzellent und der offene Ausgang machten sie um so besser. Ausserdem habe ich hier die Notiz "Kollision bei Lichtgeschwindigkeit": Mann ist inzwischen mit Spezialeffekten so übersättigt, dass es zu den absoluten Seltenheiten gehört, wenn man bei einer Szene ein erhabenes "Wow!" durch den Kinosaal gehen hört. Well done!

Eine kurze Bemerkung noch zu dem Humor, der wie gesagt an einigen Szenen etwas deplatziert war und mit Sicherheit einige stören wird. Ich hatte generell kein Problem damit, habe es aber gefeiert, dass der Film sich systematisch über General Hux (hervorragend: Domhnall Gleeson (Bill Weasley aus "Harry Potter") lustig macht. Und das hat einen Grund: "Star Wars" war immer in seinem Kern "Zweiter Weltkrieg im Weltall". Es gibt zahllose Artikel, die sich mit der vergleichbaren Ästhetik diverser Szenen und der von faschistischen Propagandafilmen auseinandersetzt. General Hux ist inmitten dieser Ästhetik ein lächerlich überzogener Weltraumnazi, und der Film hat keinerlei Respekt vor ihm. Ich habe es geliebt.

Wenn ich jetzt nochmal drüberlese ist das definitiv keiner meiner strukturstarken Kritiken, aber sie passt zu einem Film, der selber nicht besonders strukturstark ist. Das soll nicht heißen das er schlecht ist, im Gegenteil. Unterm Strich ist es einer der stärkeren Einträge in das Star Wars Franchise. Sehenswert!

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