Cannes ist eine Stadt an der südfranzösischen Mittelmeerküste. Besonders bekannt ist Cannes durch die jährlich im Mai stattfindenden Internationalen Filmfestspiele.
www.festival-cannes.fr
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Seit mehr als 20 Jahren dreht
Ken Loach sozialkritische Filme, die den Alltag der sozial Benachteiligten in Großbritannien widerspiegeln und sich aktueller gesellschaftlicher Probleme annehmen (z. B. "
Raining Stones" 1993, "
Mein Name ist Joe" 1998, "
It's a Free World" 2007). Dazwischen gab es Blicke über den Tellerrand: in die USA zum Thema illegale Einwanderer ("
Bread and Roses" 2000) oder in die Vergangenheit, speziell die Zeit des spanischen Bürgerkrieges ("
Land and Freedom" 1995). Dank häufiger Einladungen zu internationalen Festivals, bei denen er einige wichtige Preise erhielt (z. B. 2006 Goldene Palme in
Cannes für "
The Wind that Shakes the Barley", ein Film über den irischen Unabhängigkeitskampf), waren die meisten seiner Filme in Deutschland im Kino zu sehen. Arbeitslosigkeit, Streik, illegale Beschäftigung und Jugendkriminalität sind allerdings Themen, die zwar bei uns keinesfalls unbekannt sind, aber nicht gerade das Publikum ins Kino ziehen. Dementsprechend kennt leider nur eine relativ kleine Schar von Kinogängern Ken Loach und weiß seine realistischen Filme zu schätzen. Dabei gelingt es ihm in seinen Tragödien (z. B. in "
Sweet Sixteen" 2002, einem Film über einen jugendlichen Drogendealer) regelmäßig die Zuschauer, die sich darauf einlassen, zu erschüttern und aufzuwühlen. Und er versteht es in anderen Filmen durch komische Elemente Wirkung zu erzielen (z. B. in "
Looking for Eric" 2009) und damit stärker an Unterhaltung interessierte Kinogänger zu erreichen.
Mit "Angels' Share" hat der Regisseur nun eine liebenswerte Komödie vorgelegt, die sich an klassische Genrefilme anlehnt, in denen mehr oder weniger sympathische Gentlemaneinbrecher das große Ding drehen. Seit Jahrzehnten wird das Thema in immer wieder neuen Varianten verfilmt, wobei sich die Filme in Ausstattung, prominenten Darstellern und Action zu überbieten versuchen, ohne wirklich mit etwas Neuem aufzuwarten. Beispiele aus dem letzten Jahrzehnt sind etwa "
Ocean's Eleven" (2001) und die
beiden Nachfolger von
Steven Soderbergh.
Ganz anders sieht das bei Ken Loach aus, der sein Team, das den Coup durchführt, aus dem absoluten sozialen Abseits rekrutiert. Zunächst stellt er die Loser-Typen vor, die nie ein Chance hatten und das auch nicht mehr erwarten. Sie treffen sich bei gemeinnütziger Arbeit, die sie leisten müssen, um dem Gefängnis zu entgehen. Einer davon, Robbie (
Paul Brannigan), wird als Sympathieträger aufgebaut, der aus dem hoffnungslosen Kreislauf von Gewalt und Gefängnis heraus will, um seine Freundin und das gemeinsame Kind zu behalten. Das sieht zunächst eher tragisch aus, denn trotz eines hilfreichen Sozialarbeiters besteht eigentlich keine Hoffnung. Mit den teils skurrilen Vergehen der anderen, die Ursache für die gemeinnützige Arbeit sind, werden aber frühzeitig einige komische Akzente gesetzt. Etwa in der Mitte wandelt sich der Film dann deutlich zur Komödie. Dafür sorgt der einmalige Coup, den Robbie sich ausdenkt, und gemeinsam mit drei anderen durchführt, inspiriert durch das Interesse ihres Sozialarbeiters an der Whiskykultur. In diesem Zusammenhang findet auch der Filmtitel seine Erklärung. Details werden lieber nicht verraten, weil beim Erzählen das Ganze vielleicht den Eindruck von Klamauk erweckt. Doch davon ist der Film meilenweit entfernt. Bis zuletzt zittert der Zuschauer immer wieder mit den Protagonisten, wobei sich Spannung und wirklicher Witz die Waage halten. Ihre soziale Herkunft wird den Vieren nach "getaner Arbeit" fast noch zum Verhängnis.
Letztlich wird sich nur für Robby das Märchen erfüllen, weil sein Anteil nicht nur aus Geld sondern auch aus einem Job, verbunden mit einem Ortswechsel, besteht. Die Tatsache, dass Ken Loach nur in einer Genrefilmen entlehnten, märchenhaften Lösung überhaupt eine Chance für seinen im sozialen Abseits befindlichen Helden sieht, spricht wohl Bände. Dem Zuschauer beschert das einen spannenden und unterhaltsamen Film, der eine realistische Basis hat. Und nicht zuletzt kommen alte Freunde des schottischen Whiskys auf ihre Kosten und neue Freunde werden vielleicht für den "Scotch" gewonnen.