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Kritik von Klaus Schipschack zu 'Im Nebel'

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Partner von Fantastic Zero
Kritik von Klaus Schipschack
veröffentlicht am 11.10.2012
90%
Erst in den letzten zehn Minuten des Filmes kommt Nebel auf, der sich allmählich verdichtet, bis letztendlich das ganze Bild "Im Nebel" versinkt. Ein perfekter Schluss für einen beeindruckenden Film, doch der Regisseur traut dem Zuschauer nicht und setzt einen überdeutlichen akustischen Schlusspunkt, den zumindest ich überflüssig fand und der mich störte. Das ist aber der einzige Kritikpunkt nach faszinierenden reichlich zwei Stunden, die gebannt im Kinosessel verbringt, wer bereit ist, sich auf den Film einzulassen.
Der 1964 in der Sowjetunion geborene Regisseur hat durch seine Biographie Verbindungen zu Weißrussland, der Ukraine und Russland, lebt heute aber in Deutschland. Bekannt und mehrfach ausgezeichnet wurde er für seine Dokumentarfilme über die russische Provinz, die am Dokumentarfilmstudio in Sankt Petersburg entstanden. In seinen späteren Dokumentarfilmen setzte er sich mit der sowjetischen Geschichte auseinander. Beide Themen vereinte er in seinen beiden bisherigen Spielfilmen. In "Mein Glück" (2010) gelangen ihm dabei beeindruckende Szenen. Insgesamt verschreckte aber der Film die Zuschauer durch seinen extrem pessimistischen Rundumschlag vom 2. Weltkrieg bis zur Gegenwart, wobei auch die Handlung in zu viele Nebenstränge zerfaserte, so dass mitunter der Durchblick schwierig war.
"Im Nebel" konzentriert sich jetzt zeitlich auf den 2. Weltkrieg und spielt konkret 1942 mit Rückblicken bis ins Jahr 1941, als die Sowjetunion von der deutschen Wehrmacht besetzt war. Handlungsort ist wie in "Mein Glück" die russische Provinz, einsame Dörfer in tiefen Wäldern, wahrscheinlich in Weißrussland. Es gibt drei Handlungsträger, die relativ schnell zusammenfinden und bis zum Schluss zusammenbleiben. Durch drei umfangreiche Rückblenden wird jeder der drei näher charakterisiert, wobei das Ergebnis den Eindruck vertieft, den sie in der etwa anderthalb Tage umfassenden chronologischen Filmhandlung erwecken. Vor allem in den Rückblenden kommen zahlreiche weitere Personen vor, die aber alle Nebenfiguren bleiben. Diese zeitliche und personelle Konzentration tut dem Film sehr gut und gewährleistet, dass der interessierte Zuschauer sich in diese drei Handlungsträger immer besser hineinversetzen kann.
Der Film zeigt, was der Krieg aus den Menschen macht, dass er ihn in Situationen bringt, für die es keinen Ausweg gibt, außer dem Tod. Der Sympathieträger des Filmes ist Sushenya (Vladimir Svirskiy), ein Eisenbahnarbeiter, der von den deutschen Besatzern nach einem Anschlag auf die Eisenbahn als einziger nicht hingerichtet wurde. Das überlassen diese den Partisanen. Obwohl Sushenya keinerlei Schuld auf sich geladen hat, die Zusammenarbeit mit den Deutschen konsequent ablehnt und seine Handlungen bezüglich der Folgen für sich und andere gut abwägt, ganz im Gegensatz zu den beiden anderen Handlungsträgern oder den Attentätern, ist er in eine ausweglose Situation geraten, die der Zuschauer im Laufe des Filmes immer klarer erkennt.
Die deutschen Soldaten, soweit sie im Film überhaupt vorkommen, werden als Eroberer geschildert. Außer in der geringeren Präsenz gibt es da keine grundlegenden Unterschiede zu den zahlreichen Partisanenfilmen aus sowjetischen Zeiten. Überraschender ist die Darstellung von einheimischen Hilfswilligen, die Polizeidienste verrichten und dabei die Bevölkerung drangsalieren. Wenig bleibt dagegen vom Glorienschein der Partisanen, ohne das generell die Berechtigung für diesen Wiederstand in Frage gestellt wird.
Obwohl über weite Strecken nur Wald und ein bis drei Personen gezeigt werden, die sich in diesem Wald mit mehr oder weniger Vorsicht bewegen, ist der Film von einer latenten Spannung erfüllt, der ich mich nie entziehen konnte. Dabei bleibt der Regisseur immer realistisch, auch in den wenigen Szenen, in denen Schüsse fallen. Die großartigen Schauspieler und ihre kargen Dialoge sowie die deutlich handlungsreicheren Rückblenden, aus denen sich allmählich das ganze Dilemma der moralisch integren Hauptfigur erschließt, sorgen dafür. Mit Sicherheit werden aber Zuschauer, die Actionfilme und Computerkriegsspiele lieben, nichts mit dem Film anfangen können und sich extrem langweilen. Das ist allerdings kein Argument gegen diesen Antikriegsfilm, im Gegenteil.
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