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Kritik von Julien Dopp zu 'Zero Dark Thirty'

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Partner von Entania
Kritik von Julien Dopp
veröffentlicht am 11.02.2013
100%
Ein Spoiler ist eine Information zur Handlung, die wesentliche Spannungs- oder Überraschungselemente vorwegnimmt.
Der neue Film von Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow. Die Diskussionen liefen auf Hochtouren, die Meinungen waren und sind sehr unterschiedlich. Enttäuscht waren diejenigen, die einen patriotistischen, unreflektierten Actionthriller erwartet haben, begeistert die, die einen Propagandafilm befürchtet haben.

"Zero Dark Thirty" ist keines von beidem, weder ein Actionfilm, noch ein Propagandafilm. Er ist vor allem der unamerikanischte amerikanische Film, den ich seit Langem gesehen habe. Und für einen Film, der es fast 160 Minuten lang schafft, das Niveau, das er von der ersten Minute an trägt, bis zur letzten, grandiosen Nahaufnahme von der herausragenden Jessica Chastain, zu halten, ja, solch einem Film vergebe ich nur zu gerne auch einmal 100 Prozent!

Teils mit Handkamera gefilmt bleibt Bigelows Meisterwerk immer nah dran, teils sehr unangenehm dran: an CIA-Agentin Maya, die im Laufe der Jahre zur Bin-Laden-Fanatikerin wird und Jahre ihres Lebens aufopfert ihn zu finden.
Nah dran an den Folterern und Gefolterten, in den geheimen, namenlosen Orten, die den USA und deren Filmkritikern noch immer richtig weh tun, wenn sie das in einem weltweit erfolgreichen Kinofilm zu sehen bekommen.
Nah dran an den Militärtruppen in Afghanistan, Pakistan und diejenigen, die sich in der fast 25minüten Sequenz um Bin-Ladens Ermordung Schritt für Schritt vorwagen, vorsprengen in das Hochsicherheitsverließ, in dem Bin Laden sich befand.

Das grandiose an diesem Film jedoch ist, dass diese Nähe nicht ausgenutzt wird, um Amerika hochleben zu lassen, für den Erfolg zu feiern, den einige wenige Menschen jahrelang ihr Leben aufgeopfert haben zu scheinen. Nein, das tut dieser Film nicht. Er entwickelt, im Gegenteil, klug, differenziert und ausbalanciert - sowie wahnsinnig detailgenau recherchiert - einen Plot, der sowohl inhaltlich wie auch stilistisch eher einem Dokumentarfilm zu gleichen scheint. Niemals eine überflüssige Sequenz, nicht ein Moment der Langeweile, sondern eine Charakterzeichnung, die von Anfang an zur Hochspannung aufläuft.

Die Nüchternheit dieses Stils macht diesen Film zu einem durchweg glaubwürdigen, künstlerisch hoch anspruchsvollem Machwerk, wie ich lange keines aus der amerikanischen Filmbranche gesehen habe.

Dazu ein grandioser Soundtrack von Meisterkomponist Alexandre Desplat und eine selten ausgefeilte Kameraführung - und es ist ein Film entstanden, über den man noch lange nachzudenken hat, der sicherlich auch weiterhin für Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten sorgen wird, aber der genau das auch wert ist.

Zum Thema Schauspielkunst: auch hier zeigt sich wieder, dass Bigelow dezent, behutsam vorgegangen ist. Keine große Hollywood-Namen, die vielleicht mehr Zuschauer ins Kino gelockt hätten, aber durch die eventuell doch ein Propagandafilm hätte entstehen können. Nein, hier wurde auf bisher eher halbbekannte Schauspieler/innen gesetzt, die vor allem anderen für eins sorgten: Qualität.

Jessica Chastain. Diese Frau muss erwähnt werden. Selten hat man eine so spröde und doch so facettenreiche, nuancierte, großartige Darstellung im Kino gesehen, wie diese Frau hier erschafft. Nach dem hochverdienten Golden-Globe würde es an eine Schande grenzen, wenn sie den Oscar nicht mit nach Hause nehmen dürfte. Eine neue große Künstlerin am Hollywood- und Filmkunsthimmel!

Zum Ende nun auch zur allerletzten Szene des Films: Maya on Plane, wie der Soundtracktitel so verräterisch vorhersagt. Die Szene (Achtung: Spoiler), in der Maya (Chastain) den ermordeten und ergriffenen Bin Laden zu Gesicht bekommt, in der sie das Lagerzelt verlässt und in ein Flugzeug steigt: "Wohin wollen Sie?", fragt der Pilot. Der letzte Satz in diesem grandiosen Film. Nahaufnahme Chastain. Sie weiß es nicht. Zehn Jahre Bürde, Last, Trauer, Wut, Obsession abgefallen von der Agentin. Und das alles in einer Szene, in der Chastain nur dasitzt, das Gesicht in Nahaufnahme, und keine Antwort weiß. Cut.

Ein grandioser, kritischer, wichtiger Film! Anschauen bitte!

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