Was steckte wirklich hinter dem Anschlag auf das New Yorker World Trade Center? Was sind die wahren
Gründe für den Krieg der Amerikaner in Afghanistan und dem Irak? Diese Fragen versucht Michael Moore in
seinem neuesten Film zu beantworten, und zeigt auf unterhaltsame Weise Hintergründe, die den Lauf der
Geschichte in den vergangenen Jahren vermutlich stark beeinflusst haben.
11. September 2001: die Vereinigten Staaten werden von mehreren Terroranschlägen erschüttert. Zwei Flugzeuge
stürzen in New York in die beiden Türme des World Trade Centers, ein Flugzeug ins Pentagon in Washington
D.C. und ein weiteres stürzt in Pennsylvania ab. Die Welt ist gelähmt, an erster Stelle George W. Bush,
der zu diesem Zeitpunkt in einem Klassenzimmer sitzt und mit Kindern ein Kinderbuch liest, und von der
Benachrichtigung durch einen seiner Mitarbeiter bis zu seiner ersten Reaktion sieben Minuten braucht.
Doch wie kam es dazu? Wie wurde Busch überhaupt Präsident? Wie sich zeigt, gab es einige Seilschaften
hinter den Kulissen, die an entscheidenden Positionen dazu beigetragen haben, daß es hier wohl
nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. So wurde beispielsweise potentiellen Wählern, die gegen Bush gestimmt
hätten, einfach die Stimme entzogen, und auch ein Einspruch amerikanischer Abgeordneter, die die Rechtmäßigkeit
der Wahl anfechten wollten, wurde aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt.
Die Hintermänner der Anschläge sind schnell gefunden: es war die Al-Kaida, deren Kopf der seit Jahren gesuchte
Osama Bin Laden ist. Seltsam, daß trotz absoluten Flugverbotes alle Familienangehörigen seiner Familie, die
sich in den USA aufgehalten haben, höchstoffiziell aus dem Land gebracht wurden. Andererseits aber auch kein
Wunder, denn die Familien Bush und Bin Laden sind schon seit vielen Jahren eng befreundet, daher ist es zu
ihrem eigenen Schutz wohl besser, sie nicht der Gefahr auszusetzen, sie in der Nähe amerikanischer
Bürger zu lassen.
In den Monaten nach den Anschlägen herrschte Angst in Amerika, die von der Presse und der Regierung Tag für
Tag geschürt wurde. Selbst die Gesetzgebung lies sich blenden, so wurde innerhalb kürzester Zeit ein Gesetz
erlassen und verabschiedet, das den Bürgern viele Grundrechte nahm, und von dem meisten abgeordneten, die es
unterzeichnet haben, noch nicht einmal durchgelesen wurde. Um dies zu ändern, fährt Michael Moore mit einem
Eiswagen durch das Regierungsviertel, um dem Abgeordneten und dem Volk mit Lautsprecherdurchsagen aus dem
Auto heraus vorzulesen, was im "Patriot Act" eigentlich geschrieben steht.
Strenggenommen erzählt der Film jemandem, der sich hierzulande auch nur gelegentlich mit Nachrichten
beschäftigt, nicht viel Neues. So war die Wahl George W. Bushs zum Präsidenten zumindest stark umstritten, und
auch die Tatsache, daß die Familie Bin Laden nach dem Anschlag in New York zum "eigenen Schutz" geschlossen
aus dem Land gebracht wurde, ist bekannt - zumindest außerhalb der USA. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten
scheint die Öffentlichkeitsarbeit der Presse aber nicht so unvoreingenommen zu sein wie hier, was "Fahrenheit 9/11"
zu einem wichtigen Film macht, der Zusammenhänge zeigt, die der amerikanischen Obrigkeit unangenehm sind.
Auch daß der Führer der "freien Welt" nicht gerade der Hellste ist, ist nicht neu, andererseits ist das nicht
zum ersten mal im Laufe der Geschichte so, und mal ehrlich: selbst wir hätten vor einigen Jahren beinahe das
selbe Phänomen gehabt.
Neu ist allerdings zu sehen, mit welchen Methoden und Lügen junge Menschen, zumeist Arbeitslose aus ärmeren
Gegenden, wie zum Beispiel Michael Moores Heimatstadt Flint, zum Dienst für ihr Vaterland rekrutiert werden,
und wie sie innerhalb kürzester Zeit die Motivation verlieren, weil sie erkennen, daß man sie an der Nase
herumgeführt hat, zum einen, was ihre beruflichen Aussichten beim Militär angeht, zum anderen, weil sie sehen,
daß der Krieg, in dem sie aus Überzeugung kämpfen, eigentlich nicht auf den Fakten beruht, wegen der sie
die olivgrünen Uniformen angezogen haben.
Mindestens genauso interessant wie der Film selbst, sind die Wellen, die er erzeugt hat, und noch mehr als
der Film selbst zeigen, wie weit die Macht der amerikanischen Regierung geht. So hat sich der ursprüngliche
Verleiher in den USA geweigert, den Film in die Kinos zu bringen, erst nachdem der Film international
angesehen war und die Goldene Palme von
Cannes gewonnen hatte, wurde er der breiten Masse gezeigt.
Meinungsfreiheit scheint also auf der anderen Seite des großen Teichs ein Fremdwort zu sein, was auch durch
Beispiele im Film verdeutlicht wird.
Die Erzählweise von "Fahrenheit 9/11" ist ähnlich wie bei Michael Moores anderen Dokumentarfilmen, und wieder
einmal schafft er es, ein heißes Eisen zu finden und so zu schmieden, daß es nicht nur dokumentarisch
gut sondern auch als Film unterhaltend ist. Man könnte dem Film sicherlich vorhalten, er sei einseitig und
wolle den Zuschauer durch seine Schlußfolgerungen auf seine Seite ziehen, damit bedient sich Moore aber nur
der Waffen, die auch die amerikanische Regierung und die Presse gebraucht haben - mit weitaus
verheerenderen Folgen. Moore beschuldigt niemanden direkt, sondern überlässt die Schlußfolgerung dem
Zuschauer, und ein ums andere mal lässt er seine Gegner so lange reden, bis sie sich selbst in die Ecke
gedrängt haben.
Der Film ist nicht so unterhaltsam wie Moores letzter Film
"Bowling for Columbine", trotzdem zeigt er auf eine verständliche
und angenehme Weise die Hintergründe der amerikanischen Weltpolitik der letzten Jahre. Moore, der "Robin Hood
der Filmemacher" setzt sich wieder einmal für die Schwachen und Unterdrückten ein - in diesem Fall das
amerikanische Volk. "Fahrenheit 9/11" ist ein wichtiger Film, insbesondere für die Vereinigten Staaten,
und ein Film, den niemand, der sich auch nur ansatzweise für Politik interessiert, verpassen sollte.