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Kritik von Julien Dopp zu '3 Zimmer/ Küche/ Bad'

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Kritik von Julien Dopp
veröffentlicht am 09.04.2013
95%
Im Gegensatz zu vielen Kritikern und Meinungen im Bekanntenkreis empfand ich das Generationenportrait "3 Zimmer/Küche/Bad" von Dietrich Brüggemann als gelungener als den, allerdings auch schon sehr guten, Vorgänger "Renn, wenn du kannst".

Mit einem sensationellen deutschen Staraufgebot inszeniert Brüggemann mit "3 Zimmer/Küche/Bad" eine Komödie über acht junge Menschen, schätzungsweise Mitte 20, dessen mehr oder weniger chaotisches Leben der Zuschauer über ein Jahr lang verfolgt. Der Leitfaden in diesem Film ist, wie der Titel vermuten lässt, eine ganze Reihe von Umzügen, Trennungen, Neuanfängen und Offenbarungen. Die Figuren leiden, der Zuschauer amüsiert sich köstlich.

Da haben wir Philipp (Jacob Matschenz), der sein Studium offenbar nicht allzu ernst nimmt und lieber Fotograf werden möchte. Seine klammernde Freundin Maria (nervig: Aylin Tezel) will aus Freiburg zu ihm nach Berlin ziehen, dazu muss aber sein Mitbewohner Thomas (herrlich: Robert Gwisdek) mit seiner Freundin Jessica (gut: Alice Dwyer) eine gemeinsame Wohnung finden und ausziehen. Dann gibt es noch Dina (souverän: Anna Brüggemann, die auch mit am Drehbuch arbeitete), die beste Freundin von Philipp und beliebtester Eifersuchtsgrund von Maria. Die stürzt sich von einer Affäre in die nächste, während Philip danebensteht und mehr und mehr begreift, dass er eigentlich in sie verliebt ist. Dann gibt es noch Michael (Alexander Khuon), der typische Unsympath, der erst eine Affäre mit Philipps älterer Schwester Wiebke (Katharina Spiering) hat, sich im Laufe des Films aber auch durch Dinas und Jessicas Betten schläft. Und die letzte im Bunde ist Philips jüngere Schwester Swantje (großartig: Amelie Kiefer), die sowieso ihr ganz eigenes Ding macht.

Das klingt jetzt erstmal, als ob jeder mit jedem schläft - und ein bisschen ist das auch so. Kein Paar existiert am Ende des Films noch in der Konstellation wie am Anfang. Die acht Freunde schiffen sich durch kleinere und größere Katastrophen, Erfolge, Enttäuschungen und absurd-köstliche Situationskomik. Großartig sind vor allem die Dialoge, die dem darstellerischen 1A-Ensemble geschrieben wurden. "Wir sind die Generation, die kein Geld hat und auch nie welches verdienen wird", sagt Robert Gwisdek an einer Stelle. An einer anderen wird an einem Lagerfeuer zu Gitarrenmusik das dümmliche Lied "Der falsche Mond ist wärmer als der echte" gesungen, was allerdings so witzig ist, dass die Lachtränen nicht lange fort bleiben.
Aber auch die nachdenklicheren, tragischeren Momente werden nicht außer achtgelassen und mit einem stilsicheren, grandiosen Soundtrack unterlegt.

So entsteht ein sehr realitätsnahes, teils absichtlich überzogenes Portrait einer Generation, die immer auf der Suche ist, die flexibler und einfallsreicher ist als wohl jede davor, aber gleichzeitig auch immer auf der Stelle bleibt und sich nicht vorwärts bewegen kann.
Wunderbar ist aber auch, dass zwei Elternpaare ordentlich ihr Fett wegkriegen. Während die einzigartige Leslie Malton und der wie immer souveräne Herbert Knaup als Dinas Eltern nah an der Grenze zur Karikatur gezeichnet sind, sind es vor allem die zum Brüllen komische Corinna Harfouch ("Hätt ich euren Vater nicht rangelassen, hätts euch nicht gegeben. Vielleicht wär das besser gewesen, wenn ich so sehen wie ihr euch durch euer Leben kämpft und ich hätte von einem anderen Mann andere Kinder gehabt, erfolgreichere, mit weniger Problemen") und Hans-Heinrich Hardt als Eltern wie Phiilipp, Wiebke und Swantje, die in einer urkomischen Szene am Weihnachtstisch verkünden, dass sie seit 19 Jahren nur noch so tun als seien sie ein Paar und eigentlich sexuell schon lange eigene Wege gehen und damit die Vogel vollends abschießen.

Entstanden ist somit ein intelligent-unterhaltendes, witziges, originelles, akurat geschriebenes und brillant gespieltes Generationenportrait, das vielleicht nicht immer tiefgründig ist, sondern manchmal auch banal und auch Klischees nicht auslässt, aber authentisch, wahrhaftig und einfach wie das Leben ist, oder vielmehr, wie die Generation, die es beschreibt. Außerdem ist "3 Zimmer/Küche/Bad" auch der Beweis, dass es durchaus deutsche Komödien gibt, die einfach nur gelungen sind, ohne à la Mr. Keinohrhasen das Publikum verblöden zu wollen, die witzig und voller guter Ideen sind, die vielleicht nicht alle funktionieren (drei Mal vom Fahrrad fallen, wo das erste Mal schon nicht allzu witzig war), aber die sich bemühen und allerhand Überraschungen und temporeiche Wendungen parat halten.

Wer auf so eine Art Film Lust hast, dem sei das neueste Werk von Dietrich und Anna Brüggemann wärmstens ans Herz gelegt. Viel falsch machen kann man damit wirklich nicht. Wunderbar!

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