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Kritik von Fred Maurer zu 'Tod auf dem Nil'

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Kritik von Fred Maurer
veröffentlicht am 23.03.2009
90%
Ein Remake ist eine Neuverfilmung eines bereits existierenden, meist mehrere Jahrzehnte älteren Films.
Spannung und Überraschungs-Showdown

Eine Kinofilmkritik von Dipl.-Päd. Fred Maurer zu Ehren von Peter Ustinov und David Niven, in Erinnerung an unvergessliche Lesestunden der 60er Jahre und Fernsehfreuden in den frühen 80ern

Der englische Spielfilm aus dem Jahr 1978 von John Guillermin, eine Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von Agatha Christie von 1937, ist von der ersten bis zur letzten Minute spannend und voller Überraschungen. Ohne das Ende vorwegzunehmen: Die für die erfolgreichste Krimiautorin aller Zeiten typische Auflösung ist sensationell.

Die Handlung: Nachdem die wohlhabende amerikanische Lady Linnet Ridgeway und der eher arme Simon Doyle geheiratet haben, verbringen sie ihre Flitterwochen in Ägypten. Ebenfalls anwesend ist Jacqueline, genannt Jackie, die ehemals beste Freundin von Linnet und zuvor auch Simons Verlobte. Jackie ist offensichtlich sehr wütend. Sie verfolgt die beiden und sinnt auf Rache. Als Linnet bei einer Tempelbesichtigung fast von einem Stein erschlagen wird, beginnen die Ermittlungen des belgischen Detektives Hercule Poirot, der rein zufällig auch in Ägypten ist. Er glaubt nicht an Zufall, sondern eher an einen kaltblütigen Mordanschlag.
Bei seinen weiteren Nachforschungen auf einer Nildampferfahrt erfährt Poirot, dass nicht nur Jackie, sondern auch diverse andere Mitreisende schlecht auf Linnet zu sprechen sind. Mordmotive gibt es genug.
Da sind ihr Dienstmädchen Louise Bourget, das den Dienst quittieren und heiraten möchte, dazu aber Geld von ihrer Chefin braucht; die Schriftstellerin Salome Otterbourne, welche Linnet vergeblich von einer Verleumdungsklage abzuhalten versucht; der junge Kommunist Ferguson, der sie für eine Ausbeuterin hält,, Frau van Schuyler, eine Gesellschaftsdame, die ganz scharf auf Linnets Perlenkette ist; deren Gesellschafterin Bowers, deren Vater von den Ridgeways in den Ruin getrieben wurde; Dr. Bessner, ein Arzt, dessen Ruf sie ruiniert hat; Pennington, ihr amerikanischer Rechtsanwalt, der sie zu betrügen versucht.
Ein paar Tage später kommt es zwischen Jackie und Simon zu einem heftigen Streit, infolgedessen Jackie Simon mit einer Pistole ins Knie schießt. Man bringt sie in ihre Kabine - Frau Bowers bleibt die ganze Zeit bei ihr. Bald darauf wird Simon von einem ebenfalls auf dem Schiff anwesenden deutschen Arzt Dr. Ludwig Bessner versorgt.
Am folgenden Morgen wird Linnet Doyle von ihrem Dienstmädchen Louise tot in ihrem Bett aufgefunden: Kopfschuss. Ihr Finger ist voll Blut, und an die Wand wurde mit diesem Blut ein großes J geschrieben. Allerdings kann Linnet das nicht selbst geschrieben haben, um den Täter zu verraten, da sie sofort tot war. Also muss dies der Mörder geschrieben haben?
Nun beginnen die Ermittlungen, und außer Simon und Jackie scheint keiner der weiteren Passagiere ein Alibi vorweisen zu können. Plötzlich wird Louise erstochen aufgefunden. Sie hat offensichtlich den Mörder zu erpressen versucht. Madame Otterbourne wird unmittelbar vor ihrer Aussage erschossen.
Poirot ruft alle Beteiligten im Salon zusammen und löst schließlich den verzwickten Fall: Die Tat war vorbereitet, Simon und Jackie sind gemeinschaftliche Täter. Der Knieschuss war lediglich vorgetäuscht, damit Simon im Laufe der Ermittlungen als zur Tatzeit bewegungsunfähig gelten musste. Unmittelbar nach dieser Pseudo-Verletzung hat er den Mord ausgeführt, um sich dann selbst tatsächlich entsprechend zu verletzen, damit der später eintreffende Arzt die Verletzung bestätigen konnte: ein perfektes Alibi. Das Zimmermädchen wollte als Zeugin die Täter erpressen und wurde daraufhin von Jackie erdolcht. Auch Mrs. Otterbourne wurde erneut von der scheinbar so schwachen Jackie als Mitwisserin erschossen. Nach der Präsentation dieses Sachverhaltes der fatale Show-down: Beim großen Finale erschießt Jackie erst Simon und dann sich selbst.
Was wir lernen können: Der Schein kann trügen. Ein vermeintliches Traumpaar ist manchmal eine Schimäre, ein Trugbild. Man sieht nur mit dem Herzen gut - so man eines hat.

Gedreht wurde fast ausschließlich an den wunderschönen Originalschauplätzen: Abu Simbel, an Bord der SS Sudan.
Allerdings folgt die Handlung nicht genau der Geographie (und damit den schon damals üblichen Kreuzfahrten lange vor dem "Traumschiff").
Die Starbesetzung überzeugte: Peter Ustinov als bester Poirot aller Zeiten, der kongeniale David Niven als sein kriminalistisch ahnungsloser Freund; Bette Davis als Marie Van Schuyler, Mia Farrow als Jacqueline De Bellefort, Jane Birkin als Louise Bourget, Angela Lansbury als Salome Otterbourne.
Eine Sternstunde!

Die deutsche Synchronfassung wurde noch 1978 angefertigt und ist perfekt. Jahrelang hielt ich Ustinows Synchronstimme für seine eigene.

Der Film gewann mehrere Preise, auch einen Oscar. Dennoch war die Medienkritik durchwachsen.
"prisma-online" jedoch schreibt: "John Guillermin setzte den Agatha Christie-Roman routiniert, aber mit einigen Längen um und bemühte sich erfolgreich um eine tolle Starbesetzung. Sir Peter Ustinov hat hier seinen ersten Auftritt als Poirot. Das britische Multitalent blickt auf eine lange Laufbahn als Kino- und Theater-Schauspieler, Regisseur und Autor zurück. In den 60ern krönten zwei Oscars den Höhepunkt seiner Karriere und in den 70ern spielte er sich als Meisterdetektiv Poirot in die Herzen der Zuschauer..."
Für mich als alter Krimifan, der als Jugendlicher zahlreiche Romane Agathe Christies verschlungen hatte und sich während dem Studium mit den literarisch wertvollen, sozial engagierten Detektivromanen Friedrich Dürrenmatts befasste ("Der Richter und sein Henker"; "Das Versprechen", verfilmt unter "Es geschah am helllichten Tag", erst mit Gert Fröbe, Jahrzehnte später mit Axel Milberg) ist "Tod auf dem Nil" der beste Krimifilm überhaupt - das Gegenstück zu dem Western "Zwölf Uhr mittags" oder dem Liebesfilm "Love Story".
2004 entstand eine Neuverfilmung - mit David Suchet in der Hauptrolle. Ich saß gespannt vor dem Fernseher und wurde enttäuscht: Obwohl der Hauptdarsteller durchaus überzeugt, ist dieses Remake keine Filmkritik wert. Es fehlt ihm jegliche Individualität und Originalität.

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