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Kritik von Benjamin Falk zu '11:14'

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Partner von Fantastic Zero
Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 27.02.2012
80%
Seit "11:14" in Deutschland erschienen ist, sehe ich den Film eigentlich alle paar Jahre mal und so habe ich ihn nun bestimmt schon bereits zum dritten mal gesehen. Das liegt ganz einfach daran, dass man hier einen schön unkonventionellen und cleveren Film vor sich hat.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen dabei ausnahmsweise mal keine Figuren sondern eine Uhrzeit. Die Uhrzeit 11:14 Uhr ist hier nämlich der Hauptdarsteller, denn immer um diese Zeit ereignet sich etwas an verschiedenen Orten in einer Kleinstadt. Diese Ereignisse haben allerdings alle miteinander zu tun. Eröffnet wird das Ganze mit der Figur Jack. Er fährt in der Nacht Auto und trinkt nebenbei. Plötzlich hat er einen Unfall und bemerkt, dass er scheinbar einen Menschen überfahren hat. Da es in dieser Gegend viele Wildunfälle gibt, versucht er es als einen diesen aussehen zu lassen und versteckt die Leiche in seinem Kofferraum. Ein vorbei kommender Polizist wird allerdings skeptisch, entdeckt die Leiche und nimmt Jack fest. Damit beginnt das ganze Treiben dann erst wirklich.

Insgesamt bekommt man fünf Episoden geboten, die alle miteinander zu tun haben. Mit jeder Episode erkennt man mehrere Charaktere wieder und die Beziehung von den verschiedenen Figuren wird immer deutlicher. So hat es die erste Episode natürlich am schwersten, denn hier kennt der Zuschauer noch überhaupt keine Figur und das Ganze ergibt erst mal relativ wenig Sinn. Das stört allerdings überhaupt nicht, denn von Episode zu Episode bekommt man mehr Information und viele kleine Details ergeben dann hinterher durchaus Sinn. Das Drehbuch ist wirklich ziemlich gut geschrieben und es war sicherlich nicht ganz einfach, dies auch so umzusetzen. Regisseur Greg Marcks, der übrigens auch das Drehbuch schrieb, macht seine Sache da allerdings ordentlich. Gerade da so viele Dinge parallel stattfinden, war es ganz sicher eine Herausforderung hier Fehler zu vermeiden. Es sind mir zwar ein paar Szenen aufgefallen, bei denen ich ein wenig skeptisch war ob das nun in das Zeitfenster passt, aber diese Szenen halten sich erfreulicherweise sehr in Grenzen. Das Ganze ist auch deshalb so beeindruckend, weil Marcks hier sein Regiedebüt gab. Dafür kann sich die handwerkliche Umsetzung wirklich sehen lassen. Am Drehbuch und an der Inszenierung gibt es also nichts zu meckern.

Die Darsteller haben mir allesamt sehr gut gefallen. Henry Thomas spielt am Anfang eine Rolle und viele werden ihn sicherlich als Kinderstar aus "E.T." kennen. Barbara Hershey ist nicht viel zu sehen, macht ihre Sache aber ebenfalls gut. In etwas größeren Rollen sieht man Hilary Swank und Patrick Swayze, die ich beide sehr stark fand. Ansonsten sind noch Nachwuchstalente wie Ben Foster, Colin Hanks oder Jason Segel zu sehen und wirklich alle Darsteller spielen sehr passend.
Die Figurenzeichnung spielt hier natürlich eine nicht ganz unwichtige Rolle. Damit ist nicht gemeint, dass die Charaktere viel Tiefe erreichen müssen, denn dies ist schon alleine wegen der Episodenumsetzung kaum möglich. Wichtig ist hingegen, dass alle in einer gewissen Beziehung miteinander verbunden sind und dass dies dem Zuschauer auch klar wird. In dieser Hinsicht ist die Figurenzeichnung auf jeden Fall sehr gut gelungen und auch ansonsten hat man ein paar ordentliche Charaktere kreiert.

Der Unterhaltungsfaktor ist sehr überzeugend. Ohne Abspann läuft das Treiben gerade mal knapp 80 Minuten und bleibt somit sehr kurzweilig. Die fünf Episoden haben eine Laufzeit von etwa zehn bis 20 Minuten und sind alle sehr interessant anzusehen. Gerade wenn man den Film noch nicht kennt, ist er durchaus spannend, weil es erst herauszufinden gilt, wie die Personen zueinander stehen und was dort wirklich geschehen ist. Hier bietet "11:14" einige nette Wendungen, die man so nicht unbedingt vermutet hätte. Doch auch wenn man schon weiß, was dort vor sich geht, wird es nicht langweilig, denn dann macht es Spaß auf Details zu achten. Gerade da es eigentlich keine sichtbaren Logikfehler gibt, macht dies viel Spaß. Und dann wäre da noch die durchaus starke Atmosphäre. Man bekommt ein bisschen Thriller und ein bisschen Drama geboten, aber vor allen Dingen ist "11:14" eine schwarze Komödie mit politisch unkorrektem und bösem Humor. Der Film ist wirklich ziemlich böse, nebenbei aber auch einfach sehr komisch. Mir gefällt diese Art von Humor sehr gut und deshalb konnte ich auch desöfteren lachen.
Ein paar Effekte gibt es zu sehen und diese sind ordentlich. Ganz harmlos geht es auch nicht gerade zur Sache und mit ein paar blutigen Szenen wird nicht gegeizt.
Der Score ist recht unauffällig, aber passend und gut.

Fazit: "11:14" überzeugt mit einer vollkommen durchdachten und logischen Handlung, welche wegen ihrer episodenartigen Erzählung den Rahmen des üblichen Mainstreamkinos sprengt. Hier muss man selbst mitdenken und sich die Auflösung Stück für Stück erarbeiten. Das macht Laune, ist detailverliebt und wurde inszenatorisch fast komplett fehlerfrei umgesetzt. Die Darsteller spielen alle sehr gut, die Figurenzeichnung ist gelungen und der Unterhaltungswert ist sehr kurzweilig. Nebenbei bekommt man eine richtig böse schwarze Komödie und wer es gerne etwas böser hat, sollte sich "11:14" nicht entgehen lassen.

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