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Kritik von Klaus Schipschack zu 'Das Haus auf Korsika'

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Partner von Entania
Kritik von Klaus Schipschack
veröffentlicht am 10.06.2012
80%
Der 1964 geborene Belgier Pierre Duculot ist als Filmregisseur fast ein Spätstarter, denn "Das Haus auf Korsika" ist sein erster Spielfilm. Doch als Produzent und Regisseur von zwei erfolgreichen Kurzfilmen ist er schon länger in der Filmbranche aktiv. Auch das Drehbuch für den Film hat er selbst geschrieben. Der französisch-sprachige belgische Film ist bei uns vor allem durch die Dardenne-Brüder ("Der Junge mit dem Fahrrad", 2011) bekannt, womit die Messlatte gleich sehr hoch liegt.
Trotz des Titels spielt der Film zunächst in Belgien und zwar in Charleroi, dem einstigen Zentrum der wallonischen Kohle- und Stahlindustrie. Stärker als im Ruhrgebiet hat dort der Strukturwandel zu einer anhaltend hohen Arbeitslosigkeit geführt. Umweltverschmutzung, Zerfall und Armut haben der Stadt den zweifelhaften Titel der "hässlichsten Stadt der Welt" eingebracht.
Auch die etwa 30jährige Christina (Christelle Cornil) ist nach einem künstlerischen Studium arbeitslos und wird als billige Arbeitskraft in der Pizzeria des Vaters ihres langjährigen Freundes ausgebeutet. Als ihre Großmutter stirbt, erbt sie ein Haus auf Korsika, von dem keiner in der Familie etwas wusste. Bevor es verkauft wird, will Christina das Haus wenigstens einmal besuchen und den Zusammenhang mit ihrer Großmutter klären. Da ihr Freund dafür wenig aufgeschlossen ist, fährt sie schließlich allein los. Das Haus erweist sich als heruntergekommen und baufällig und liegt sehr abgelegen. Aber die Landschaft ist ein Traum und Christine verliebt sich sofort. Angesichts der tristen Alternative in Charleroi und ihrer kriselnden Beziehung, entschließt sie sich, allein einen Neustart auf Korsika zu wagen.
Mit der Wahl zwischen Charleroi und den korsischen Bergen scheint es sich der Regisseur recht einfach zu machen, aber die Schönheit der Landschaft wird durch den Mangel an fast allen Segnungen unsere Zivilisation in Frage gestellt. Nur mit viel Geld lässt sich dem abhelfen. Obwohl Christine das nicht hat, wagt sie den Versuch. Dadurch gewinnt sie beim Zuschauer, der sich mit ihr identifizieren kann, noch mehr Sympathie. Und die plötzliche Hilfe, die sie erhält, ist keinesfalls eine märchenhafte Lösung, sondern beruht auf realistischen Ansätzen.
Die Kamera schwelgt zeitweise in der traumhaften Landschaft, aber ihre Bewohner werden nicht verklärt. Sie sind hilfsbereit, aber auch geschäftstüchtig. Schließlich müssen sie von etwas leben und das sind vor allem die Touristen. Auch Christina wird als Touristin angesehen. Sie braucht vermutlich viel Durchhaltevermögen, um daran wenigstens partiell etwas zu ändern.
Der Film ist ein Appell an den Zuschauer, Chancen, die das Leben bietet, zu ergreifen. Ein ungewisser Ausgang und Risiken sind kein Grund, nicht etwas Neues zu probieren. Auch bei Christina ist der Ausgang ihres Versuches, auf Korsika zu leben, ungewiss. Aber sie ergreift die Chance. Das erzählt der Film immer glaubwürdig und mit viel Realismus im Detail. Dabei reichen dem Regisseur oft Andeutungen aus, um bestimmte Situationen zu verdeutlichen. Ein Beispiel ist Christinas Besuch auf dem Arbeitsamt in Charleroi, der nur mit wenigen kurzen Szenen ohne Dialog gezeigt wird. So hält der Film kontinuierlich seine Spannung, ohne jemals geschwätzig zu werden.
Aus dem Film wird ersichtlich, dass der Regisseur die Bedeutung der Familie sehr hoch einschätzt, wobei Auseinandersetzungen und Spannungen dazu gehören. Das verbindet ihn u.a. mit dem französischen Regisseur Robert Guédiguian ("Der Schnee am Kilimandscharo", 2011), auf den er sich auch in einem Gespräch als Vorbild beruft.
Pierre Ducolot ist ein sehenswerter Film über einen realen Ausbruchsversuch aus dem Alltag gelungen, in dem die korsischen Berge das Sahnehäubchen sind.
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