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Kritik von Hans-Jürgen Prechtl zu 'Alien: Covenant'

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Kritik von Hans-Jürgen Prechtl
veröffentlicht am 13.05.2017
55%
Ein Trailer ist ein aus einigen Filmszenen zusammengesetzter Clip zum Bewerben eines Kino- oder Fernsehfilms, eines Computerspiels oder einer anderen Veröffentlichung. Der Zweck eines Trailers ist es, dem Publikum einen Vorgeschmack auf das beworbene Produkt zu geben und natürlich Werbung für dieses zu machen.
Ein Spoiler ist eine Information zur Handlung, die wesentliche Spannungs- oder Überraschungselemente vorwegnimmt.
In "Alien: Covenant" ist ein Raumschiff mit über 2000 Menschen an Bord auf dem Weg, einen weit entfernten Planeten zu erreichen, um dort eine Kolonie zu gründen. Eine Sterneneruption verursacht jedoch den Ausfall wichtiger Systeme an Bord und ruft die Crew auf den Plan, die sich bis dahin im Hyperschlaf befand. Nach der Reparatur der Schäden erregt plötzlich ein Funksignal die Aufmerksamkeit der Besatzung und sie beschließen, dessen Ursprung zu ergründen. Mit einem Shuttle landet daraufhin ein Teil der Crew auf einen fremden Planeten. Nach einer kurzen Erkundung wird die Gruppe von Aliens angegriffen. In den Wirren des Angriffs explodiert bedauerlicherweise das Shuttle und die Gruppe sitzt damit auf dem Planeten fest. Neue Hoffnung kommt auf, als überraschend eine vor 10 Jahren bereits gestrandete Person auftaucht und seine Hilfe anbietet. Doch die Hilfe entpuppt sich am Ende als tödliche Falle. Als einzige Rettung bleibt nur die Flucht, aber ein kosmischer Sturm oberhalb der Atmosphäre des feindseligen Planeten erschwert die Bergung durch das Mutterschiff ...

Optisch ist "Alien: Covenant" in das gleiche Gewand gekleidet, das bereits dem Vorgänger "Prometheus" zu eigen war. Blasse Farben mit grau-grünem Grundton durchziehen das Bild. Innenaufnahmen von gruftgleichen Gewölben kommen in bernsteinfarbenem Licht zum Vorschein, während die technische Szenerie in den Raumschiffen durch stahlblaue Töne hervorgehoben wird. Als richtig brutal stellt sich der Film nicht heraus. Am blutigsten sind drei Szenen, in denen jeweils ein Alien aus einem Menschen herausbricht. Dazu kommt noch eine Sequenz (die beste und leider auch die einzige im ganzen Film), in der das Monster mit seinem dolchartigen Mundwerkzeug in bekannter Weise zuschlägt.

Abgesehen davon zeigten sich mir bei "Alien: Covenant" vor allem vier Hauptkritikpunkte:

1. Kein stimmiges Konzept
Regisseur Ridley Scott führt in "Alien: Covenant" seinen vor fünf Jahren eingeschlagenen Weg aus dem Vorgänger "Prometheus" unbeirrt fort. Zusätzlich unternimmt er den Versuch, das eher von Trägheit geprägte Grundgerüst aus "Prometheus" mit Versatzstücken aus "Alien" zu kreuzen. Wie die Überschrift dieses ersten großen Kritikpunktes bereits erahnen lässt, misslingt die Kreuzung. Stattdessen schlägt das Ergebnis ins Gegenteil um, denn der Zuschauer bekommt keine klare Struktur, auf die er sich konzentrieren kann. Es ist kaum möglich, diesen Kritikpunkt ohne Spoiler zu untermauern, daher bemühe ich dafür ein Szenario, das jedem bekannt sein dürfte: Man stelle sich vor, man fährt auf der Autobahn, will zügig vorankommen und nimmt dafür die linke Spur. Aus der erhofften zügigen Fahrt wird aber nichts, da vorausfahrende Fahrzeuge einen schnellen Verkehrsfluss unterbinden. Nach etlichen Kilometern ist plötzlich mal die Bahn frei und das Gaspedal wird sofort durchgedrückt. Kaum freut man sich, dass es endlich vorwärts geht, da setzt sich schlagartig das nächste Fahrzeug vor die Stoßstange und der Müßiggang geht weiter. Jeder Autofahrer kennt diese nervige Situation und genau so muss der Zuschauer auch den Verlauf von "Alien: Covenant" erdulden. Die langen Passagen mit blockierter Fahrbahn symbolisieren in diesem Vergleich die Story, während die Momente mit freier Fahrt für Alienattacken stehen. Man könnte jetzt dem Gedanken verfallen, dies wäre doch ein gutes Grundkonzept. In "Alien: Covenant" fehlt es aber genau wie bei der vergleichenden Autofahrt gehörig an Ausgewogenheit. Die Balance zwischen der mythologisch philosophischen Erzählung und den Alienelementen steht in einem krassen Missverhältnis. Noch deutlicher wird es, wenn man folgendes Gedankenexperiment vornimmt: Man nehme die erste Hälfte von "Prometheus", fülle die Lücken mit belanglosen Szenen (z. B.: Ein Androide bringt seinem "Bruder" das Flötenspiel bei - ernsthaft!) auf und schneide alle aufregenden Momente aus den Trailern von "Alien: Covenant" wahllos dazwischen. Fertig ist das unstimmige Konzept, das schließlich bitter aufstößt. Der Film ist einfach nicht aus einem Guss.

2. Kein würdiger Auftritt der Aliens
Der Film trägt diesmal bereits im Titel das Wort "Alien"! Damit gibt aus meiner Sicht Regisseur Ridley Scott das Versprechen ab, dass man einen Film zu sehen bekommt, in dem ein Alien eine maßgebliche Rolle spielt. Zudem muss sich der Regisseur den Vorwurf gefallen lassen, dass er im Vorfeld vollmundig verkündet hat, dass "Alien: Covenant" den Zuschauer vor Angst erstarren lässt. Keine dieser beiden grundlegenden Erwartungen wird aber erfüllt! Die Aliens dienen im Film nur als Lückenfüller, um zwischendurch das Publikum wach zu rütteln, bekommen aber keine durchgehend bedrohliche Präsenz. Wenn es zu einer Auseinandersetzung mit einer Kreatur kommt, ist die Szene so schnell wieder vorbei, wie sie begonnen hat. Dazwischen entsteht keine klaustrophobische Stimmung oder anhaltende Dramatik bis zur nächsten Konfrontation. Das schlechte Timing der Alienattacken macht die Angriffe der Monster nicht besser. Den Kreaturen in "Alien: Covenant" fehlt es auch grundlegend an bedrohlicher Ausstrahlung. Verantwortlich sind dafür mehrere Punkte: Die computeranimierten außerirdischen Geschöpfe sind dermaßen künstlich, dass sie leblosen Actionfiguren aus dem Merchandise gleichen. Manches Monster legt sogar ein verspieltes Verhalten an den Tag, welches einem neu geborenen Ferkel gleichkommt. Intelligenz wurde den Aliens in diesem Film auch nicht in die Wiege gelegt. Mehrmals lassen sich die dummen Biester zu leicht in eine Falle locken. Lediglich zwei kurze Momente stellen unter Beweis, was Großartiges möglich gewesen wäre. Leider bleibt es aber nur bei diesen beiden Szenen, die auch in den Trailern zum Film für das Marketing groß ausgeschlachtet werden. Wovor soll sich also der Zuschauer fürchten? Einzig davor, dass man enttäuscht nach dem Film das Kino verlässt!

3. Keine spannende Geschichte
Obwohl der Film gegen Mitte der Laufzeit interessante Storydetails in den Ring wirft, kommt dabei nichts raus. Stattdessen präsentiert man nebenher mal eben eine Rückblende, deren Inhalt nicht weiter aufgegriffen oder tiefer ergründet wird. Hier lässt der Film inhaltlich das meiste Potenzial einfach links liegen. Grundsätzlich gliedern sich die Ereignisse in "Alien: Covenant" auf in zwei Handlungsstränge, die beide nur oberflächlich vorangebracht werden. Der erste Handlungsstrang beschreibt das Schicksal der Besatzung, die auf einen unbekannten Planeten landet und dort anschließend festsitzt, vergleichbar mit der Erzählung von Robinson Crusoe. Im zweiten Handlungsstrang, der maßgeblich den Film trägt, dreht sich die Geschichte um den Androiden David (Michael Fassbender), der finstere Pläne verfolgt. Hier begibt sich "Alien: Covenant" deutlich auf die Pfade von "Mary Shelley's Frankenstein". Irgendwo dazwischen kommt dann noch die Alienbrut ins Spiel. Das Drehbuch scheitert leider daran, all diese Ebenen spannend und nahtlos miteinander zu verbinden. Zudem werden entscheidende Abläufe von den Protagonisten zum Leidwesen des Zuschauers dazu noch extra angekündigt. Beispiel gefällig? Im Finale schildert Daniels (Katherine Waterston) genauestens ihren Plan, wie sie dem Alien habhaft werden will und anschließend läuft es dann auch genau so ab! Überhaupt ist vieles leicht vorhersehbar. Überrascht wird man somit kaum. Wer sich dagegen gerne an visuellen Zitaten erfreut, wird in "Alien: Covenant" reichlich fündig. Ridley Scott bedient sich hier unverhohlen aus seinen Werken und der seiner Kollegen, speziell, wenn es um Szenen geht, in denen ein Alien zu sehen ist. Das Finale zum Beispiel ist ein offensichtlicher Mix aus "Terminator" und "Aliens - die Rückkehr", aber längst nicht so eindrucksvoll umgesetzt, wie in den großen Vorbildern.

4. Die Protagonisten werden verheizt
In "Alien: Covenant" tummelt sich eine komplett neue Schar an Protagonisten, die es nötig hätten, ausführlich vorgestellt zu werden. Keine der neuen Figuren bekommt aber ein prägnantes Profil spendiert, um individuell herauszustechen. Alle Charaktere bleiben nebeneinander blass gezeichnet, sodass es im Grunde egal ist, wer gerade auf der Leinwand agiert. Wenn der Film damit beginnt, die Crewmitglieder nach und nach in die ewigen Jagdgründe zu schicken, fühlt man mit keinem Opfer mit. Nie bangt man irgendwann um das Leben eines Protagonisten. Im Gegensatz zu Sigourney Weavers ikonischer Rolle als Lt. Ellen Ripley kristallisiert sich in "Alien: Covenant" bis zum Schluss auch keine Leitfigur heraus. Wer am Ende zufällig noch lebt, hat eben die undankbare Aufgabe vor sich, den Angreifern den Garaus zumachen.

"Alien: Covenant" ist schlussendlich keine Rückkehr zu den Wurzeln von "Alien", vielmehr eine enttäuschende Fortsetzung zu "Prometheus". Der Film steht sich selbst im Weg, weil er sich nicht entscheidet, was er sein will.

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