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Kritik von Göran Ruser zu 'Fifty Shades of Grey'

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Kritik von Göran Ruser
veröffentlicht am 13.05.2018
20%
Ein anderes Wort für Drehbuch. Auch Webseiten basieren zumeist auf Scripten, meistens PHP. Aber das ist ein anderes Thema! ;-)
Eine Soap oder Sop-Opera (engl. für Seifenoper) ist eine endlose Fernsehserie, die meist mehrmals wöchentlich ausgestrahlt wird. Sie wird meist billig produziert und dient hauptsächlich dazu, ein werbefreundliches Umfeld zu schaffen.
50 Shades of Grey (2015) - Filmkritik

" ... soll ich da mal so ein ganz frisches Steingrau empfehlen?"
Loriot hätte vermutlich seinen Spaß an den Grautönen gehabt.
Ich ziehe dem missglückten Lendenschocker auch ein 10. Mal Vicco von Bülows "Ödipussi" vor.
Der Film "50 Shades of Grey" ist reinstes Kassengift: Drehbuch, Inszenierung, Schauspieler - ein unangenehmes Gemisch, das dem Zuschauer sauer aufstößt. So bekommt man pures Arsen statt in Wallung bringenden Saft vom roten Bullen. Hier wird Valium mit Viagra verwechselt, Tranquilizer verabreicht anstatt Testosteron fließen zu lassen.

9 1/2 Doktorspielchen
Die einzige Orgie, die mir bei "50 Shades of Grey" in den Sinn kommt, ist die Lachorgie als Gruppentherapie. Denn alles was sich hier passend paart, sind Nipplegate, Watergate und ein cineastisches Waterloo, so dass einem die Lust auf echt verdammt harten Sex ("I don't make love. I fuck ... hard.") schnell vergehen kann. Method acting at it's best. Leider wird hier nur die Methode aus "GZSZ", "Rote Rosen" und "Sturm der Liebe" zum besten Schlechtesten gegeben.
"Eis am Stiel" Teil Nix oder der Braune Bär zeigt dem Ed von Schleck seinen Magnum Flutsch Finger.

Mehrfach ausgezeichnet! Mit Anti-Preisen.
Man weiß gar nicht, wo man mit dem Vergeben von Goldenen Himbeeren anfangen soll. Offiziell wurde der Pseudoreißer fünf mal mit dem Gegenstück zum Oscar für herausragend schlechte Filmleistungen ausgezeichnet. Das ist ohne Zweifel zu viel. Denn für diesen Schund hätte man den "WCA" (Worst-Case-Award) erfinden und ihn damit zuschütten müssen.
Oder wie wär's mit der Trophäe "Die ausgefranste Pferdepeitsche"? Auch machbar: Statt der eisernen die "Verrostete Jungfrau". Die Goldenen Himbeeren können sich die Prämierten sogar mit Stolz ins leere Regal stellen. Es hätte weitaus schlimmer kommen können. Sogar müssen.

Will einer die Story erfahren?
Ok, die Kurzfassung: Milliardär Chris macht die schüchterne Anastasia klar. Die ist noch Jungfrau und jobbt im Baumarkt. Wie praktisch! Denn der durchtrainierte Beau hat ein unverschämt perverses Laster. Er haut gerne Frauen. Natürlich nur, wenn sie sich vertraglich dazu einverstanden erklärt haben. Der aber auch in jeder Hinsicht bemitleidenswerte Paragraphenreiter tut dies deshalb, weil er selbst eine total miese Kindheit erleiden musste, die von Gefühlskälte und noch viel Schlimmerem geprägt war.
Als er seine Wahl-Mätresse in dem hübsch eingerichteten SM-Spielzimmer so richtig nach Strich und Faden vermöbelt, ist sie stinksauer und verlässt ihn. Das hat der lüsterne Haudrauf nun davon: Wer anderen den Arsch vermöbelt, sitzt allein in seinem Mobiliar. So weit das Ende von Teil 1.

Dümmliche Dialoge werden durch die schlaffe Handlung gepeitscht
Gleich vorab: Ich weigere mich prinzipiell (und eben auch in diesem Fall) einen Buch-Film-Vergleich anzustellen. Denn das wäre an Unsinnigkeit nicht zu überbieten. Ich denke aber, auch der Roman gehört nicht in die Liste der Bücher, die man bis zu seinem Tod gelesen haben sollte.
Was sich wiederum die Drehbuchautorin Kelly Marcel trotz oder wegen der Romanvorlage geleistet hat, besitzt den Charme und die Brisanz eines batterieschwachen Gummivibrators. Was der zumindest ober- und unterhalb der Gürtellinie blutleere Jamie Dornan (als Christian Grey) an (Leer-)Zeilen von sich geben muss, ist eine leidenschaftliche Bewerbung für jede Vorabend-Soap. Die anspruchslosen Zuschauer wissen von welchem Niveau ich spreche. Von keinem.

"Hier ist der Vertrag. Lies ihn bitte sorgfältig durch. Wenn du Fragen hast: Schick mir eine E-Mail."

Früher traf man sich regelmäßig zum Videogucken des Soft-Porno-Streifens "Showgirls" (1995). Der Streifen mit Elisabeth Berkeley und Gina Gershon (Regie: Paul Verhoeven) eignete sich hervorragend, um sich vor Lachen das gesamte Tränenreservoir zu entleeren. Die Ohren waren wegen der haarsträubenden Dialoge bereits kurz vorm Ausbluten.
Was sich da vor der Kamera abspielte, tja, das wurde erst jetzt durch die heitere Peitschen schwingende Komödie in punkto Lächerlichkeit getoppt.

Wie macht es eigentlich Dakota Johnson?
Etwas besser. Man könnte fast sagen, sie trägt den Film. Was auch immer das heißt.
Aber der Teenie-SM-Movie ist trotz einer edlen Bilderaneinanderreihung so prall gefüllt mit freizügig zur Schau gestelltem Dilettantismus, dass sie darunter permanent auf die Knie fällt. Wenn das mal kein Zufall ist.
Die Tochter von Don Johnson und Melanie Griffith hat durchaus Leinwandpräsenz. Mit und ohne Kleidung. Ein Gesicht wie das Morphing-Ergebnis einer Charlotte Gainsbourg und ihrer Landsmännin Sophie Marceau. Das ist keineswegs despektierlich gemeint. Im Gegenteil, nett anzusehen ist Dakota Johnson in jeder (Kameraein-)Stellung.
Aber hatte sie eine faire Chance? Enkelin, von Tippi Hedren, die im Hitchcock Psychothriller "Marnie" schon ihre Probleme mit Männern hatte und beim gleichen Regisseur im bekannten Schocker "Birds" auch nicht immer nett zu Vögeln war.
Nein, eine Chance in dem Film zu bestehen, hatte sie nicht. Da waren Hauptdarsteller und Regisseurin entschieden dagegen. Sie wird mit dieser Filmrolle und der Berühmtheit ihrer Eltern und Großeltern bekannt bleiben müssen. Selber schuld. Man lässt sich nicht auf Schläger, Auspeitscher und Milliardäre ein!

Um eines klarzustellen: Die wahren Schuldigen sind zwei Frauen. Oder soll ich drei an der Zahl nennen, wenn man den Roman ausnahmsweise hinzuzählt?
Hier die Übeltäterinnen:
1. Regisseurin: Sam Taylor-Johnson
2. Drehbuchautorin: Kelly Marcel
3. Buchvorlegerin: Erika Leonard alias E.L. James

Was führen diese Frauen im Schilde?
Ist es um ihre eigenen amourösen Abenteuer so schlecht bestellt, dass die lebhafte Fantasie beim erstbesten Gedanken "Halt"! ruft? Und das soll geil sein/machen?
Hatte Erika L. beim Schreiben "Die Geschichte der O" im Kopf und machte daraus eine A-Variante (A wie Anastasia)?
Wurde ihr schon lange vor der ersten Buchzeile ein lukrativer Hornbach-Deal versprochen? Plötzlich tummelten sich Alles-in-Obi-Frauen in Baumärkten und erkundigten sich nach der fachgerechten Einrichtung für den Hobbykeller.

Der Film findet ein abruptes Ende. Auch bei mir auf der Couch.
Wohin man auch schaut, die dominant herrschende Inhaltsleere springt einen permanent an. Vakuum umhüllt und erfüllt den Film. Er geht nicht richtig los, kommt kräftig ins Stottern und bläst und stößt nur lauwarme Luft aus.
Zusammenfassend kann man sagen: Die Steherqualitäten von "50 Shades of Grey" reichen nur für ein uninspiriertes Vorspiel.
Die Erotik will sich mit den müden Protagonisten im Großformat einfach nicht einstellen. Man fühlt sich ähnlich elektrisiert, wie beim CSU-Parteitag mit dem flotten Triple-S-Dreier Söder/Seehofer/Stoiber.

Ein anderer Kritiker fand Dornans Allerwertesten genauso ausdruckstark wie dessen Gesicht. Ich habe mich an beidem schnell satt gesehen.

Neben ausreichend Kleidung für die Hauptdarsteller sehnt man das baldige Ende herbei. Das kommt aber leider erst nach endlosen 125 Minuten. Die habe ich dann doch nicht geschafft. Irgendwo im Mittelteil war für mich Schluss. Wo ist die Fernbedienung? Was für den "Sänger" KAY-geiler-Arsch-geile-Titten-du-bist-weiter!-ONE bei DSDS noch funktionierte, kann ich hier leider nicht durchwinken.

Dementsprechend ist es wenig überraschend, dass die Optik allein eben doch nicht reicht. Die ist bis auf Dornans Gesicht (sein monotones Minenspiel will so gar keinen Eindruck hinterlassen) schon fast ansehnlich. Eben Hochglanz-Geprotze in scharfen (hier: hochauflösenden) Bildern. Nicht so edel und niveauvoll wie in Tom Fords A Single Man, aber immerhin.

Ab 12, 16 oder 18? Ab dafür!
Die Frage, wer über 16 sich das angucken sollte, ist schnell beantwortet. Am besten keiner. Man kann den Film schlicht nicht empfehlen. Bleibt zu klären, wer sich das überhaupt angucken darf!
Hartes Nehmen und schwungvolles Peitschen wird zu Recht mit der FSK-Empfehlung zensiert. In Amerika darf man übrigens erst ab 17 Jahren (ohne Begleitung) ins Kino. In Frankreich ab 12.
Bei uns sind es 16. Am besten mit 16 Personen. Denn wie gesagt: In der Gruppe lacht es sich am besten. Dafür ist der Film gut geeignet, vorausgesetzt, das Skript sollte eigentlich eine Slapstickkomödie à la "Austin Powers" betexten. Denn "50 Shades of Grey" hat durchaus Potential, um die Lacher auf seiner Seite zu haben.
Unfreiwillig komisch oder mit Absicht doof - das wird allerdings nicht so ganz deutlich.
Aber wenn Fragen bestehen sollten: Einfach eine E-Mail schicken.
Note: unbefriedigend.

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